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"Flüchtlinge brauchen unsere Solidarität" - Gastbeitrag von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas

Flüchtlinge brauchen unsere Solidarität, unseren Schutz und unsere Fürsorge. Im Winter noch viel mehr als sonst, die Kälte verschlechtert ihre Überlebensbedingungen zusätzlich.

Die großen Flucht- und Migrationsbewegungen zählen zu den drängendsten Problemen unserer Zeit. Über 100 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Das sind 15 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Und die Zahlen steigen weiter. Über 40 Millionen der Flüchtlinge, Asylsuchenden, Binnenvertriebenen und anderen Schutzbedürftigen sind Kinder und Jugendliche. Sie sind besonderen Gefahren ausgesetzt.

Krieg ist eine der Hauptursachen für Flucht und Vertreibung. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wurden 14 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer vertrieben. 7,8 Millionen Menschen haben in den direkten Nachbarländern und EU-Staaten Aufnahme gefunden, darunter allein über 1,6 Millionen in Polen.1 In Warschau konnte ich Ende Mai mit geflüchteten ukrainischen Waisenkindern sowie ihren Betreuerinnen und Betreuern sprechen. Die Hilfsbereitschaft in Polen ist überwältigend.

Auch in Deutschland erfahren über eine Million Menschen aus der Ukraine große Empathie und beeindruckende Solidarität. Viele Bürgerinnen und Bürger sind zusammengerückt und haben ukrainische Geflüchtete in ihren Wohnungen aufgenommen. Sie haben Hilfsgüter gesammelt und zur Grenze gefahren. Andere haben Flüchtlinge am Bahnhof in Empfang genommen oder sie zu Behörden begleitet. Speziell für Kinder wurde auf private Initiative psychologische und medizinische Betreuung organisiert. Schulen haben mit Hilfe von Spenden spezielle Programme auf die Beine gestellt, um den Jüngsten unter den Flüchtlingen auf spielerische Weise die Grundlagen der deutschen Sprache zu vermitteln.2 Für diesen wichtigen Einsatz aus der Zivilgesellschaft bin ich allen Helferinnen und Helfern von Herzen dankbar.

Im Mai war ich in Kiew, Butscha und Irpin. Der gezielte Terror gegen das ukrainische Volk hat mich tief erschüttert, die Bilder werde ich nicht vergessen. Russland legt es darauf an, die zivile Infrastruktur des Landes zu zerstören. Mit verheerenden Folgen für die Menschen. Über 1.000 Orte waren bereits Mitte Oktober von der Stromversorgung abgeschnitten.3

Selbst Hunger wird skrupellos als Waffe eingesetzt. Ohne Hilfe von außen droht den Ukrainerinnen und Ukrainern – besonders angesichts des bevorstehenden Winters – eine humanitäre Katastrophe. Dazu darf es nicht kommen. Gerade die geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer benötigen unseren Schutz jetzt besonders dringend.

Wir dürfen aber nicht vergessen: Auch Flüchtlinge aus anderen Regionen der Welt sind auf unseren Schutz und unsere Hilfe dringend angewiesen. Die Zahl der Flüchtlinge in Syrien, Afghanistan oder Südsudan zum Beispiel ist mit über elf Millionen weiterhin hoch.  Viele Menschen kämpfen um das Überleben. Sie sind jetzt im Winter, der in den Hochebenen Afghanistans bereits im Oktober begonnen hat, ebenfalls dringend auf Unterstützung angewiesen.

Es sind harte Zeiten. Wir spüren die Folgen des Ukraine-Krieges zunehmend auch bei uns. Ich weiß, dass viele Menschen sich große Sorgen um ihre Energieversorgungen oder die steigenden Lebensmittelpreise machen. Umso wichtiger ist es mir auch ganz persönlich, dass wir uns nicht spalten lassen und gerade jetzt solidarisch zusammenhalten.  

Ich bitte Sie daher herzlich, der UNO-Flüchtlingshilfe eine Spende zukommen zu lassen für ihre aktuelle Winterkampagne „Schutz schenken“. Wenn Sie es sich irgendwie leisten können, würde ich mich als Schirmfrau der UNO-Flüchtlingshilfe sehr freuen. Mit jedem noch so kleinen Beitrag leisten Sie einen wichtigen Beitrag für mehr Mitmenschlichkeit und machen Menschen in existenzieller Not ein wertvolles Geschenk.

Bärbel Bas, Präsidentin des Deutschen Bundestages

 

Quellen:
1 Zahl nach tagesschau.de. Bei Statista ist – Stand 15.11.2022 – zusätzlich von nicht registrierten Grenzübertritten in Höhe von 7,5 Millionen in Polen die Rede, doch gibt es dafür nur Schätzwerte. Offiziell als Flüchtlinge werden nur die als solche registrierten gerechnet.

2 Aufzählung beispielhaft nach Angaben des Deutschen Kinderhilfswerks.
3 Informationen aus der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 18. Oktober 2022.

 

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