Menschen verlassen Venezuela
© UNHCR/H.Caux
Menschen verlassen Venezuela
© UNHCR/H.Caux

Humanitäre Krise in Venezuela

+++ Schwere Erdbeben in Venezuela +++

Zwei starke Erdbeben haben am Mittwochabend (24.6.2026, Ortszeit) Venezuela erschüttert und schwere Schäden verursacht. 

Die Beben wurden mit einer Stärke von 7,2 und 7,5 gemessen. Das komplettes Ausmaß ist noch unklar. Experten rechnen aber mit Tausenden Toten und Verletzten. Venezuela hat den Notstand ausgerufen. 

Wir sind zutiefst bestürzt über die Zerstörung und den Verlust von Menschenleben. UNHCR ist vor Ort, um die am stärksten gefährdeten Menschen zu identifizieren und zu schützen, und ist bereit grundlegende Nothilfe und Schutzmaßnahmen auszuweiten. 

Die UNO-Flüchtlingshilfe stellt dafür 300.000 Euro Soforthilfe bereit.
 

Jetzt spenden & Nothilfe unterstützen

Aktuelle Hilfe nach dem Erdbeben

Die Erdbeben treffen ein Land, das sich bereits seit Jahren in einer schweren humanitären Krise befindet. Mehr als sieben Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Besonders betroffen sind auch Rückkehrerinnen und Rückkehrer, die sich nach ihrer Rückkehr gerade erst eine neue Existenz aufbauen wollten.

UNHCR unterstützt die Nothilfe vor Ort gemeinsam mit Behörden und Partnerorganisationen:

Bedarfsanalysen und Koordinierung der Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Menschen.

Verteilung von Hilfsgütern wie Zelte, Decken, Matratzen und Solarlampen.

Unterstützung bei Notunterkünften sowie der Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung (WASH).

UNHCR in Venezuela

  • Seit 1991 in Venezuela tätig (über 35 Jahre Präsenz).
  • 4 Büros: 2× Caracas, Maracaibo und San Cristóbal.
  • 2 strategische Warenlager mit Hilfsgütern in Venezuela und weitere in der Region.  
  • Unterstützung von Flüchtlingen, Asylsuchenden, Rückkehrenden und anderen schutzbedürftigen Menschen.
  • Leitende Rolle für Schutz, Unterkunft und Koordination in der gemeinsamen UN-Nothilfe (UN Cluster Approach). 

Venezuela: Flucht und Migration halten an

Stand: Juni 2026

Was als wirtschaftliche Krise begann, ist längst zu einem komplexen humanitären Notfall geworden. Sie fliehen vor Hunger, fehlender medizinischer Versorgung und politischer Unterdrückung – Bedingungen, unter denen ein Leben in Würde kaum noch möglich ist.

Gastländer in der Region haben Venezolaner*innen bislang großzügig aufgenommen, stehen aber zunehmend vor großen Herausforderungen. 

6,9
Millionen

Flüchtlinge und Migranten aus Venezuela leben in Lateinamerika & der Karibik

1,2
Millionen

Venezoelaner*innen sind zurückgekehrt

210
Tausend

registrierte Flüchtlinge und Asylsuchende leben in Venezuela

Warum verlassen so viele Menschen Venezuela?

Viele Venezolanerinnen und Venezolaner verlassen ihr Heimatland aufgrund einer anhaltenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Krise. Zu den wichtigsten Ursachen zählen:

  • Hohe Armut, niedrige Einkommen und begrenzte wirtschaftliche Perspektiven, die das tägliche Leben vieler Familien erschweren.
  • Eingeschränkter Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung, Medikamenten, Nahrung, Wasser und Strom.
  • Unsicherheit, Gewalt und Schutzrisiken in verschiedenen Teilen des Landes.
  • Politische Spannungen, Repressionen und Menschenrechtsverletzungen.

Die politische Situation in Venezuela hat sich seit Anfang 2026 verändert. Es gibt erste Rückkehrbewegungen und Hoffnungen auf eine langfristige Stabilisierung. Dennoch verlassen weiterhin Menschen das Land. Die humanitäre, wirtschaftliche und soziale Lage bleibt für viele Menschen schwierig, sodass die venezolanische Flucht- und Migrationskrise noch nicht überwunden ist.

Wie viele Menschen haben Venezuela verlassen?

In den letzten Jahren hat sich Venezuela zu einer der größten Migrationskrisen der Welt entwickelt:

  • Rund 7,9 Millionen Menschen haben das Land verlassen – das entspricht etwa einem Viertel der Bevölkerung.  
  • Diese Zahl macht die venezolanische Krise zu einer der größten globalen Flucht und Migrationsbewegungen auf dem amerikanischen Kontinent.  

In welche Länder fliehen Venezolaner*innen?

Die größte Zahl der Geflüchteten ist in Lateinamerika und der Karibik:

  • Kolumbien (ca. 2,8 Millionen)
  • Peru (ca. 1,7 Millionen)
  • Brasilien, Chile, Ecuador und mehrere andere Länder nehmen ebenfalls große Gruppen auf.  

Auch in Europa und Nordamerika beantragen Venezolaner zunehmend Asyl, insbesondere in Spanien und den USA.

Welche Herausforderungen erleben Geflüchtete während der Flucht?

Menschen, die Venezuela verlassen, stehen vor großen Risiken:

  • Gefährliche Routen, lange Fußmärsche und schlechte Infrastruktur.  
  • Unsichere Lebensbedingungen in Aufnahmeländern, oftmals mit begrenztem Zugang zu regulärem Schutzstatus oder sozialen Leistungen.  
  • Diskriminierung und rechtliche Unsicherheiten, besonders in Regionen mit restriktiven Migrationspolitiken.  

Wie ist die humanitäre Lage innerhalb Venezuelas aktuell?

Trotz vereinzelter Anzeichen wirtschaftlicher Stabilisierung bleibt die Lage schwierig:

  • Millionen Menschen sind weiterhin auf humanitäre Hilfe angewiesen.  
  • Grundbedürfnisse wie Ernährung, medizinische Versorgung und Sicherheit sind für viele nicht erfüllt.  

Gleichzeitig gibt es inzwischen erste Rückkehrbewegungen und ein wachsendes Interesse an einer Rückkehr nach Venezuela. Die humanitäre, wirtschaftliche und soziale Lage bleibt jedoch für viele Menschen prekär, sodass die venezolanische Flucht- und Migrationskrise noch nicht überwunden ist.

Was sind die größten Herausforderungen für Aufnahmeländer?

Empfangsländer stehen vor Belastungen wie:

  • Integration und Versorgung großer Migrantengruppen
  • Regulierung von Aufenthaltsstatus und Zugang zu Arbeitsmärkten
  • Bereitstellung von Gesundheits  und Sozialsystemen


Internationale Zusammenarbeit und Ressourcen sind entscheidend, um eine humane und nachhaltige Lösung zu finden.  

Ich wusste, dass wenn ich das Risiko nicht eingehen würde, die Dinge noch schlimmer werden würden.

Grexys González machte sich mit ihrer 2-jährigen Tochter auf den Weg von Venezuela nach Kolumbien. Die Ölfirma, bei der die junge Buchhalterin arbeitete, hatte das Gehalt nicht mehr gezahlt und Grexys konnte die monatlichen Arztbesuche für ihre chronisch kranke Tochter und die steigenden Lebensmittelpreise nicht mehr bezahlen. Abgemagert kam sie in der Grenzregion an und wurde mit einer Ruhrinfektion ins Krankenhaus gebracht. Sie wog nur noch 47 Kilo.

Wie hilft der UNHCR?

Die Bewältigung dieser Fluchtbewegung ist eine enorme Herausforderung für die gesamte Region Amerika. Da die Grenzen zwischen Flucht und wirtschaftlicher Migration oft verschwimmen, wurde die Plattform R4V (Response for Venezuelans) ins Leben gerufen.

Gemeinsam mit Regierungen, Partnerorganisationen und der Zivilgesellschaft arbeitet der UNHCR daran, venezolanische Flüchtlinge und Migrant*innen zu schützen, ihre humanitären Bedürfnisse zu decken und ihre soziale und wirtschaftliche Integration zu fördern.

Lebensrettende Hilfe

Entlang der Fluchtrouten und in den Grenzregionen sind UNHCR-Mitarbeiter*innen im Einsatz: Sie verteilen Trinkwasser und Hilfspakete an die flüchtenden Menschen, kümmern sich um Notunterkünfte und medizinische Versorgung.

 

Damit Familien ihre dringendsten Bedürfnisse wie Lebensmittel, Miete oder Nebenkosten decken können, leistet der UNHCR Bargeldhilfen.

In den Nachbarländern kümmert sich der UNHCR um rechtliche Beratung, achtet auf einen geregelten Zugang zu Asylverfahren und den Schutz grundlegender Flüchtlingsrechte.

 

Integration als Ziel
R4V unterstützt Regierungen dabei, venezolanische Bildungsabschlüsse anzuerkennen und den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern – damit Menschen langfristig für sich selbst sorgen können.

Trotz all dieser Bemühungen ist die Hilfe chronisch unterfinanziert. Für das Jahr 2026 werden mehr als 760 Millionen US-Dollar benötigt, um Millionen Menschen in 17 Aufnahmeländern zu unterstützen und ihre Integration zu sichern.

Hilfe am Limit

Die humanitäre Hilfe steckt weltweit in einer schweren Finanzierungskrise. 

Hilfsmaßnahmen mussten bereits in wichtigen Bereichen wie Ernährung, Bildung oder dem Schutz von Kindern eingestellt werden.

Um Menschen auf der Flucht weiter helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung!

Jetzt spenden & helfen

Was ist das besondere an der Situation der geflohenen Venezolaner*innen?

Was die venezolanische Fluchtbewegung von vielen anderen unterscheidet, ist die rechtliche Anerkennung durch die Cartagena-Deklaration. Dieser regionale Rahmen greift hier in besonderem Maße: Er schützt Menschen nicht nur vor individueller Verfolgung, sondern explizit vor dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. 

In Venezuela bedeutet das aktuell:

  • Akute Lebensgefahr: Durch die militärischen Auseinandersetzungen und die unklare Machtstruktur im Land ist die Sicherheit der Zivilbevölkerung nicht mehr gewährleistet.
  • Versorgungskollaps: Bei einer prognostizierten Inflation von über 600 % im Jahr 2026 sind Grundnahrungsmittel und medizinische Hilfe für die Mehrheit der Menschen unerreichbar geworden.
  • Rechtlosigkeit: Da Institutionen gelähmt sind, bietet der Staat keinen Schutz vor Gewalt oder Menschenrechtsverletzungen.

Für die internationale Gemeinschaft bedeutet dies: 

Venezolaner*innen sind nicht bloß Arbeitsmigranten, sondern Schutzsuchende, deren Rückkehr in ein Land ohne funktionierende Grundversorgung und Sicherheit lebensbedrohlich wäre.

weiterlesen

Das könnte Sie auch interessieren:

Vater mit Kind auf Arm überquert Fluss

So können Sie helfen

Sie möchten Menschen auf der Flucht zur Seite stehen?
Dann unterstützen Sie unsere lebensrettende Hilfe noch heute mit Ihrer Online-Spende. Jeder Beitrag hilft!

  jetzt spenden
Venezuela Venezuela_RF2246827.jpg