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Neue Hoffnung für Therese

Therese* hat Schlimmes erlebt in ihrem Leben. Eine vom UNHCR geförderte Berufsausbildung konnte ihr jedoch wieder neue Hoffnung schenken.

Therese mit Automotor
© UNHCR/Vittoria Moretti

Therese kniet vor einem kaputten LKW-Motor und zieht eine kleine Schar an Schaulustigen an. Ihre Nachbarn hören staunend zu, als sie erklärt, welche Reparaturen notwendig sind.

2017 nahm Thereses Leben eine tragische Wendung. In ihrer Heimatstadt Luebo in der Demokratischen Republik Kongo kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen bewaffneten Milizen und kongolesischen Streitkräften kam. Eine Gruppe bewaffneter Männer töteten ihren Mann vor ihren Augen und setzten ihr Haus in Brand. Therese floh mit ihren 10 Kindern in den Wald.

Ein lebendig gewordener Alptraum

Im Wald traf sie auf vier Soldaten, die sie und ihre 22-jährige Tochter vor den Augen ihrer anderen Kinder mit vorgehaltener Waffe vergewaltigten. Mehr als drei Wochen lang versteckte sich die Familie danach im Busch, um weiteren Angriffen zu entgehen. Während dieser Zeit verhungerten ihre beiden jüngsten Kinder.

Sie konnte schließlich sich selbst und ihre noch lebenden Kinder in Kananga in Sicherheit bringen. Doch sie war traumatisiert und schaffte es nicht, zu arbeiten und ihre Familie zu versorgen.

"Was [die bewaffneten Männer] mir angetan haben, hat mich völlig zerstört.“

Hinzu kam, dass sexuelle Gewalt im Kongo mit Stigmatisierung und Diskriminierung verbunden ist und sie und ihre Tochter deswegen von ihrer Gastgemeinde isoliert wurden.

"Ich habe Angst um meine Tochter. Ich frage mich, ob sie jemals heiraten und Kinder bekommen wird, denn nach unseren Bräuchen und Traditionen werden Frauen, die missbraucht worden sind, oft verstoßen."

Berufsausbildung als neuer Hoffnungsschimmer

Hoffnung konnte sie schließlich in Form eines Berufsausbildungsprogramms schöpfen, das vom UNHCR gefördert wird und Überlebenden wie Therese zur finanziellen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit helfen soll.

Die Frauen werden vom National Institute of Professional Training (INPP) in traditionell von Männern dominierten Bereichen wie Automechanik, Elektronik und IT (Informationstechnologie) ausgebildet, damit sie über die notwendigen Fähigkeiten verfügen, um ihre Familien zu unterstützen, während sie gleichzeitig Geschlechterstereotypen in Frage stellen und anderen Frauen den Weg ebnen, in diesen Bereichen ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

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Therese findet Hoffnung

Der UNHCR-Partner Femmes Mains dans la Main pour le Development du Kasai (FMMDK), eine lokale, von Frauen geleitete NGO, die sich für den Schutz und die Förderung der Rechte von Frauen in Kasai einsetzt, hilft bei der Identifizierung der Frauen.

Neben der medizinischen und psychosozialen Betreuung lernte Therese zusammen mit anderen Überlebenden sexueller Gewalt Automechanik und Autofahren.

Neue Fähigkeiten schenken neues Selbstvertrauen und Zukunftsperspektiven

Nach fast acht Monaten Ausbildung kann Therese nun ein Auto fahren und weiß, wie man Motoren, Reifen und Bremsen demontiert und repariert. Nach ihrem Abschluss erhielt sie ihren Führerschein und wird demnächst mit einigen anderen Frauen ein Automechaniker-Geschäft eröffnen.

"Diese Projekte sind so wichtig, weil sie den Überlebenden sexueller Gewalt die Chance bieten, ihr Leben wieder aufzubauen und wieder Teil der Gemeinschaft zu werden. Diese Gemeinschaften wiederum profitieren immens von ihren neuen Fähigkeiten und Kenntnissen", sagt Liz Ahua, UNHCR-Vertreterin in der DRK.

Seit 2020 haben fast 400 Überlebende und von geschlechtsspezifischer Gewalt bedrohte Personen in den Provinzen Kasai und Kasai Central Unterstützung vom UNHCR und seinen Partnern durch Berufsausbildungen in verschiedenen Bereichen erhalten.

Über 800 Überlebende von Gewalt gegen Frauen wurden zwischen Januar und Juli 2021 von UNHCR und Partnern in der Region Kasai identifiziert und rechtlich, medizinisch und psychosozial betreut.

Teufelskreis von Gewalt, Diskriminierung und Armut durchbrechen

Sexuelle Gewalt ist in der Region nach wie vor Teil eines Kreislaufs aus wiederkehrenden Konflikten und Unsicherheit. Die gesellschaftlichen Normen verlangen es, dass weibliche Gewaltopfer eine Mitgift zahlen müssen, bevor sie wieder in die Gesellschaft aufgenommen werden können. Diese Praxis führt häufig dazu, dass Frauen aus Familien vertrieben werden, die nicht bereit sind, die Kosten für diese Mitgift zu tragen.

Der UNHCR unterstützt auch lokale Organisationen wie FMMDK, die mit den Gemeinschaften zusammenarbeiten, um die Ursachen von geschlechtsspezifischer Gewalt zu bekämpfen und den Teufelskreis von Diskriminierung und Armut zu durchbrechen, der die Überlebenden dem Risiko von Ausbeutung und weiterem Missbrauch aussetzt. Es werden mehr Mittel benötigt, um Projekte wie jenes, das Therese eine neue Lebensperspektive bot, durchzuführen.

Heute hat Therese neues Selbstvertrauen und kann wieder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und wartet darauf, in einer neuen Werkstatt zu arbeiten, die in den kommenden Monaten mit Unterstützung des UNHCR eröffnet werden soll.

 

*Name aus Schutzgründen geändert

Der Text ist im Original auf Englisch hier erschienen.

 

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