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Neues Leben in den Trümmern des Krieges

Nach den tödlichen Angriffen, die große Teile des ländlichen Nalyvaikivka in Schutt und Asche gelegt haben, hilft der UNHCR den Familien vor Ort mit Notunterkünften und Baumaterialien beim Wiederaufbau.

In dem ruhigen Dorf Nalyvaikivka am Rande von Kiew durchwühlen einige Bewohner*innen die Trümmer ihrer zerstörten Häuser und hoffen, so viel wie möglich retten zu können. Andere versammeln sich an den Gartentoren, um ihre Unterstützung und ihr Beileid auszudrücken und zu versuchen, den Verlust und die Zerstörung der letzten Wochen zu verarbeiten.

In einer Nacht alles verloren

Dies ist die neue Realität für die eng verbundene Gemeinde Nalyvaikivka. In der Hauptstraße herrschte früher reges Treiben - ein Ort, wo die Bewohner das Wenige teilten, das sie hatten, und die Nachbarn sich über die Gartenzäune hinweg unterhielten.  
Doch am 4. März wurde das Dorf durch den schrillen Klang von Luftschutzsirenen und Beschuss über dem Dorf geweckt. Die Bewohner*innen griffen verzweifelt nach ein paar Habseligkeiten wie Wintermänteln und Handschuhen und rannten um ihr Leben, um in nahe gelegenen Bunkern Schutz zu finden.

Unter ihnen Jurij, Oksana und ihre Tochter Switlana. Sie flohen in ihren Keller - ein kalter Raum, in dem sie selbstgemachte Marmeladen und eingelegtes Gemüse lagerten. 

Als sich die Kellertür über unseren Köpfen schloss, hörte ich das Geräusch von zersplitterndem Glas,

sagt Oksana. 

Als die Familie aus dem Keller herauskam, stellte sie fest, dass ihr Haus getroffen worden war.

Aus Angst um ihre Sicherheit floh die Familie in eine nahe gelegene Stadt, um bei Freunden unterzukommen, kehrte jedoch wenige Wochen später zurück. „Wir kamen zurück, als die Truppen sich aus der Gegend zurückzogen und der Beschuss aufhörte. Die ganze Straße war grau von der Asche der verbrannten Gebäude. Unser Hof war voller Schutt, Schiefer, Fensterrahmen und Glas. Wir verbrachten viele Tage damit, aufzuräumen, wobei wir sehr vorsichtig vorgingen, da wir nicht wussten, ob sich nicht explodierte Munition oder andere gefährliche Dinge in unserem Hof befanden."  

Auf der Suche nach Sicherheit in der Ferne schloss sich die 24-jährige Tochter Svitlana einem Freund in der Slowakei an, kehrte aber einen Monat später zurück. „Ich konnte einfach nicht dortbleiben, weil ich wusste, dass meine Mutter und mein Vater durch diese Hölle gehen mussten." Auch ihr Bruder, der 31-jährige Oleksandr, der in Kiew lebt, hilft der Familie beim Aufräumen der Trümmer. Der kleine Hund der Familie, Bonita, sitzt da und starrt auf die Stelle, an der einst ihr Haus stand.  

Ich habe mein ganzes Leben in dieses Haus investiert.

Die 51-jährige Oksana ist Krankenschwester. Sie verbrachte Jahre damit, ihr jetzt zerstörtes Haus mit Hilfe ihres Bruders von Grund auf zu bauen, damit ihre Kinder Svitlana und Oleksandr ein sicheres und warmes Zuhause haben würden. „Wir hatten nie viel Geld, um den Bau in einem Rutsch zu beginnen und zu beenden", sagt sie.  

Als Yurii, ein 60-jähriger Bauarbeiter, vor vier Jahren in ihr Leben trat, beschleunigte sich das Bautempo erheblich, und gemeinsam stellten sie ihr Traumhaus fertig.  

„Es wurde mit viel Liebe und Aufmerksamkeit für jedes kleinste Detail gebaut", erklärt Oksana. „Dieses Haus war wie ein weiteres Kind für uns, wir haben so viel Sorgfalt und Liebe darein investiert. Mein ganzes Leben ist in dieses Haus investiert." 

Tod und Zerstörung hinterlassen tiefe Spuren

Viele der Dorfbewohner*innen haben alles verloren. Wochenlanger tödlicher Beschuss und Raketenangriffe führten zur Beschädigung und Zerstörung von mehr als 220 Häusern, von denen 30 vollständig zerstört wurden, darunter allein sieben in Oksanas Straße.

„Dies war eine freundliche Nachbarschaft und jetzt ist es eine Straße des Grauens", sagt sie, während sie die Zerstörung um sich herum betrachtet. 

Neben dem Trauma, ihre Häuser verloren zu haben, müssen die Dorfbewohner*innen von Nalyvaikivka auch den Verlust von Menschen verkraften, die sie ihr Leben lang kannten. Oksana blickt über den Gartenzaun auf ein zerstörtes Haus. „Unsere beiden Nachbarn haben nicht überlebt. Der Sohn starb während des Beschusses, und seine Mutter starb danach im Krankenhaus." 

Hinter den Trümmern ihres ehemaligen Hauses, neben einem Feld mit verbrannten orangefarbenen Mohnblumen, steht eine provisorische Wohneinheit, in der die Familie derzeit lebt. „Im Mai erhielten wir vom UNHCR ein provisorisches Haus", erklärt Oksana in der kleinen Küche. Damit sich die Unterkunft mehr wie ein Zuhause anfühlt, hat der UNHCR auch Matratzen, Bettwäsche, Solarlampen und Dinge wie Seife und Handtücher zur Verfügung gestellt.  

  • Jurij, Oksana und ihre Tochter Switlana vor ihrem provisorischen Zuhause, das ihnen Obdach gibt, während sie ihr Haus neu aufbauen.
    © UNHCR/Andrew McConnell

    Jurij, Oksana und ihre Tochter Switlana vor ihrem provisorischen Zuhause, das ihnen Obdach gibt, während sie ihr Haus neu aufbauen.

  • UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, verschafft sich bei einem Besuch der Region einen Überblick über die Zerstörung und die aktuellen Lebensumstände der Menschen.
    © UNHCR/Andrew McConnell

    UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, verschafft sich bei einem Besuch der Region einen Überblick über die Zerstörung und die aktuellen Lebensumstände der Menschen.

  • Oksanas Blumenbeet - angelegt aus Trümmern ihres alten Hauses.
    © UNHCR/Victoria Andrievska

    Oksanas Blumenbeet - angelegt aus Trümmern ihres alten Hauses.

Neues Leben in den Trümmern

Trotz allem, was geschehen ist, hat die Familie nicht aufgegeben. Yurii hat bereits damit begonnen, ihr geliebtes Haus Stein für Stein wiederaufzubauen. Ein ordentlicher Haufen Baumaterial, den er aus den Trümmern geborgen hat, steht als Symbol für seine Entschlossenheit, und der UNHCR wird weiteres Material zur Verfügung stellen.  

Oksana, eine begeisterte Gärtnerin, steht zwischen einem verkohlten Kirschbaum und ihren Blumen. Aus den beschädigten Ziegeln ihres Hauses hat sie neue Blumenbeete angelegt. 

Wenigstens kann ich den Trümmern meines zerstörten Hauses ein neues Leben geben.

Doch während die Dorfbewohner*innen bereits mit dem Wiederaufbau beschäftigt sind, hat der schreckliche Verlust, der dieser kleinen ländlichen Gemeinde zugefügt wurde, seine Spuren hinterlassen, und die Bewohner trauern weiterhin um diejenigen, die nicht überlebt haben. Für Oksana ist die Nacht besonders schwierig. Sie hat mit Albträumen zu kämpfen, und ihr Geist und ihr Herz rasen, wenn sie an das Geschehene zurückdenkt.  

„An meinem Arbeitsplatz sagen mir alle, dass ich Glück habe, dass ich überlebt habe. Und ich sage: 'Ja, ich lebe, aber meine Seele ist tot'. Mein Haus war wie mein Kind. Ich möchte es wirklich wieder aufbauen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich genug Kraft dafür habe.“

Hilfe für Vertriebene und den Wiederaufbau 

Angesichts der Tatsache, dass Millionen von Ukrainer*innen unter den Auswirkungen des Krieges leiden und ein bitterkalter Winter bevorsteht, setzt sich der UNHCR mit der großzügigen Unterstützung seiner Spender*innen dafür ein, dass die vom Konflikt betroffenen Menschen einen würdigen und sicheren Aufenthaltsort erhalten. 

Die vertriebenen Menschen erhalten Bargeld und rechtliche Unterstützung. Unterkünfte werden instandgesetzt und Bedürftige erhalten Decken, Matratzen und Lampen. Die humanitäre Lage verschlechtert sich jedoch weiter, da schätzungsweise 17,7 Millionen Ukrainer*innen auf Hilfe angewiesen sind, darunter 6,6 Millionen Binnenflüchtlinge.  

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