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Eine Brücke in die Zukunft

Bildung ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft - aber viele geflüchtete Kinder und Jugendliche müssen um ihr Recht dafür kämpfen.

Schülerinnen und Schüler heben die Hände zum Mitmachen während einer naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunde in einem Labor der St. Michaels Tongogara Secondary School am 26. April 2021 im Tongogara-Flüchtlingslager in Chipinge, Simbabwe. Die Beteiligung am naturwissenschaftlichen Unterricht und die Erfolgsquote sind seit der Einführung des Labors gestiegen.
UNHCR/Zinyange Auntony

Was haben ein Lehrer im Irak, ein 22-jähriger Student in Kanada, ein 15-jähriges Mädchen in Peru und eine ehrgeizige Schülerin in Trinidad und Tobago gemeinsam? Sie alle mussten dafür kämpfen, ihr Recht auf Bildung wahrnehmen zu können. Nicht nur ihr Flüchtlingsstatus, sondern auch die Pandemie erschwert ihnen den Zugang zu Bildungsmöglichkeiten.

Laut Schätzungen der UNESCO waren weltweit rund 1,5 Milliarden Schüler*innen und Studierende durch die Corona-bedingten Schließungen von Bildungseinrichtungen betroffen. Auch wenn die Schließungen von Schulen und Universitäten für alle Betroffenen Probleme mit sich brachten, hatten insbesondere Flüchtlingskinder und -jugendliche mit den Folgen zu kämpfen.

Mehr Informationen rund um das Thema Bildung

Schulabbruch während Corona

Schon vor Corona standen sie vor besonderen Herausforderungen: zum einen werden geflüchtete Kinder und Jugendliche nicht in allen Ländern in das nationale Schulsystem integriert, zum anderen können sie nicht überall die nötigen Prüfungen für eine weiterführende Schulbildung ablegen.

Während des Lockdowns konnten viele Flüchtlinge aufgrund fehlender technischer Ausrüstung, mangelndem Internetzugang und schlechter Stromversorgung außerdem nicht am Online-Unterricht teilnehmen. Manche Kinder mussten sogar die Schule abbrechen, um ihre Familie zu unterstützen. Für geflüchtete Mädchen und Frauen ist die Situation besonders dramatisch. Die ungleichen Chancen im Bildungssystem denen Flüchtlingen ausgesetzt sind, wurden damit durch die Pandemie verstärkt.
Maria, Nhial und Ibrahim sind nur drei von vielen Geflüchteten, die für das Recht auf Bildung gekämpft haben. Stellvertretend für die vielen anderen stellen wir ihre Geschichten hier vor:

Eine zweite Chance

Maria* hat Diabetes. Als sie zwölf Jahre alt war verließ sie mit ihren Eltern Venezuela. Zu dieser Zeit war der Medikamentenmangel im Land so groß, dass sie zunehmend Schwierigkeiten hatten an das für Maria lebensnotwendige Insulin zu kommen. Die Familie floh nach Trinidad und Tobago – ein Land in der Karibik nahe Venezuela. Schon als kleines Kind hatte Maria den Traum Ärztin zu werden - genauer: Neurologin.

Als sie in Trinidad und Tobago ankam, schien ihr Traumberuf in weite Ferne zu rücken.

Denn dort dürfen Flüchtlinge nur mit einer Genehmigung des Bildungsministeriums das staatliche Schulsystem besuchen. Ihre Mutter nahm drei Jobs auf sich, damit ihre Tochter eine Privatschule besuchen konnte. Maria lernte Englisch und gehörte zu den Besten ihrer Klasse. Nach einem Jahr jedoch wurde die Schule aufgrund der Pandemie geschlossen und Maria sowie 4.400 Flüchtlingskinder und -jugendliche im Land waren ohne Zugang zum staatlichen Bildungssystem. Aber sie hatte Glück: Mit dem Programm „Equal Place“ – organisiert vom UNHCR und lokalen Partnern– hat Maria die Chance bekommen, ihre Highschool online abzuschließen. Nächstes Jahr ist sie für die Caribbean Secondary Prüfungen angemeldet, um ihre Ausbildung formell anerkennen zu lassen. Danach fehlt ihr nur noch eine Prüfung, um sich auch für Universitäten in anderen Ländern bewerben und ihren Traum verwirklichen zu können.

Schule gab ihm Hoffnung

Nhial und Yvana sehen die Vorteile, die digitale Hilfsmittel beim Lernen mit sich bringen können, doch dauerhaft auf Präsenzunterricht zu verzichten können sie sich nicht vorstellen.

Nhial ist 22 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Äthiopien. 2010 floh er, nach einem bewaffneten Angriff auf sein Dorf, nach Kenia. Inzwischen studiert er in Kanada. Doch er erinnert sich, wie wertvoll Schule und vor allem Präsenzunterricht für ihn nach seiner Ankunft im Flüchtlingscamp Kakuma war. Dort lernte er mit seinen Traumata umzugehen, fand Anschluss in der neuen Umgebung und schöpfte wieder Hoffnung für die Zukunft.

Yvana ist 15 Jahre alt, kommt ursprünglich aus Venezuela und lebt inzwischen mit ihrer Familie in Lima, Peru. Die Umstellung auf den Online-Unterricht war für sie vor allem schwierig, da sich ihre Eltern, ihr Bruder und sie selbst zu Beginn einen Laptop und ein Handy als Familie teilten. Keine stabile Internetverbindung und Stromausfälle machten den Online-Unterricht teilweise unmöglich.

Nhial und Yvana können sich zwar nicht vorstellen ganz auf Präsenzunterricht zu verzichten, die vielen zusätzlichen Informationen online, die dabei helfen den Lernstoff besser und schneller zu verstehen und die Möglichkeit sich mit Menschen auf der ganzen Welt zu vernetzen, sehen sie aber als großen Gewinn von Online-Lehre.

Unterrichten über Youtube

Die Vorteile, die Online-Unterricht bieten kann, hat auch Ibrahim Yousef erkannt. Er arbeitet als Chemie-Lehrer in einem irakischen Flüchtlingscamp. Da er selber syrischer Flüchtling ist, kann er die Schwierigkeiten der Kinder und Jugendlichen nachfühlen. Als im Februar 2020 die Schulen im Irak geschlossen wurden, beschloss Ibrahim kurzerhand, seinen Unterricht mit seinem Handy selber aufzunehmen und auf YouTube hochzuladen. Die Rückmeldungen der Schüler*innen hätten nicht positiver sein können.

Inzwischen hat er über 1.000 Abonnenten auf YouTube. Dabei erklärt er den Unterrichtsstoff nicht nur durch Videos, sondern ist bei Fragen auch per WhatsApp oder Viber praktisch jederzeit erreichbar.

Damit zeigt Ibrahim wie Online-Plattformen dazu genutzt werden können, Flüchtlingen den Zugang zu Bildung zu erleichtern.

Bildung schafft Perspektive und ist für viele Flüchtlinge der Weg zur Unabhängigkeit. Vor allem Online-Plattformen bieten zusätzliche Möglichkeiten der Benachteiligung von Flüchtlingen in puncto Bildung entgegenzuwirken.
Der aktuelle UNHCR-Bildungsreport befasst sich genauer mit dem Thema, wie wichtig und gleichzeitig unterfinanziert gerade die wichtige Phase der Sekundarschulbildung ist.

Zum Bildungsreport

 

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