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"Am Ende zählen Taten immer mehr als Worte."

Gastbeitrag: Wie ein junger Autor nicht nur Schüler*innen in ganz Deutschland, sondern auch geflüchteten Kindern weltweit geholfen hat.

Autor: Tim Nießner

Kennen Sie das auch? Dieses Gefühl, dass man anderen Menschen helfen möchte, denen es nicht so gut geht wie einem selbst? Kindern, deren Eltern sozial benachteiligt sind oder die nicht das Glück hatten, in Deutschland geboren zu werden, sondern z.B. in Syrien oder Jemen?

Auch wenn ich mich nie wirklich groß sozial engagiert habe - dieses Gefühl, anderen helfen zu wollen, war immer da. Vor drei Jahren habe ich mich dann entschieden, diesem Gefühl aktiv nachzugehen. Und das auf eine etwas ungewöhnliche Art und Weise.

In der Schule war ich viele Jahre ein schlechter Schüler, noch in der 6. Klasse hatte ich einen Notendurchschnitt von 3,0. In der 7. Klasse nahm ich mir dann vor, das zu ändern und verbesserte mich in diesem Jahr direkt auf 1,9. Als ich in der 10. Klasse sogar einen 1,3er Durchschnitt schaffte, fragte ich mich: „Warum schreibe ich nicht ein Buch darüber, wie ich mich in der Schule verbessert habe, um schlechteren Schüler*innen - wie ich damals - zu helfen?

Schnell fiel mir aber auf, dass die Tipps von Schüler*innen mit einem 1,0 Abiturzeugnis von mehr Wert sein könnten als meine. Deswegen nahm ich mir vor, möglichst viele 1,0er Abiturient*innen zu interviewen, und nach Tipps zu fragen. Gesagt, getan: Ich kontaktierte 2250 Schulen, interviewte fast 100 Schüler*innen und fasste ihre Tipps in einem Buch zusammen. Zu meiner Überraschung wurde es ein großer Erfolg und landete sogar auf Platz 2 der Spiegel-Bestsellerliste.

Daraufhin bekam ich viele Nachrichten von Schüler*innen, die sich durch mein Buch verbessert hatten, was mich sehr glücklich machte.

Nachdem sich der Trubel um das Buch gelegt hatte, war dieses Gefühl, Menschen helfen zu wollen, immer noch da. Mir wurde klar: Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern in Deutschland zu unterstützen ist wichtig und hat einen sehr positiven Einfluss. Dennoch dachte ich an die vielen Kinder, die z.B. durch Bürgerkriege, wie im Jemen oder Syrien vertrieben wurden und gar keine Chance auf Bildung haben. Ich merkte, dass ich auch diesen Kindern gerne helfen wollte. So beschloss ich, 25% von dem Gewinn meines Buches (bis jetzt 7.500 Euro) in das Programm „Educate a Child“ der UNO-Flüchtlingshilfe zu spenden. Warum ich mich für diese Organisation entschieden habe? Die UNO-Flüchtlingshilfe ist nicht nur der deutsche Partner des UNHCR, sondern man weiß auch, dass die Spenden an der richtigen Stelle ankommen.

Egal wie unterschiedlich wir alle sind: Ich glaube, dass Jede*r diesen Wunsch hat, anderen Menschen zu helfen. Und wer braucht unsere Hilfe mehr als Flüchtlinge? Ich würde mich sehr freuen, wenn mehr Autor*innen einen Teil ihres Gewinnes spenden und damit Geflüchteten helfen.

Besonders würde ich mir das von Autor*innen wünschen, deren Buch von sozialer Ungerechtigkeit handelt oder die für soziales Engagement eintreten, denn am Ende zählen Taten immer mehr als Worte.

Natürlich muss man kein Buch schreiben, um etwas Gutes zu tun. Aber viele Menschen könnten es sich leisten, eine kleine Summe zu spenden. Dieses Gefühl „etwas Gutes tun zu wollen“, in ein Gefühl von „ich habe etwas Gutes getan“ umzuwandeln, ist mehr wert als das gespendete Geld. 

 
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Die hier geäußerten Ansichten und Standpunkte sind die des/der Autor*in und geben nicht notwendigerweise die Positionen der UNO-Flüchtlingshilfe oder des UNHCR wieder.

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Bemerkungen

  • user
    Volkmann 27.04.2021 um 11:52
    Ich finde es gut, etwas abzugeben, wenn es einem gut geht, sei es Geld, sei es Wissen, wie in dem Fall der guten Schüler*innen. Es gibt einem die Gewissheit, dass auch einem selbst geholfen wird, wenn es einem schlecht gehen sollte. Der Anthropologe Marshall Sahlins nannte das in "Stone Age Economics" (1972) "generalisierte Reziprozität".