Mutter mit Kind
© UNHCR/A.Hellge

Flüchtlinge in Äthiopien

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Aufnahme von Geflüchteten trotz großer Not

Stand: 19.07.2022

Äthiopien gehört zu den afrikanischen Ländern, die am meisten Flüchtlinge aufgenommen haben. Ende Juni 2022 lebten über 870.000 Flüchtlinge und Asylsuchende im Land. Der Großteil kommt aus dem Südsudan, Somalia und Eritrea. Unter den Flüchtlingen in Äthiopien ist die Zahl der unbegleiteten Kinder und Jugendlichen besonders hoch. Sie machen etwa sechs Prozent der Flüchtlingsbevölkerung aus.

Gleichzeitig führen anhaltende Unsicherheit, interne Konflikte und Nahrungsmittelknappheiten dazu, dass in Äthiopien selbst viele Menschen auf der Flucht sind. Mit über 3,6 Millionen Binnenvertriebenen Ende 2021 stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fast 1 Millionen, wobei der Konflikt in Tigray maßgeblich dazu beitrug. Und die Zahl steigt weiter: Mitte 2022 sind 4,5 Millionen Äthiopier*innen innerhalb ihres Landes auf der Flucht.

Zur Zeit wird Äthiopien – genauso wie weitere Regionen am Horn von Afrika – von der schwersten Dürreperiode seit über 40 Jahren heimgesucht. Die Folgen treffen Flüchtlinge und Binnenvertriebene, aber auch die Menschen, die sie aufgenommen haben, besonders hart. Zusätzlich treibt der Krieg in der Ukraine weltweit die Preise für Lebensmittel und Rohstoffe in die Höhe und verschärft die ohnehin schon bedrohliche Nahrungsmittelknappheit.

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Tigray Nothilfe

Instabiler Frieden

2018 wurden die langen kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Nachbarstaat Eritrea mit einem Friedensvertrag offiziell beendet. Für die Aussöhnungspolitik mit Eritrea wurde Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed 2019 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Trotzdem haben die politischen Spannungen in Äthiopien nicht abgenommen. Im November 2020 kam es in der Region Tigray zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, Flüchtlingslager wurden zerstört und viele Menschen zur Flucht gezwungen. 2021 konnten zwar 1,5 Millionen Binnenvertriebene in ihre Heimat zurückkehren, doch auf aufgrund des anhaltenden Konflikts in der Region Tigray leben Mitte 2022 immer noch etwa 140.000 Flüchtlinge und Asylsuchende aus Äthiopien in den angrenzenden Nachbarländern.

4,5
Millionen

Binnenvertriebene

58
Tausend

Flüchtlinge aus Tigray im Sudan

90
Prozent

der Flüchtlinge sind Tigrayan

Integration Geflüchteter angestrebt

Die Regierung hat in den letzten Jahren einige Gesetze geändert, sodass die Integration der Geflüchteten erleichtert wird. Sie haben das Recht, Asyl zu beantragen, das Recht auf Arbeit, auf Freizügigkeit und haben Zugang zu den gleichen Dienstleistungen wie die Aufnahmegesellschaft. Flüchtlinge aus Eritrea, Südsudan, Sudan, Jemen und Somalia werden in einem beschleunigten Verfahren als Flüchtlinge anerkannt, ohne eine Anhörung durchlaufen zu müssen.

Die Mehrzahl der Flüchtlinge lebt in 26 Flüchtlingslagern. Fehlende finanzielle Mittel führen dazu, dass nur die Hälfte der Bewohner*innen in ausreichenden Unterkünften leben. In fast allen Flüchtlingslagern erhalten die Bewohner*innen rund 19 Liter Wasser am Tag. In drei Lagern sind es nur knapp 15 Liter pro Tag. Die Flüchtlinge in Äthiopien erhalten im Durchschnitt nur etwa 84 Prozent der Mindeststandardration von 2.100 kcal. Dadurch liegt die akute Unterernährungsrate in den meisten Flüchtlingslagern weiterhin hoch.

Finanzielle Mittel sind dringend nötig, um die Infrastruktur und die Bereiche Gesundheit, Bildung, Wasserversorgung und Umweltschutz auszubauen. Denn während Operationen wie die in der Ukraine oder Afghanistan im Jahr 2022 hohe finanzielle Zuwendungen erhalten haben, ist die Hilfe in Äthiopien dramatisch unterfinanziert. Die globalen wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges verschlimmern die Situation noch weiter. Von den benötigten 335 Millionen US Dollar sind im Mai 2022 nur 20 Prozent gedeckt. Um den Menschen in Äthiopien die lebenrettende Unterstützung zukommen lassen zu können, bitten der UNHCR und die UNO-Flüchtlingshilfe um zweckungebundene Spenden.

Wir passen aufeinander auf. Wir wissen nicht, wie unsere Zukunft aussehen wird.

Die 16-jährige Nyamach Lul und ihre Schwester Nyakoang sitzen vor ihrer Hütte Im Flüchtlingslager Jewi, Äthiopien. Sie flohen aus dem Südsudan, als ihr Dorf niedergebrannt und die Bewohner getötet wurden. Sie ließen ihre Familie und Freunde zurück. In Äthiopien leben mehr als 40.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Der UNHCR

  • führt Nothilfemaßnahmen durch, stellt die Versorgung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen mit Unterkünften, Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung sicher.
  • verteilt Hilfsgüter.
  • stellt den Flüchtlingen Energie zum Kochen, zur Beleuchtung und sonstigen Nutzung zur Verfügung.
  • stellt Bargeldhilfen zur Verfügung. Damit Flüchtlinge ein Stück weit ihre Eigenständigkeit und Würde zurückerhalten.
  • unterstützt Flüchtlinge, die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren möchten, beispielsweise durch Beratung und Bargeldhilfen. Für die meisten hat sich aber die Lage in ihrem Heimatland noch nicht so weit verbessert, dass sie zurückkehren können.
  • versucht so viele sogenannte Resettlement-Plätze wie möglich zur Verfügung zu stellen, um Flüchtlingen die die Umsiedlung in ein sicheres Drittland zu ermöglichen.

Unterfinanzierung gefährdet Hilfsmaßnahmen

Um die Hilfe für die Geflüchteten in Äthioppien finanzieren zu können, benötigt der UNHCR für 2022 335 Millionen US Dollar. Doch das HIlfsprogramm ist chronisch unterfinanziert. Bis Ende Mai waren nur 20 Prozent des Bedarfes gedeckt.

Von der Unterfinanzierung stark betroffene Hilfsmaßnahmen

58 Millionen US Dollar
Wohlergehen und Grundbedürfnisse

Bargeld und lebensrettende Hilfsgüter für die Grundversorgung sind wichtige Schutzinstrumente für Vertriebene. Der Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen hat hohe Priorität für das Überleben der Flüchtlinge.

40 Millionen US Dollar
Dauerhafte Unterbringung

Die Mittelkürzungen werden weitreichende Auswirkungen auf die Bereitstellung von Notunterkünften für Flüchtlinge und Binnenvertriebene haben.

20 Millionen US Dollar
Gesundheit

Ohne notwendige Hilfsmaßnahmen werden Unterernährungsraten steigen, der Zugang zu prä- und postnataler Versorgung für Mütter und Säuglinge schlechter, weniger medizinsiche Erst- und Notfall- sowie Sekundärversorgung möglich.

Um Flüchtlingen weiter helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung!

Flüchtlingskinder auf Karren

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