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Q&A: Wie hilft der UNHCR in Zeiten von COVID19?

Ann Burton, Leiterin der UNHCR-Public Health Section erklärt, welche Gefahr die Corona-Pandemie für Geflüchtete darstellt und was der UNHCR tut.

Ein venezuelanischer Doktor kümmert sich in Ecuador um Geflüchtete und Aufnahmegemeinden

 

"Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist der Schlüssel, um COVID-19 zu bekämpfen und das Leben von Flüchtlingen zu retten"

 

 

Ann Burton ist Leiterin der UNHCR-Public Health Section. Sie erklärt uns, welche Gefahr die Corona-Pandemie für Flüchtlinge und Binnenvertriebene darstellt und was UNHCR tut, um Leben zu retten.

 

Warum ist es besonders während der Corona-Krise wichtig, dass Flüchtlinge, Asylsuchende, Migranten und staatenlose Menschen Zugang zu medizinscher Versorgung und dem Gesundheitssystem haben?

Viele Flüchtlinge leben in Aufnahmeländern mit sehr schlechten Gesundheitssystemen. Ein Ausbruch von COVID-19 würde diese lokalen Gesundheitsdienste außerordentlich belasten und wahrscheinlich zu großem vermeidbarem Leiden und Tod führen.

COVID-19 zeigt uns, dass wir alle miteinander verbunden sind – egal wo wir leben, egal wer wir sind.

Das Virus kennt keine Religionen, keine Ethnien, keine Grenzen. Alle Menschen, und vor allem die Verletzlichsten – dazu zählen Flüchtlinge, Asylsuchende und Staatenlose – brauchen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Fakt ist, dass wir alle davon profitieren, wenn diese Gruppen medizinisch versorg werden. Das ist im Interesse aller, denn es hilft dabei die Ausbreitung des Virus zu stoppen.

Der Virus lässt Ängste bei Einzelnen und in der Gesellschaft steigen. Was sind die Konsequenzen, wenn sich diese Ängste gegen Flüchtlinge und Minderheiten wenden?

Angst ist eine normale Reaktion, aber wir müssen es vermeiden, dass diese Angst in Fremdenfeindlichkeit mündet.

Wenn Flüchtlinge für die Verbreitung von COVID-19 verantwortlich gemacht werden, kann das dazu führen, dass sie sich nicht sicher fühlen, um medizinische Hilfe zu suchen oder ihnen könnte Hilfe sogar versagt werden. Das würde niemandem helfen.

Der UNHCR hat schon zuvor mit Epidemien, wie Ebola, Cholera, Zika oder SARS zu tun gehabt. Was gibt es für Erfahrungen, um Geflüchteten während der COVID-19 Pandemie zu helfen und die Ausbreitung zu begrenzen?

Wir haben viele wichtige Lehren aus der Ebola-Reaktion und anderen Ausbrüchen gezogen.

Erstens: Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung! Wie wichtig es ist, auf etwas vorbereitet zu sein, darf nicht unterschätzt werden. Der UNHCR hat also ausführliche Maßnahmenpakete und Pläne erarbeitet, die in nationale Pläne eingearbeitet werden. 

Zweitens: der UNHCR hat die Methoden, wie mit einem solchen Krankheitsausbruch umgegangen werden sollte, ausgetestet. In jedem Flüchtlingslager oder –siedlung gibt es bereits ein Response Team. Wir haben Überweisungssysteme für Laborproben und positionieren Laborbedarf einschließlich Tupfer, Probenbehälter und Überwachungssysteme.

Sektorübergreifendes Arbeiten ist wichtig: Eine koordinierte Antwort auf so eine Krise bedeutet, dass alle Bereiche wie Wasser, Hygiene und Sanitärmaßnahmen, Lagermanagement, Unterkünfte, Schulen, Schutzaspekte und Lagerplanung zusammenarbeiten.

Krankheitsausbrüche unter den am meisten Gefährdeten zu verhindern oder zu verzögern, ist die wichtigste Aufgabe, die wir jetzt haben.

Vergangene Epidemien haben gezeigt, dass es wichtig ist, die Flüchtlinge vom ersten Tag an mit einzubinden. So können ihre Sorgen mit den Maßnahmen und soziale und kulturelle Sensibilitäten miteinbezogen werden.

Es muss sichergestellt werden, dass die Gesundheitssysteme funktionieren, damit sich die Sterblichkeit aufgrund anderer Erkrankungen nicht erhöht.

Last but not least müssen Flüchtlinge in nationale Maßnahmen integriert werden. Übertragbare Krankheiten können nur mit einem integrativen Ansatz kontrolliert werden. Nationale Gesundheitsdienste benötigen häufig Unterstützung, insbesondere dort, wo Flüchtlinge in abgelegenen Regionen untergebracht sind, in denen die Gesundheitsdienste schwächer sind.

Welche konkreten Maßnahmen gibt es im Fall eines Ausbruchs in einem Flüchtlingslager oder bei den vielen Flüchtlingen außerhalb von Lagern?

Wir haben unsere Warenlager aufgestockt mit Desinfizierungsmitteln, Laborutensilien, Material um medizinischen Abfall zu behandeln, Medikamente und anderes medizinisches Material und medizinische Geräte (inklusive Beatmungsgeräte).

Wir verbessern die hygienischen Bedingungen und bereiten in verschiedenen Flüchtlingslagern und –siedlungen Bereiche vor, um Menschen zu isolieren.

Wir bilden Gesundheitsmitarbeiter in den Flüchtlingslagern aus in den Bereichen Behandlung, Prävention und Kontrolle. Der UNHCR bereitet Informationsmaterialien je nach spezifischen kulturellen und sprachlichen Bedürfnissen auf.

Die größte Herausforderung ist jetzt, sicherzustellen, dass Flüchtlinge Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystemen bekommen. Und dass es genug medizinisches Material gibt, um akute COVID-19 Fälle zu behandeln.

 

 

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