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Vergessen wir nicht die Not der Flüchtlinge außerhalb Europas!

Dr. Ricarda Brandts, die neue Vorstandsvorsitzende der UNO-Flüchtlingshilfe, macht in ihrem Blogbeitrag auf die drastische Unterfinanzierung vergessener Krisen aufmerksam und auf das Schicksal der davon betroffenen Flüchtlinge.

Mein Start als neue Vorstandsvorsitzende der UNO-Flüchtlingshilfe fällt in eine Zeit, die ich mir – so wie die meisten von Ihnen - niemals hätte vorstellen können oder wollen.

Die Krisen mehren sich: Zu der durch Corona verursachten Pandemie, den Folgen des Klimawandels und den weltweiten Fluchtbewegungen ist nun auch noch der Krieg in der Ukraine, der in Europa die größte Flüchtlingskatastrophe seit dem 2. Weltkrieg und wirtschaftliche Folgen für uns alle ausgelöst hat, hinzugekommen.

Gleichzeitig ist die Hilfsbereitschaft der deutschen Bevölkerung beeindruckend und führt für zu einer bisher nicht erreichten Unterstützung der UNO-Flüchtlingshilfe. Die uns in den ersten beiden Quartalen von 2022 zur Verfügung gestellten Mittel haben bereits die Spendengelder im gesamten letzten Jahr um sieben Millionen Euro übertroffen. So können wir einen bedeutenden Beitrag zum Schutz von Flüchtlingen leisten und das Leben von hunderttausenden Flüchtlingsfamilien und Vertriebenen erleichtern. Dafür bin ich sehr dankbar!

Unsere im März 2022 ins Leben gerufene Sofortförderung für Projekte in Deutschland konnte neben der Förderung der internationalen UNHCR-Programme dazu beitragen, die erste große Not der Flüchtlinge aus der Ukraine auch unmittelbar hier bei uns in Deutschland zu lindern.

Auch haben wir viele neue Unterstützer*innen – insbesondere aus der Privatwirtschaft – hinzugewonnen. Dies zeigt: Viele setzen sich gemeinsam dafür ein, dass Flüchtlinge und Vertriebene spüren, dass sie nicht alleine gelassen werden, und wieder Hoffnung schöpfen können.

Doch wir dürfen nicht vergessen, dass der schreckliche Krieg in der Ukraine nicht nur unmittelbare dramatische Folgen für die Menschen in und aus der Ukraine hat, sondern global zu einer eklatanten Preissteigerung, Nahrungsmittel- und Energieknappheit und einer gefährlichen Unterbrechung der Versorgungsketten führt. Dies macht sich auch hier bei uns bemerkbar.

Doch was bedeutet das für die Millionen Geflüchteten in Afrika, Asien oder Lateinamerika?

Der UNHCR hat in einem kürzlich erschienenen Bericht mehr als deutlich gemacht, dass trotz der großen Anteilnahme und Unterstützung für die Hilfsprogramme in der Ukraine und den angrenzenden Nachbarländern, die Mittel für die anderen Regionen fehlen. Der UNHCR hat zwölf Hilfseinsätze genannt, die bereits jetzt drastisch unterfinanziert sind. Dazu gehören die Projekte in Uganda, der Demokratischen Republik Kongo, dem Sudan, Irak, Tschad, Äthiopien, Jemen, Bangladesch, Jordanien, Libanon oder Kolumbien. In diesen Ländern leben mehr als 40 Millionen Menschen, für die der UNHCR Sorge trägt. Die Hilfsmaßnahmen dort haben einen Gesamtbedarf von rund 3,6 Milliarden US-Dollar, der bisher lediglich zu 22 Prozent gedeckt ist. In den betroffenen Ländern sind nur zwischen 16 und 29 Prozent der benötigten Hilfsgelder angekommen.

Diesen Trend verfolgen wir auch hier bei der UNO-Flüchtlingshilfe, dem deutschen Partner des UNHCR. Die Arbeit des UNHCR in der Ukraine und seinen Nachbarländern bedarf weiter der dringend notwendigen Unterstützung. Doch so sehr dort die Hilfe auch benötigt wird, dürfen wir die anderen Länder und Regionen nicht aus dem Blick verlieren!

Überwiegend gehören diese Gebiete zu den weltweit am wenigsten entwickelten ärmsten Ländern, die aber gleichzeitig den meisten Flüchtlingen und Vertriebenen Zuflucht gewähren.

Dort hält die Not nicht nur weiter an, sie macht sich vielmehr durch die globalen Folgen des Ukraine-Kriegs noch stärker bemerkbar. So droht zum Beispiel derzeit am Horn von Afrika eine humanitäre Katastrophe. Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren und die globalen wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine führen zu einer lebensbedrohlichen Nahrungsmittelknappheit, die Millionen Menschen hungern lässt. Darunter leiden besonders Flüchtlinge und Binnenvertriebene, aber auch die Menschen, die sie aufgenommen haben.

Wir dürfen diese Menschen in den anderen Teilen der Welt nicht alleine lassen. Diese Menschen sind ebenfalls dringend auf Unterstützung angewiesen; sei es um ihr nacktes Überleben zu retten oder die Chance zu erhalten, sich eine neue Zukunft aufbauen zu können.

Die UNO-Flüchtlingshilfe hat das Ziel und den großen Wunsch, niemanden auf der Flucht alleine zu lassen und überall dort zu helfen, wo Hilfe benötigt wird. Die großartige Hilfsbereitschaft der Zivilgesellschaft und der Unternehmen für die Ukraine macht mir Hoffnung, dass wir uns gemeinsam auch denjenigen zuwenden, die in anderen Ländern der Welt vor Krieg, Gewalt und Unterdrückung fliehen müssen.

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