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Mosambik: Frauen zwischen Gewalt, Flucht und Hoffnung

Bewaffnete Konflikte und extreme Wetterereignisse treiben im Norden Mosambiks weiterhin Menschen in die Flucht. Besonders Frauen und Mädchen leiden unter Gewalt, Traumata und fehlendem Schutz – während die Finanzierung humanitärer Hilfe dramatisch unter Druck steht.

 

Wo Heilung beginnen kann

Unter Mangobäumen im nordmosambikanischen Küstenort Pemba sitzen Frauen und Mädchen auf geflochtenen Matten im Schatten. Einige zeichnen schweigend, andere sprechen leise miteinander. Zwischen ihnen bewegt sich die Psychologin Ancila Niyubuntu ruhig von Gruppe zu Gruppe. Sie begleitet Frauen, die sexualisierte Gewalt, Missbrauch oder häusliche Gewalt erlebt haben.

Die Treffen finden in einem von mehreren Schutzräumen statt, die der UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, in der Provinz Cabo Delgado unterstützt. Für viele Frauen ist es der einzige Ort, an dem sie sich sicher fühlen – und zum ersten Mal über das sprechen können, was sie erlebt haben.

Frauen tragen die schwersten Folgen der Krise

Seit Jahren erschüttern bewaffnete Konflikte den Norden Mosambiks. Immer wieder greifen nichtstaatliche bewaffnete Gruppen Dörfer an, Menschen werden vertrieben und Familien auseinandergerissen.

Gleichzeitig verschärfen extreme Wetterereignisse wie Zyklone, Überschwemmungen und Dürren die ohnehin prekäre Lage vieler Familien. Häuser, Felder und Lebensgrundlagen werden zerstört – oft genau dort, wo Vertriebene versucht haben, sich ein neues Leben aufzubauen.

Insgesamt wurden rund 1,3 Millionen Menschen durch Gewalt oder extreme Wetterereignisse aus ihrer Heimat vertrieben. Besonders Frauen und Mädchen sind großen Gefahren ausgesetzt. Viele haben sexualisierte Gewalt erlebt – durch bewaffnete Gruppen, aber auch innerhalb ihres eigenen Umfelds.

Die Menschen erwarten, dass wir einfach wieder normal werden. Aber sie wissen nicht, was wir in uns tragen

sagt Muaziza Amade, die fast zwei Jahre lang von einer bewaffneten Gruppe festgehalten wurde.


Schutzräume geben Hoffnung

Die vom UNHCR unterstützten Schutzräume bieten Frauen psychologische Betreuung, Gemeinschaft und Unterstützung beim Neuanfang. Hier können sie lernen, mit Angst, Verlust und Traumata umzugehen.

Psychologin Ancila kennt Flucht aus eigener Erfahrung. Sie floh selbst aus Burundi nach Mosambik und lebte dort als Flüchtling. Heute begleitet sie andere Frauen auf ihrem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Viele Betroffene sprechen anfangs kaum über das Erlebte. Doch durch die Gespräche und den Austausch mit anderen Frauen wächst langsam neues Vertrauen. Auch Muaziza fand durch die Unterstützung neuen Mut und hilft inzwischen selbst anderen Betroffenen.

Hilfe für Frauen steht auf dem Spiel

Doch genau diese lebenswichtige Unterstützung ist bedroht.

Massive Finanzierungslücken setzen die humanitäre Hilfe in Mosambik zunehmend unter Druck. Schutzräume mussten bereits schließen, während gleichzeitig immer mehr Frauen und Mädchen dringend Unterstützung benötigen.

Viele brauchen medizinische Versorgung, psychologische Betreuung, rechtliche Hilfe oder Unterstützung beim Wiederaufbau ihres Lebens. Von Hunderttausenden vertriebenen Frauen und Mädchen, die in Nordmosambik Schutz und Unterstützung benötigen, kann der UNHCR derzeit nur einen Teil erreichen.

Ohne zusätzliche Finanzierung drohen noch mehr Frauen ohne Hilfe zu bleiben.

Ein Neuanfang trotz allem

Trotz aller Herausforderungen schaffen viele Frauen beeindruckende Neuanfänge.

Die junge Mutter Viaze Abudo musste aus ihrer Heimat Macomia fliehen, nachdem sie miterlebt hatte, wie ihre beste Freundin von Mitgliedern einer bewaffneten Gruppe gefoltert wurde. Während ihrer Flucht wurde sie schwanger und von ihrem Ehemann verlassen.

In einem Schutzraum des UNHCR fand sie psychologische Unterstützung und nahm an Trainings zu Selbstständigkeit und Unternehmertum teil. Heute betreibt sie einen kleinen Laden vor ihrem Haus und verkauft Öl, Gemüse und Süßigkeiten.

Diese Frauen sind nicht nur Überlebende. Sie sind Mütter, Unternehmerinnen und Hoffnungsträgerinnen für ihre Gemeinschaften.

sagt Karen Matimbe vom UNHCR.

Hilfe darf jetzt nicht wegbrechen

Der Bedarf an Unterstützung wächst weiter – doch die verfügbaren Mittel reichen längst nicht mehr aus.

Der UNHCR arbeitet gemeinsam mit lokalen Helferinnen und Helfern daran, Gewalt vorzubeugen, Frauen zu schützen und traumatisierte Betroffene zu begleiten. Schutzräume, psychologische Betreuung und Hilfe beim Neuanfang geben vielen Frauen erstmals wieder Sicherheit und Perspektiven.

Doch genau diese Angebote geraten durch die weltweite Finanzierungskrise zunehmend unter Druck. Ohne zusätzliche Unterstützung drohen lebenswichtige Programme eingeschränkt oder eingestellt zu werden – obwohl immer mehr Frauen und Mädchen Hilfe benötigen.

Jede Hilfe zählt, damit Frauen und Mädchen in Mosambik Schutz, Sicherheit und eine neue Perspektive erhalten können.

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