Leben im Ausnahmezustand: Vertriebene Familien im Libanon finden keine Ruhe
Schulen werden zu Notunterkünften
In einer Schule im Stadtteil Hamra in Beirut hängen Wäscheleinen dort, wo früher Tafeln und Schreibtische standen. Klassenräume wurden zu provisorischen Unterkünften umfunktioniert. Familien leben auf engstem Raum, getrennt nur durch dünne Stoffwände. Was eigentlich eine kurzfristige Lösung sein sollte, ist für viele Menschen zum Alltag geworden.
Auch Wochen nach der Waffenruhe hat sich die Lage für viele Menschen kaum verbessert. Rund 130.000 der mehr als eine Million Vertriebenen leben weiterhin in Sammelunterkünften, die meisten davon in Schulen.
Rückkehrversuche scheitern
Viele Familien hatten gehofft, nach der Waffenruhe in ihre Häuser zurückkehren zu können. Doch oft blieb es bei kurzen Besuchen. Die Angst vor erneuter Gewalt und die massiven Zerstörungen treiben viele Menschen zurück in die Notunterkünfte.
Wir sind für einen Tag zurückgegangen aber die Situation war nicht stabil genug, um zu bleiben. Es gibt so viel Zerstörung und die Geräusche der Luftangriffe und Drohnen waren zu viel … also sind wir wieder hierher zurückgekehrt.“
erzählt Ghadir Houjaj, die aus dem Süden des Landes fliehen musste.
Besonders im Süden des Landes dauern Luftangriffe und Zerstörungen weiter an. Viele Häuser wurden beschädigt oder komplett zerstört, Infrastruktur wie Wasser- und Stromversorgung funktioniert vielerorts nur eingeschränkt.
Leben auf engstem Raum
Für Kinder ist die Situation besonders belastend. Die zwölfjährige Zahraa lebt mit ihrer Familie in einem Klassenzimmer einer öffentlichen Schule in Beirut – nur wenige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt. Doch an eine Rückkehr ist derzeit nicht zu denken.
Wenn ich in mein Klassenzimmer zuhause gehe, dann zum Lernen. Hier gehe ich in ein Klassenzimmer, um zu schlafen und fern von zuhause zu leben, weil es dort nicht sicher ist.“
sagt Zahraa.
Für Zahraa und viele andere Kinder bedeutet der Alltag derzeit vor allem eines: Leben in ständiger Unsicherheit, fern von ihrem gewohnten Zuhause.
Alltag zwischen Unsicherheit und Verlust
Viele Familien mussten in den vergangenen Monaten mehrfach fliehen. Manche haben ihre Einkommensquelle verloren, andere ihr Zuhause oder Angehörige. Gleichzeitig verschärfen steigende Temperaturen die schwierigen Bedingungen in den überfüllten Unterkünften.
UNHCR und Partnerorganisationen unterstützen die Menschen vor Ort unter anderem mit Unterkünften, Reparaturen und psychosozialer Hilfe. Doch der Bedarf bleibt enorm – und viele Familien wissen nicht, wann sie jemals wieder sicher nach Hause zurückkehren können.
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