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„Das Wichtigste ist, dass niemand auf uns schießt!“

Wenn die 84-jährige Svetlana ihre Augen schließt, kann sie noch immer ihre Blumen sehen, die gerade in Blüte standen, als sie ihr Haus im ukrainischen Örtchen Mykolaiv verlassen musste. Mit ihrem Sohn floh sie vor dem Krieg, der seit dem 24. Februar in der Ukraine tobt.

Svetlana im Gespräch mit einer UNHCR-Mitarbeiterin an der Grenze Moldawiens. © UNHCR/A.McConnell

“Ich liebe Blumen und Pflanzen”, sagt Svetlana und blickt verträumt in den Himmel. „Ich habe viele Tulpen und ich habe auch viele Lilien, groß wie ein Mensch. Ich habe immer in Mykolaiv mit meinem Mann gelebt. Wir haben ein Haus gebaut, eine lange Ehe, ein langes Leben: 62 Jahre habe ich mit meinem Mann zusammengelebt. Er starb im Dezember 2020.“

“Das war mein Leben vor dem Krieg.“

Als die russische Invasion in der Ukraine begann, veränderte sich das Leben der 83-Jährigen völlig.

“Mein Haus ist sehr schön – groß und wunderschön. “Während all dieser Jahre war es immer friedlich – und dann brach der Krieg aus. Ich bin allein im Haus. Es war schrecklich. Ich konnte mich im Keller verstecken. Aber weil ich solche Knieschmerzen habe, konnte ich zwar runter kommen aber nicht wieder hoch.”

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Svetlana aus der Ukraine

Svetlana ist auf ihren Rollstuhl angewiesen, um sich fortzubewegen. Darum kam ihr Sohn, Andre, aus Deutschland und blieb so lange bei seiner Mutter in Mykolaiv bis die Lage stabil genug war, damit sie die belagerte Stadt verlassen konnten.

Es fiel Svetlana sehr schwer die Entscheidung zu treffen und ihre Heimat, in der sie ihr ganzes Leben verbracht hatte und ihren geliebten Garten zu verlassen.

“Meine Pfingstrosen hatten gerade angefangen zu blühen”, erklärt sie. “Aber mein Sohn sagte zu mir: Mutter, denk nur einfach an den Winter. Du wirst ganz allein sein. Wie wirst Du das ganz allein schaffen? Wenn es Frost und Schnee gibt, wer kommt dann und besucht Dich in dieser Gegend?”

Zuerst reisten Mutter und Sohn 150 Kilometer von Mykolaiv durch Odesa nach Palanca an der Grenze zu Moldawien. Dort wurden sie von UNHCR-Mitarbeitern und anderen Hilfsorganisationen begrüßt. Svetlana war über den Empfang und die Gastfreundschaft überrascht und erleichtert.

“Wissen Sie, etwas so gut Organisiertes habe ich nicht erwartet. Wir wurden von den Freiwilligen so gut begrüßt. In so schwierigen Zeiten, wenn so viele Leute Hilfe brauchen … die Hilfe war wunderbar.”

Seit Februar sind mehr als 573.000 Flüchtlinge aus der Ukraine über die Grenze nach Moldawien geflüchtet. Viele reisten in andere Länder weiter. Momentan leben über 89.000 Flüchtlinge in Moldawien.

Von der Grenzstation wurden Svetlana und ihr Sohn in die Hauptstadt Moldawiens gebracht, wo sie erst einmal in einer Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge, der MoldExpo, unterkamen.

In der MoldExpo lebten anfänglich 1.200 Flüchtlinge. Mittlerweile werden dort noch 350 untergebracht und versorgt. Die Flüchtlinge erhalten warme Mahlzeiten, werden rechtlich beraten und bekommen psychologische Unterstützung. UNHCR hat zusammen mit  UNICEF 7 Blue Dots eröffnet, Bereiche in denen Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie Kinder, Mütter und alte Menschen einen geschützten Bereich finden.

Svetlana sitzt vor dem MoldExpo in ihrem Rollstuhl in der Sonne und freut sich über das Vogelgezwitscher, als wir uns von ihr verabschieden.

“Natürlich würde ich mir wünschen zuhause zu sein, aber der Krieg und meine Gesundheit erlauben dies nicht”, sagt sie wehmütig. “Das Wichtigste ist, dass niemand auf uns schießt. Wir können friedlich schlafen.”

 

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