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Brasilien Menschen auf Stockbetten in Turnhalle
© UNHCR/Felipe Irnaldo

Brasilien - ein wohlwollendes Aufnahmeland

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Fluchtort für viele Venezolaner

Unter den lateinamerikanischen Ländern nimmt Brasilien eine führende Rolle im Flüchtlingsschutz ein. Aufgrund der politischen und sozioökonomischen Krise in Venezuela sind in den letzten Jahren Tausende Venezolaner*innen nach Brasilien geflüchtet. Sie flohen aus Venezuela vor Gewalt, Verfolgung und Mangel an Nahrung. Oftmals haben sie ihr gesamtes Hab und Gut zuhause lassen müssen. Bei der Ankunft benötigen sie vor allem Lebensmittel, Unterkünfte und Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Tausende fliehen nach Brasilien

In Brasilien leben rund 408.000 Flüchtlinge und Asylsuchende. 148.011 von ihnen kommen aus Venezuela. Die brasilianischen Behörden sprechen jedoch von einer weitaus größeren Zahl von Venezulanern, die sich nach Grenzübertritt allerdings nicht registrieren.

2020 wurden über 208.000 Asylanträge gestellt. Im Jahr 2019 war Brasilien unter den zehn Ländern mit den höchsten Asylbewerberzahlen weltweit.

209
Tausend

Asylsuchende

408
Tausend

Menschen, die auf Hilfe von UNCHR angewiesen

148
Tausend

Venezolaner lebten 2020 in Brasilien

Erklärung von Cartagena

Die brasilianische Regierung richtet sich nach der Erklärung von Cartagena von 1984, welche eine Erweiterung der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 darstellt. Sie wurde von Ländern im lateinamerikanischen Raum erarbeitet und angenommen. Die Erklärung erweitert den Anwendungsbereich des Flüchtlingsbegriffs auf Personen, die vor Konflikten und Unruhen fliehen. Diese Erklärung ist als vorbildlich vom UNHCR gelobt worden.

Die Regierung nutzt ihre Kapazitäten zum Flüchtlingsschutz

Viele venezolanische Flüchtlinge und Migrant*innen leben unter miserablen Bedingungen in temporären, informellen Siedlungen. Vor allem in den Städten stehen Unterkünfte und andere Formen der Unterstützung für die Bedürftigsten nur begrenzt zur Verfügung. Viele sind der Gefahr ausgesetzt, von Schmugglerbanden oder bewaffneten Gruppen gefangen genommen oder ausgeraubt zu werden. Insbesondere Frauen und Mädchen müssen sich vor sexueller Gewalt und Übergriffen fürchten.

Die Regierung betreibt, abgesehen von Grenzschließungen als Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus, weiterhin eine Politik der offenen Türen. Sie setzt sich dafür ein, dass schutzbedürftige Venezolaner*innen humanitäre Hilfe erhalten und fördert Projekte, die die wirtschaftliche und sozioökonomische Situation der Geflüchteten verbessern. Registrierte Flüchtlinge haben die gleichen Rechte wie einheimische Bevölkerung. Darin enthalten ist der Zugang zu grundlegenden Leistungen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Arbeit.

Es ist mir nicht peinlich zu erzählen, dass ich auf der Straße gelebt und mein Essen im Müll gesucht habe. Ich habe eine zweite Chance im Leben bekommen und ich werde nicht aufgeben.

Elvis Daniel arbeitet in einer Klinik für medizinische Diagnostik und studiert nebenher an der University of Brasilia, nachdem er vor Verfolgung aus Venezuela floh.

In Boa Vista kämpfte Elvis Tag für Tag ums Überleben und landete auf der Straße, wo er sexuell missbraucht wurde. Er suchte in Mülltonnen nach Essen, als ihm ein UNHCR-Mitarbeiter zu Hilfe kam und ihm einen Platz in einer Unterkunft für LGBTI-Flüchtlinge sicherte. Zu diesem Zeitpunkt wog er gerade einmal 35 Kilo. Er erholte sich, fand Arbeit und konnte sich gut integrieren. © UNHCR/V.Hugueney

Der UNHCR unterstützt die Regierung bei der Registrierung der Neuankömmlinge. Er hilft, die Aufnahmekapazitäten auszubauen und engagiert sich zusätzlich verstärkt in den Bereichen Gesundheit, sanitäre Einrichtungen und Sicherheit.

Grenzregionen stark belastet

Die venezolanischen Flüchtlinge kommen hauptsächlich im Bundesstaat Roraima an. Dadurch sind die Ressourcen in dieser Region stark ausgelastet. Der UNHCR unterstützt die Regierung dabei, die Flüchtlinge mit ihrer Zustimmung gerecht auf andere Bundesstaaten aufzuteilen. Die Umsiedlung bietet den Geflüchteten die Chance auf ein neues Leben, erhöht ihre Jobchancen und die sozioökonomische Integration in die brasilianische Gesellschaft wird insgesamt gefördert.

Seit Dezember 2019 werden die Asylanträge von Venezolaner*innen, welche die notwendigen Kriterien in Brasilien erfüllen, in einem beschleunigten Verfahren bearbeitet, ohne dass eine Anhörung erforderlich ist. Der UNHCR begrüßt diesen Schritt. Es ist ein Meilenstein für den Flüchtlingsschutz in der Region.

Herausforderung COVID-19

Aufgrund der Corona Pandemie wurden die brasilianischen Grenzen Mitte März geschlossen. Auch für Menschen, die aus Venezuela kommen (Stand: Ende Juni 2020). Für Personen, die sich bereits im Land befinden, wurde der legale Aufenthalt bis zum Ende der Krise verlängert. Die Bundesstaaten ergriffen eine Reihe von Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Einige Städte verhängten eine totale Ausgangssperre.

Viele venezolanische Flüchtlinge und Migrant*innen sind von der gegenwärtigen Krise schwer betroffen. Sie haben durch die restriktiven Maßnahmen ihre Arbeit verloren und haben Schwierigkeiten, ihre Familie zu versorgen und müssen für ihre essentiellen Bedürfnisse kämpfen, einschließlich Unterkunft und Lebensmittel. Aufgrund des unzureichenden Zugangs zu Sanitär- und Hygieneanlagen sind viele einem erhöhten Übertragungsrisiko mit dem Corona-Virus ausgesetzt. Venezolanische Geflüchtete haben weiterhin Zugang zu nationalen Gesundheitsdiensten und wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen. Das Gesundheitssystem ist durch die Pandemie jedoch stark belastet.

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Bildung für indigene Geflüchtete

Der Bildungssektor arbeitet eng mit venezolanischen indigenen Arbeitsgruppen zusammen, um eine gemeinsame Strategie für den Lehrplan zu erarbeiten. Somit soll gesichert werden, dass auf die Interessen und Bildungsbedürfnisse der indigenen Bevölkerung in Brasilien eingegangen wird.

Die Bildungsprogramme werden in drei Sprachen bereitgestellt: Portugiesisch, Spanisch und Warao, der Sprache indigener Bevölkerungsgruppen. Diese Programme werden aufgrund der COVID-19 Pandemie über das Radio gesendet, um den Kindern weiterhin Bildungsangebote bieten zu können.

Ich träume von dem Tag, an dem wir in unsere Heimat zurückkehren und unsere Kinder wieder in Sicherheit sind.

Eulirio Baes, ein 33-jähriger indigener Warao, flüchtete mit seiner Familie aus Venezuela, nachdem drei Verwandte, darunter auch seine neun Monate alte Tochter, starben, weil es keine medizinische Versorgung gab. Drei seiner Kinder können nun, mit der Unterstützung des UNHCR, zur Schule gehen.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Der UNHCR...

  • … unterstützt die brasilianische Regierung im Ausbau der Infrastruktur der Gesundheitswesen. So wird besonders der Neubau von Krankenhäusern unterstützt. Auch die Weiterbildung und Ausbildung medizinischen Personal wird gefördert.
  • ... unterstützt bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Es werden Notunterkünfte und Materialien für die Isolationsbereiche für Flüchtlingen bereitgestellt. Besonders gefährdete Flüchtlinge erhalten Bargeldhilfen, Hygieneartikel und Informationen zu Präventions- und Reaktionsmaßnahmen zum Coronavirus. Speziell ausgebildete Mitarbeiter*innen unterstützen Betroffene sexueller- und geschlechtsspezifischer Gewalt.
  • … weist Bargeldhilfe zu. Dank der Bargeldhilfen erhalten die Menschen ein Stück Unabhängigkeit zurück und können ihre Grundbedürfnisse befriedigen.
  • … stellt Unterkünfte zur Verfügung. In 2020 stellt der UNHCR 2.000 Betten und 250 Flüchtlingsunterkünfte (RHUs), die in Notunterkünften als Isolationsbereiche für Verdachts- und bestätigte Fälle dienen.
  • … stattet Kinder und Jugendliche mit Materialien für die Schule aus. So wird garantiert, dass die jungen Flüchtlinge ohne Benachteiligungen am Unterricht teilnehmen können und Zugang zu Bildung haben.
  • … leistet Winterhilfe und unterstützt geflüchtete Menschen durch Hilfsgüter wie Matratzen, Moskitonetze, Hygiene Sets, Solarlampen. Zudem haben der UNHCR und seine Partner im Winter rund eine Tonne Kleidung im Land verteilt.
     

Der Spenden Bedarf des UNHCR für die Hilfe in Brasilien im Jahr 2021 beträgt 33 Millionen US Dollar.

Wie hilft die UNO-Flüchtlingshilfe?

Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt die Nothilfe-Maßnahmen des UNHCR für venezolanische Flüchtlinge und fördert inbesondere:

  • die Schutzmaßnahmen,
  • der Zugang zur Gesundheitsversorgung
  • die Inklusion der Venezolaner*innen in die nationalen Systeme
  • die Vereitlung von Hilfsgütern von Wasserkanistern, Solarlampen, Hygieneartikeln
  • die Bereitstellung von Unterkünften
     

In 2020 hat die UNO-Flüchtlingshilfe die UNHCR-Hilfsmaßnahmen für venezolanische Flüchtlinge mit 229.034 Euro gefördert.

Brasilien, Kinder in Hängematte

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