Nothilfe Südsudan
© UNHCR/Corentin Fohlen

Gewalt und Hunger im Südsudan

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Fast 4 Millionen Menschen auf der Flucht

[Stand: 02.05.2022] 
Im Jahr 2011 wurde der Südsudan nach Jahrzehnten von Krieg und Gewalt unabhängig vom Sudan. Doch auch nach der Unabhängigkeit kam das Land nie zur Ruhe. Der Südsudan gilt als ein sogenannter gescheiterter Staat, in dem seit 2013 der Bürgerkrieg andauert. Nach der Unterzeichnung eines Abkommens am 12. September 2018, der den Weg für einen dauerhaften Frieden bereiten soll, gab es einen (partiellen) Rückgang der Kampfhandlungen. Ein wirklicher Frieden ist aber noch nicht in Sicht.

3,9 Millionen Menschen - fast ein Drittel der Bevölkerung des Südsudan - sind durch den Konflikt heimatlos.

2,3 Mio von ihnen sind in Nachbarländer geflohen. Der Großteil der Menschen flohen nach Uganda, gefolgt vom Sudan, Äthiopien und Kenia.  Rund 2 Millionen Südsudanesinnen und Südsudanesen sind im eigenen Land auf der Flucht.

Mit 80 Prozent bilden Frauen und Kinder die größte Gruppe unter den südsudanesischen Flüchtlingen. Darum wird die Krise in dem Land oftmals als Krise der Flüchtlingskinder bezeichnet. Besonders auf Unterstützung angewiesen sind die Flüchtlingskinder, die als “unbegleitet” gelten, das heißt, sie haben ihre Eltern oder Verwandten verloren oder wurden von ihnen getrennt.

 

2
Millionen

Binnenvertriebene

80
Prozent

der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder

2,3
Millionen

Flüchtlinge

Nahrungsmittelknappheit bedroht Millionen Menschen

Im Südsudan selbst besteht Nahrungsmittelknappheit für Millionen von Menschen. Aufgrund der Vertreibungen können die Felder nicht mehr bestellt werden. Hunger im Land zwingt immer mehr Menschen zur Flucht. In den letzten Jahren warnten die UN-Organisationen WFP (Welternährungsprogramm) und FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) wiederholt vor einer bevorstehenden Hungersnot.

Der vierte Bericht der Kommission für Menschenrechte im Südsudan vom Februar 2020 berichtet, dass bestimmte Ethnien oder politische Gruppierungen bewusst entrechtet und ausgestoßen werden. Viele von ihnen kämpfen täglich um ihr Überleben und sind vom Hungertod bedroht.

Ein Großteil der südsudanesischen Flüchtlinge ist unterernährt.

Der Hunger und die Kämpfe wurden immer schlimmer und es gab absolut nichts mehr zu essen. Wir hatten keine Wahl als hierher zu kommen.

Das erzählt Nyepach Benyluok , die mit 30 anderen Flüchtlingsfrauen mit kleinen Kindern, nach einer wochenlangen Wanderung im Lager ankam.

UNHCR rechnet mit weiteren Flüchtlingen

Nach den Jahren der Gewalt ist das Leben vieler Südsudanesen zerstört. Der brutale Konflikt hat bereits zehntausende Todesopfer gefordert und zentrale Teile des Landes vernichtet. Für viele Flüchtlinge bedeutet der Konflikt Gewalt, Missbrauch, Vertreibung und Verlust der Lebensgrundlage. Und so lange dieser Konflikt andauert, werden die Flüchtlingszahlen weiter ansteigen.

Südsudan als Aufnahmeland

Trotz der Herausforderungen im eigenen Land, verfolgt der Südsudan eine Politik der offenen Türen gegenüber Flüchtlingen aus den Nachbarländern. In 2021 lebten rund 336.000 Flüchtlinge im Südsudan. 92 Prozent von ihnen stammen aus dem Nachbarland Sudan.

Die Flucht war schrecklich. Die Sonne brannte und wir fanden nichts zu Essen und kein Wasser. Unser Onkel beschloss zurückzugehen, aber wir gingen weiter, weil wir zur Schule gehen wollen.

Das erzählt der 17-Jährige Kenyi (weißes T-Shirt), der mit seinen Geschwistern nach Uganda flüchtete.

Der UNHCR im Einsatz

In Südsudan sind UNHCR-Helfer Tag und Nacht im Einsatz, um Flüchtlinge und Binnenvertriebene mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen. Doch die Hilfslieferungen werden häufig durch die schwierige Sicherheitslage erschwert. Zudem liegen die meisten Flüchtlingslager in sehr abgelegenen Gegenden, die aufgrund der schlechten Infrastruktur nur mit großem Aufwand zu erreichen sind. Insbesondere während der Regenzeiten ist eine Versorgung manchmal nur noch per Luftbrücke möglich.

2021 plant der UNHCR u. a. den Schutz von Flüchtlingskindern auszuweiten und

  • verbessert die Registrierung von Neugeborenen,
  • bemüht sich intensiv um Familienzusammenführung,
  • verbessert Bildungsangebote, damit 90 Prozent der Flüchtlingskinder im Grundschulalter die Grundschule besuchen können.

Unterfinanzierung der Hilfsmaßnahmen

Der Hilfseinsatz im Südsudan ist seit Jahren dramatisch unterfinanziert! Die chronische Finanzknappheit gefährdet lebensrettende Hilfsmaßnahmen für Menschen, die vor Gewalt und Hunger fliehen mussten. Zudem verschärfen die Folgen der Corona Pandemie die Situation zusätzlich.

Den finanziellen Bedarf für die Hilfsmaßnahmen beziffert der UNHCR im Jahr 2021 für Flüchtlinge aus dem Südsudan mit 224 Millionen US-Dollar (knapp 190 Millionen Euro).

Die fehlende Finanzierung kann große Auswirkungen auf die Hilfe für Flüchtlinge haben. So wurden im vergangenen Jahr Hilfsmaßnahmen im Bereich der sozioökonomischen und gesellschaftlichen Integration der südsudanesischen Flüchtlinge, der Verbesserung der Infrastruktur, Projekte für die Förderung der freiwilligen Rückkehr und im Gesundheitsbereich gestrichen. Der UNHCR musste die Zahl der medizinischen Mitarbeiter in allen Flüchtlingsunterkünften kürzen. Die Belastung für die verbleibenden Angestellten im Gesundheitssystem, insbesondere während der Corona-Pandemie ist enorm, wo ein Mitarbeiter ist pro Tag für bis zu 70 Patienten zuständig.

Bei anhaltender Unterfinanzierung drohen weitere Kürzungen in den Bereichen der Unterbringung, der Hygiene oder dem Schutz von Kindern.

In 2020 hat die UNO-Flüchtlingshilfe 2,2 Millionen Euro für die UNHCR-Operation im Südsudan und für Flüchtlinge aus dem Südsudan in den Nachbarländern bereitgestellt.

Um den Flüchtlingen weiter helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung!

 

 

 

 

Mutter gibt Kind etwas zu essen

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