Junge schaut aus Fenster in Beirut
© UNHCR/Diego Ibarra Sánchez

Libanon: Stark belastetes Aufnahmeland

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9 von 10 Flüchtlingen unterhalb der Armutsgrenze

Der Libanon ist eines der am stärksten betroffenen Länder des Krieges in Syrien. Im Vergleich zur Einwohnerzahl, hat der Libanon weltweit am meisten Flüchtlinge aufgenommen. Die Zahl der syrischen Flüchtlinge wird auf 1,5 Millionen geschätzt. Über 840.000 von ihnen sind offiziell registriert. Doch 2015 wurde die Registrierung von Flüchtlingen beendet, so dass die wirkliche Zahl nur geschätzt werden kann.

Zu den Flüchtlingen aus Syrien im Libanon kommen etwa 5.000 Flüchtlinge äthiopischer, irakischer, sudanesischer und anderer Herkunft hinzu sowie rund 479.500 palästinensische Flüchtlinge unter dem Mandat der UNRWA (UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge).

Das Land ist durch eine Wirtschaftskrise, Inflation, hohe Arbeitslosigkeit und eine veraltete Infrastruktur belastet. Dazu kommen die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Angesichts steigender Preise steigt auch die Zahl derjenigen Flüchtlingsfamilien, die in extremer Armut leben. In 2020 lebten 89 Prozent der syrischen Flüchtlingsfamilien unterhalb der extremen Armutsgrenze, im Jahr 2019 waren es noch 55 Prozent..

Die hohe Zahl an Flüchtlingen birgt zunehmend die Gefahr, dass soziale Spannungen entstehen und die soziale Stabilität im Land gefährden.

Im August 2020 erschütterte zudem eine riesige Explosion Beirut und zerstörte ganze Stadtviertel. Hilfsmaßnahmen liefen an, doch noch immer kämpfen viele Bewohner - darunter auch viele Flüchtlinge - mit den Folgen.

Über die Hälfte der registrierten Flüchtlingsbevölkerung im Libanon ist jünger als 18 Jahre, wobei 14,8 Prozent unter 5 Jahre alt sind.

Winter verschlimmert die Not

Die Armut unter den Flüchtlingen im Libanon ist groß. Die Preise für Lebensmittel, Heizmaterial, Medikamente und alle Dinge des einfachen Lebens sind in die Höhe geschossen. Viele Flüchtlinge hausen nach Jahren im Exil noch immer in Unterkünften, die für den Winter nicht geeignet sind.

* Namen wurden aus Sicherheitsgründen verändert

  • © UNHCR/H.Darwish

    "Als ich in den Libanon kam, musste ich mich erst einmal an diese neue Realität gewohnen. Ich hatte vorher nie in einem Zelt gewohnt, aber eine Wohnung konnte ich mir nicht leisten. Als alleinerziehende Mutter musste ich lernen, wie ich mein Leben selbst organisieren kann und für meine Familie sorgen kann."

    Majida wohnt seit 2014 mit ihren vier Kindern in einer informellen Siedlung von Flüchtlingen im Beeka-Tal im Libanon. Sie floh vor der Gewalt in Syrien, nachdem ihr Mann gestorben war.

    Manchmal findet sie kleine Arbeiten, wie Bohnen ausputzen oder Knoblauchzehen schälen, was aber nicht gut bezahlt wird.

  • © UNHCR/H.Darwish

    "Vor der (Wirtschafts-)krise war die Situation schwierig, aber ich konnte etwas zu Essen auf den Tisch bringen. Jetzt kann ich den Kindern keine ganze Mahlzeit anbieten. Wir essen meist Gemüse und Getrocknetes. Sie leiden, weil sie nicht genug zu Essen haben."

    Nach der Schule sitzt Majida mit den Töchtern zusammen, um etwas zu essen.

     

  • „Ich wünsche mir für den Libanon, ein Land, das freundlich zu mir war, dass sich die Situation verbessert, weil es für alle schwierig ist, für Libanesen und Flüchtlinge.
    © UNHCR/H.Darwish

    „Ich wünsche mir für den Libanon, ein Land, das freundlich zu mir war, dass sich die Situation verbessert, weil es für alle schwierig ist, für Libanesen und Flüchtlinge."

    Aya und Sara machen auf dem Fußboden ihre Hausaufgaben. Einen Tisch oder Stühle haben sie nicht.

    Die beiden älteren Brüder (15 und 16 Jahre alt) können nicht mehr in die Schule gehen, weil sie auf einem Hof in der Nähe arbeiten, um das magere Familieneinkommen aufzubessern.

     

  • „Vor ein paar Monaten waren alle meine Kinder krank, aber ich konnte es mir nur leisten, Medikamente für eines von ihnen zu kaufen - das, was am stärksten krank war.“
Im Libanon leben mittlerweile 9 von 10 syrischen Flüchtlingen in extremer Armut leben. Jeder zweite Flüchtling hat nicht immer ausreichend zu Essen.
    © UNHCR/H.Darwish

    „Vor ein paar Monaten waren alle meine Kinder krank, aber ich konnte es mir nur leisten, Medikamente für eines von ihnen zu kaufen - das, was am stärksten krank war.“

    Im Libanon leben mittlerweile 9 von 10 syrischen Flüchtlingen in extremer Armut leben. Jeder zweite Flüchtling hat nicht immer ausreichend zu Essen.

  • “Im letzten Winter hatten wir Heizmaterial. Aber dieses Jahr sind Brennstoffe knapp und teuer, ich kann mir noch nicht einmal Holz leisten. Ich mache mir Sorgen, weil ich nicht weiß, wie ich die Kinder warm halten kann und noch Essen und Kleidung kaufen soll. Alles ist so teuer.
    © UNHCR/H.Darwish

    “Im letzten Winter hatten wir Heizmaterial. Aber dieses Jahr sind Brennstoffe knapp und teuer, ich kann mir noch nicht einmal Holz leisten. Ich mache mir Sorgen, weil ich nicht weiß, wie ich die Kinder warm halten kann und noch Essen und Kleidung kaufen soll. Alles ist so teuer."

    Im vergangenen Winter wurde der Boden nass und die Familie schlief auf feuchten Matrazen. Nach jedem Regen trugen sie alles zum Trocknen in die Sonne nach draußen.

Leben in Armut

Für Flüchtlinge ist das Leben im Libanon ein täglicher Kampf, da viele nur über geringe oder keine finanziellen Mittel verfügen. Viele Flüchtlinge überleben nur mit kleinen Jobs im informellen Sektor. Durch die Corona-Maßnahmen haben viele von ihnen ihre Arbeit verloren. Im Juni 2021 hatten 49 Prozent der Flüchtlingsfamilien nicht genügend Geld um sich ausreichend Lebensmittel zu kaufen. Zwei Drittel der Familien gaben an, kleinere Portionen zu kochen oder weniger Mahlzeiten einzunehmen.

Es gibt im Libanon keine formellen Flüchtlingscamps. Infolgedessen leben die syrischen Flüchtlinge in mehr als 2.100 städtischen und ländlichen Gemeinden und Orten verstreut. Sie teilen sich oft kleine, einfache, manchmal provisorische Unterkünfte mit anderen Flüchtlingsfamilien unter überfüllten Bedingungen.

Extreme Wetterbedingungen

Während im Sommer hohe Temperatur im Libanon herrschen, ist der Winter meist nass und kalt. Viele der Flüchtlinge leben in provisorischen Unterkünften, Zelten oder mit Planen abgedeckten Hütten, die nicht auf die Winterstürme ausgerichtet sind. Bei starkem Regen werden oftmals Behausungen geflutet und die eisigen Temperaturen sorgen für schwere Lebensverhältnisse.

Der UNHCR leistet Winterhilfe und versorgt die Familien mit Decken, Öfen und warmer Kleidung. Langfristig ist es das Ziel, die Menschen in stabilen Unterkünften und Wohnungen unterzubringen.

 

Herausforderung COVID-19

Durch die Verbreitung des Coronavirus und den Maßnahmen zur Bekämpfung wird die ohnehin schon schwache Volkswirtschaft und das Gesundheitssystem stark belastet. Viele Geflüchtete haben ihre Arbeit verloren und haben nun noch weniger Möglichkeiten, ihren Alltag eigenständig zu bewältigen.

Die Maßnahmen, die der UNHCR im Kampf gegen Covid-19 ergreift:

  • Schulung von Mitarbeitern und Flüchtlingen mit medizinischen Vorkenntnissen
  • Einrichtung von Isolierstationen
  • Lieferung von medizinische Ausstattung
  • Unterstützung von öffentlichen Krankenhäusern, um zusätzliche Kapazität aufzubauen.

 

Mehr zum Flüchtlingsschutz in der Corona-Pandemie erfahren Sie hier:

Flüchtlinge vor COVID schützen

Was macht der UNHCR vor Ort?

Im Mittelpunkt der Arbeit des UNHCR im Libanon steht das Ziel, den Schutz und die Würde von Flüchtlingen zu erhalten. Gerade angesichts zunehmend restriktiver Bedingungen und Maßnahmen, die die Einreise von syrischen Flüchtlingen ins Land beschränken sollen, ist das Eintreten für die Einhaltung internationaler Standards im Flüchtlingsschutz und für die Rechtsstaatlichkeit ein zentraler Bestandteil der Arbeit des UNHCR.

Der UNHCR

  • bietet Rechtsberatung an.
  • unterstützt Familien mit Bargeldhilfen, damit sie die Möglichkeit haben, ihre Grundbedürfnisse wie Miete, Lebensmittel und Medizin zu bezahlen.
  • unterstützt lokale und institutionelle Maßnahmen zum Schutz von Kindern und vor sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt.
  • unterstützt den Ausbau von Schulen, Lerngruppen und Stipendien für Studenten.
  • stellt Winterhilfe zur Verfügung: Winterkleidung, Bau- und Isoliermaterial für schlecht ausgerüstete Unterkünfte.
  • unterstützt Gemeindezentren, in denen Flüchtlinge Beratung, Weiterbildungsprogramme und psychosoziale Hilfe erhalten.


Eine lokale Integration der Flüchtlinge wird von der libanesischen Regierung als Option abgelehnt. Aus diesem Grund ist der UNHCR dauerhaft auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen außerhalb des Landes.

Eine Möglichkeit für Flüchtlinge ist das Resettlement, die Umsiedlung in ein sicheres Drittland. Doch die Verfügbarkeit dieser sogenannten Resettlement-Plätze liegt weit unter dem Bedarf. Es ist also dringend notwendig, dass Staaten weitere Plätze anbieten.

Desweiteren unterstützt der UNHCR Flüchtlinge, die in ihr Heimatland zurückkehren wollen. So bekommen sie zum Beispiel Informationen über die Lage in ihrer Heimatregion und Unterstützung, wenn notwendige Papiere fehlen.

Die UNO-Flüchtlingshilfe hat 2021 die Hilfe für syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern mit knapp 6,4 Millionen Euro unterstützt.

Flüchtlingsjunge Libanon

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