Somalia

Flüchtlingssituation in Somalia

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Jahrzehntelanger Krieg und Gewalt

Stand: 07.09.2022

Die Republik Somalia liegt im äußersten Osten Afrikas – am Horn von Afrika. Das Land kommt seit drei Jahrzehnten nicht zur Ruhe. Vergessen vom Rest der Welt, erlebt die Bevölkerung eine humanitäre Krise. Die Menschen leiden unter den brutalen Kämpfen zwischen verschiedenen Clans und Warlords. Immer wieder werden sie zur Flucht gezwungen. Einige Regionen des Landes werden von der islamistischen Al-Shahaab Miliz kontrolliert. Die Hauptstadt Mogadishu wird immer wieder zum Ziel bewaffneter Auseinandersetzungen. Bewaffnete Gruppen der Al Shabaab führen Angriffe und Terroranschläge durch und gefährden so die Sicherheit der Zivilbevölkerung.

Mitte 2022 leben fast 3 Millionen Binnenvertriebene in Somalia, über 650.000 Menschen sind aus Somalia geflohen. Gleichzeitg leben aber auch rund 15.000 Flüchtlinge und mehr als 18.000 Asylsuchende in Somalia, die auf Unterstützung angewiesen sind.

2,97
Millionen

Binnenvertriebene

657
Tausend

Menschen in andere Länder geflüchtet

5,2
Millionen

Menschen haben nicht genug zu essen

Extreme Dürre lässt Hungersnot befürchten

Das Wasser ist knapp. Die Lebensmittelpreise steigen. Die Dürreperioden werden immer extremer. Und Flüchtlinge und Vertriebene tragen die Hauptlast.

Die Länder am Horn von Afrika erleben 2022 die schlimmste Dürreperiode seit 40 Jahren -  20,5 Millionen Menschen sind von akutem Hunger betroffen.

90 Prozent der Fläche Somalias leiden unter einem gravierden Mangel an Regen. Dadurch sind viele Menschen nicht mehr in der Lage, sich selbst zu versorgen und werden zur Flucht gezwungen. Aufgrund der gefährlichen Sicherheitslage ist die Arbeit humanitärer Hilfsorganisationen jedoch extrem schwierig.

In Somalia wird die Nahrungsmittelsituation zudem durch weitere Faktoren verschlimmert:

  • Heuschreckenschwärme vernichten immer wieder in weiten Teilen des Landes die Ernten einer ganzen Saison.
  • Die Wirtschaft leidet unter der politisch instabilen Lage und den hohen Sicherheitsrisiken.
  • Die globalen wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges und damit zusammenhängend die bedrohliche Nahrungsmittelknappheit.

In einigen Regionen in Somalia sind bereits über 25 Prozent der Binnenvertriebenen unterernährt. Besonders betroffenen sind Kinder, schwangere und stillende Frauen.

Internationale Monitoringdienste warnen vor Hungersnot in den kommenden Monaten.

Quelle: FEWS

Und wenn doch der Regen kommt, dann kommt er in Massen: In den Regenmonaten leidet die somalische Bevölkerung zusätzlich unter Sturzfluten und Flüssen, die über die Ufer treten. Jedes Jahr verlieren mehre tausend Menschen ihre Lebensgrundlage. Die Überflutungen führen somit nicht nur zu einer steigenden Zahl an Binnenvertriebenen, sonder stellen auch die Hilfsorganisationen vor große Herausforderung, wenn Teile des Landes unzugänglich sind.

Informationen zu den Fluchtgründen Hunger und Auswirkungen des Klimawandel.

Asha Iman Omar floh mit ihrer Familie vor der Dürre.

Wir sind gegangen, als die Dürre begann. Wir hatten 200 Schafe, jetzt sind nur noch 40 übrig. Ich kam mit meinen jüngeren Kindern und zwei Enkeln. Meine älteren Söhne versuchen die restlichen Schafe in der Stadt zu verkaufen. Wir brauchen vor allem etwas zu Essen.

Binnenvertriebene leben in unbeschreiblicher Armut

Der Großteil der schutzsuchenden Menschen ist innerhalb des Landes auf der Flucht: rund 2,97 Millionen Binnenvertriebene gibt es im Juni 2022 in Somalia. Sie leben in 2.000 Flüchtlingssiedlungen, über das ganze Land verteilt. Über 65 Prozent von ihnen sind Kinder.

Die Dürre zwingt die Landbevölkerung zur Migration in die Städte. 80 Prozent der Binnenvertriebenen leben in städtischen Regionen, oftmals in überfüllten Siedlungen und selbstgebauten Unterkünften aus Plastiktüten, Pappe und Stöcken.

Rückkehr trotz der Unsicherheit

Trotz der extremen Bedingungen sind in den vergangenen Jahren über 135.000 Flüchtlinge nach Somalia zurückgekehrt. Die enorme Unsicherheit im Land hält jedoch viele von einer freiwilligen Rückkehr ab. Im Jahr 2019 waren es nur 6.200 und im Jahr 2020 nur 1.560, wegen der Ausbreitung des Coronavirus und den damit verbundenen Maßnahmen. 2021 sind rund 2.650 Somalier*innen in ihre Heimat zurückgekehrt.

Die große Mehrheit von ihnen – 2021 waren es 86 Prozent – kommen aus dem Jemen nach Somalia zurück und nehmen die gefährliche Überfahrt über den Golf von Aden in Kauf. Grund für die Rückkehr sind der anhaltenden Konflikte im Jemen und sich verschlechternder Lebensbedingungen.

Kinder und Jugendliche haben geringe Bildungschancen

Die Lage in Somalia hat große Auswirkungen auf die Schulbildung von Kindern und Jugendlichen. Auf Grund von extremer Armut oder einer kritischen Sicherheitslage können die Kinder oftmals keine Schule besuchen.

2019 hatten von insgesamt 66.900 Flüchtlingen und zurückgekehrten Kindern im Land nur 12.400 (19 Prozent) Zugang zu Bildung. Der UNHCR sucht nach Möglichkeiten, online und über das Fernsehen Fernunterricht zu ermöglichen.

Wie hilft der UNHCR in Somalia?

Der UNHCR

  • bietet Flüchtlingen Rechtshilfe an, einschließlich der Beratung und Vertretung vor Gericht, der Vermittlung und dem Eintreten für die Freilassung aus der Haft.
  • ermöglicht Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie etwa Bildung und Gesundheitsversorgung sowie zu materieller und finanzieller Hilfe für die bedürftigsten Flüchtlinge und Asylbewerber.
  • stellt gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen den Binnenvertriebenen und gefährdeten Aufnahmegemeinschaften im ganzen Land Unterkünfte und Bargeldzuschüsse bereit. Dies sind lebensrettende Maßnahmen angesichts von Klima- oder konfliktbedingten Notsituationen.
  • organisiert zum Schutz von Binnenflüchtlingen den Aufbau von Kapazitäten bei Behörden, Partner*innen und Gemeindeleitungen, Projekte zur friedlichen Koexistenz sowie die Prävention und Reaktion auf sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt.
  • stellt den Flüchtlingen, die in ihre Heimat zurückkehren, ein Unterstützungspaket zur Verfügung, um ihre Wiedereingliederung in die Gemeinschaft zu gewährleisten. Dazu gehören Unterhaltsbeihilfen, grundlegende Ausstattungen, einschließlich Berufsausbildung und Zuschüsse zur Unternehmensgründung, sowie Bildung, Gesundheit und andere materielle Unterstützung nach der Rückkehr

Unterfinanzierung der Hilfsmaßnahmen

Somalia musste sich in den letzten Jahren unterschiedlichsten Herausforderungen stellen: Die Menschen litten nicht nur unter dem andauernden bewaffneten Konflikt, sondern auch unter einer Heuschreckenplage, Blitzüberflutungen und nicht zuletzt der Corona-Pandemie. Die Auswirkungen betreffen die Menschen bis heute, hinzu kommen die bedrohlichen Konsequenzen der anhaltenden Dürreperiode. Insgesamt benötigt der UNHCR rund 158 Millionen US Dollar, um Flüchtlinge im Jahr 2022 zu unterstützen.

Unterfinanzierung ist eines der größten Probleme für den UNHCR. Anfang 2020 musste die finanzielle Unterstützung für ein Projekt zur Errichtung von Unterbringungen für Rückkehrer*innen um die Hälfte gekürzt werden. In dem Nachbarland Äthiopien wurden Mittel von Bildungsprojekten eingespart, um Präventionsmaßnahmen gegen COVID-19 finanzieren zu können. Für etwa 48.700 somalische Flüchtlinge wurden Weiterbildungsmaßnahmen gestrichen.

Viele weitere Projekte im Inland sowie in den Nachbarländern sind ebenfalls durch Kürzungen gefährdet. Beispielsweise ist die Energieversorgung in den Lagern in Äthiopien schon jetzt unzureichend. Auch die Bargeldhilfen für somalische Flüchtlinge in Kenia und Djibouti könnten gekürzt werden. Das stürzt viele Familien in die Perspektivlosigkeit.

Um den Flüchtlingen in Somalia weiter helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung!

 

 

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