A1F8344D-6994-4DE4-8A05-02D38D995F92 Created with sketchtool. Spenden
DAFI Stipendien
© UNHCR/Antoine Tardy

Aiming Higher: Hochschulbildung für Flüchtlinge

Teilen

Bessere Zukunftsperspektiven durch Hochschulstudium

Weltweit haben rund 30 Prozent der jungen Menschen Zugang zu höherer Bildung, der Anteil unter Geflüchteten liegt jedoch nur bei 5 Prozent. Damit geht das Potential einer ganzen Flüchtlingsgeneration verloren. Dies hat gravierende Folgen, denn für Flüchtlinge stellt Hochschulbildung nicht nur die Basis für eine individuelle Entwicklung zu Führungskräften, Denkern und Machern dar. Ein Hochschulabschluss ist auch der Schlüssel zum Arbeitsmarkt und einer wirtschaftlichen Selbstversorgung. Zugleich hilft Hochschulbildung dabei, nach dem Trauma der Vertreibung ein Gefühl von Sinn und Würde zurückzugewinnen und befähigt die Geflüchteten, sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat beim Wiederaufbau ihres Landes zu engagieren oder für eine bessere Zukunft ihrer Aufnahmegemeinschaften beizutragen.

Stipendienprogramm für besonders begabte Flüchtlinge

Seit fast 30 Jahren gibt es die "Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein", kurz DAFI genannt. Sie wurde 1992 von der deutschen Bundesregierung ins Leben gerufen, um besonders begabten Flüchtlingen ein Studium zu ermöglichen.

Der UNHCR sorgt seitdem für die Umsetzung dieses Programms.

Auf der Liste der Absolventen stehen vor allem Ärzte, Lehrer und Ingenieure, die dann in ihren Berufen einen wichtigen Dienst für andere Flüchtlinge leisten können. Freiwilligenarbeit ist integraler Bestandteil des Programms. DAFI-Stipendiaten organisieren etwa „health screenings“ oder unterrichten andere Geflüchtete.

Seit Bestehen des Flüchtlingsstipendienprogramm (DAFI) des UNHCR konnten schon mehr als 18.000 junge geflüchtete Frauen und Männer in 54 Ländern bei ihrem Studium unterstützt werden. Vor allem Frauen profitieren vom Programm, können sie mit einem Hochschulabschluss später bis zu dreimal so viel verdienen als ohne.

Aiming Higher: Mehr Flüchtlinge an die Hochschulen

Wenn Sie dieses Video abspielen, werden Informationen über Ihre Nutzung an den Betreiber des Videos übertragen und unter Umständen gespeichert.

Video Still

Durch innovative Konzepte, strategische Partnerschaften sowie einer verbesserten Datenerfassung und -analyse konnte im Zeitraum 2019 bis 2020 der Anteil von Flüchtlingen mit Hochschulbildung bereits von 3 auf 5 Prozent erhöht werden. Ein erster Erfolg!

Wenn man jedoch berücksichtigt, dass weltweit ein Drittel aller jungen Menschen im Hochschulalter ein Studium beginnen, liegt noch ein langer Weg vor uns. 

Zu vielen wird die Möglichkeit verwehrt, ihr Potenzial durch Hochschulbildung, einschließlich der technischen und beruflichen Ausbildung, zu erkunden und somit Innovationen und Forschung voranzutreiben. Dies liegt u. a. daran, dass geflüchtete junge Frauen und Männer oft zu den finanziell am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen zählen und nur geringe oder gar keine Möglichkeiten haben, eine Hochschulbildung zu beginnen.

Das soll und muss sich ändern!

Gemeinsam mit dem UNHCR haben wir uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Anteil von Flüchtlingen, die Zugang zur Hochschule erhalten, mit Hilfe des Flüchtlingsstipendienprogramms DAFI bis zum Jahr 2030 weltweit von 5 auf 15 Prozent zu erhöhen.

Das können wir jedoch nur mit der großzügigen Unterstützung unserer Spender erreichen. Daher bitten wir Sie:

Helfen Sie uns mit Ihrer Spende!      Jetzt spenden & Leben verändern

Wollen Sie noch mehr über "Aiming Higher" erfahren und Stipendiat*innen persönlich kennenlernen? Dann schauen Sie doch einmal in die Aufzeichnung unseres ersten Online-Events der "Class of 2025"

Chelia musste aus dem Südsudan fliehen und ist heute DAFI-Stipendiatin. Sie studiert Katastrophen- und Konfliktmanagement sowie Humanitäre Hilfe an der Masinde Muliro University in Kenia.

„Als ich die Zusage für das Stipendium bekam, war ich sehr glücklich, weil ich mir endlich einen Traum erfüllen konnte. Ich habe immer davon geträumt, die Universität besuchen zu können, aber ich hatte nie genug Geld. Das Stipendium ist ein Segen. Es bringt mich über das hinaus, was ich mir bislang vorstellen konnte. Ich weiß, dass ich mein Bestes geben werde. Es gibt viele Herausforderungen, aber ich lasse sie nicht zu Hindernissen werden.“

 

Ein DAFI-Stipendium wirkt ein Leben lang

  • Cairo ist ein erfolgreicher DAFI-Absolvent. Heute bildet Cairo Lehrer in Ruanda aus.
    © UNHCR/Antoine Tardy

    Cairo ist ein erfolgreicher DAFI-Absolvent. Heute bildet Cairo Lehrer in Ruanda aus.

  • Die ehemalige DAFI-Stipendiatin Yvonne musste als Kind ihre Heimat Ruanda verlassen. Heute arbeitet sie als Managerin einer Baufirma im Senegal.
    © UNHCR/Antoine Tardy

    Die ehemalige DAFI-Stipendiatin Yvonne musste als Kind ihre Heimat Ruanda verlassen. Heute arbeitet sie als Managerin einer Baufirma im Senegal.

  • Baraa, Rahaf, Sareya, Ammar und Wissam (von links nach rechts) haben ganz unterschiedliche Lebensgeschichten. Was sie vereint ist die Flucht aus Syrien und dass sie als DAFI-Stipendiaten im Libanon eine neue Chance für die Zukunft haben.
    © UNHCR/Antoine Tardy

    Baraa, Rahaf, Sareya, Ammar und Wissam (von links nach rechts) haben ganz unterschiedliche Lebensgeschichten. Was sie vereint ist die Flucht aus Syrien und dass sie als DAFI-Stipendiaten im Libanon eine neue Chance für die Zukunft haben.

  • Walaa kommt aus Syrien. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das DAFI-Stipendienprogramm ermöglicht ihr im Exil im Libanon Arabische Literatur zu studieren.
    © UNHCR/Antoine Tardy

    Walaa kommt aus Syrien. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das DAFI-Stipendienprogramm ermöglicht ihr im Exil im Libanon Arabische Literatur zu studieren.

  • Die Burunder Dieudonné, Evariste, André, Florenz, Cyriaque, Christian und Jean-Claude (von links nach rechts) sind DAFI-Stipendiaten aus dem Flüchtlingslager Mahama in Ruanda.
    © UNHCR/Antoine Tardy

    Die Burunder Dieudonné, Evariste, André, Florenz, Cyriaque, Christian und Jean-Claude (von links nach rechts) sind DAFI-Stipendiaten aus dem Flüchtlingslager Mahama in Ruanda.

Das DAFI-Stipendienprogramm auf einen Blick

Was leistet das DAFI-Stipendienprogramm?

Das Flüchtlingsstipendienprogramm (DAFI) des UNHCR unterstützt Flüchtlingsstudenten auf der ganzen Welt durch Vollstipendien für ein Grundstudium im Asylland. Die Stipendien bauen die akademischen Leistungen für junge Geflüchtete aus. Sie werden mit zusätzlichen Angeboten wie Monitoring, akademischen Vorbereitungs- und Sprachkursen sowie Networking-Möglichkeiten unterstützt.

Das Stipendium finanziert Studiengebühren und mit dem Studium verbundene Aufwendungen wie Lebenshaltungskosten, gesundheitliche Bedarfe, Fahrtkosten, Kleidung und Bücher.

Das Programm unterstützt ausschließlich die Immatrikulation an national akkreditierten Hochschulen und ermöglicht, einen Bachelor-Abschluss zu absolvieren.

 

Was sind die wichtigsten Ziele?

Ziel ist es, die Eigenständigkeit von Flüchtlingen durch den Erwerb akademischer Qualifikationen zu fördern und jene Kenntnisse und Fähigkeiten zu entwickeln, die die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt bzw. die Freiberuflichkeit verbessern.

Studierende werden befähigt, während der Flucht und bei der Rückkehr eine Führungsrolle in den Aufnahmegemeinschaften einzubringen.

Das Programm fördert lebenslanges Lernen und schafft Flüchtlingskindern und -jugendlichen Vorbilder, die die positiven Auswirkungen von Bildung auf Einzelpersonen, Gemeinschaften und Gesellschaften aufzeigen.

Der Anteil weiblicher studierender Flüchtlinge soll kontinuierlich von 40 % auf 50 % erhöht werden.

 

Wer kann sich bewerben?

Potenzielle Stipendiaten wenden sich an das lokale UNHCR-Büro, um Informationen zu Bewerbungsfristen und Auswahlverfahren zu erhalten. In den meisten Ländern müssen die Bewerber nachweisen, dass sie die Sekundarstufe abgeschlossen haben und eine Hochschulausbildung in der Unterrichtssprache absolvieren können. Jede Bewerbung wird sorgfältig geprüft und der Fortschritt der Schüler begleitet.
Zu den Kriterien für die Auswahl neuer Studierenden gehören ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis sowie die Berücksichtigung besonderer Herausforderungen, wie beispielsweise eine junge Mutterschaft oder das Vorhandensein eines Handicaps.

Das Stipendium wird jeweils dem Mitglied einer Familie gewährt, da das Programm sicherstellen soll, dass die Vorteile des Hochschulprogramms so vielen Flüchtlingsfamilien wie möglich zugänglich sind. Ausnahmen können gemacht werden, wenn eine weibliche Bewerberin durch diese Regel benachteiligt würde und das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern anderweitig nicht erreicht werden kann.
Aufgrund der begrenzten Mittel können nur wenige Studierende ausgewählt werden, obwohl viele Jugendliche für diese Stipendien infrage kommen.

 

Wie hoch ist ein DAFI-Stipendium?

Das UNHCR-Flüchtlingsstipendium ist eines der kostengünstigsten Stipendienprogramme speziell für Flüchtlinge. Die durchschnittlichen jährlichen Studiengebühren an einer öffentlichen Universität betragen beispielsweise in den USA 8.178 Euro, während es in einer private Einrichtung schon 29.624 Euro pro Jahr kostet.

Im Vergleich dazu wird ein UNHCR-Flüchtlingsstipendium mit durchschnittlich 2.700 Euro pro Jahr unterstützt - einschließlich eines Zuschusses, um sicherzustellen, dass Flüchtlingsstudierende Unterkunft, Verpflegung sowie eine Reihe von Unterstützungsdiensten erhalten.

 

Woher kommen die Studierenden? Wo und was studieren sie?

Ein Großteil der Stipendien ging an Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Südsudan, Somalia und der Demokratischen Republik Kongo.

Im Jahr 2020 studierten von weltweit gesamt 7.344 Studierenden die meisten in Äthiopien, gefolgt von der Türkei, Kenia, Pakistan und Jordanien. Zahlreiche Länder sollen in das Programm nach sorgfältiger Prüfung neu aufgenommen werden.

Studierende, die im Hochschulprogramm des UNHCR eingeschrieben sind, können ihre Studienrichtung für bis zu vier Jahre frei wählen.

Im Jahr 2020 lag Medizin und Gesundheitswesen an erster Stelle, gefolgt von Handels- und Wirtschaftswissenschaften, Sozial- und Verhaltenswissenschaften, der Ingenieurwissenschaft sowie Mathematik und Informationstechnologie.

Wie ist das Programms finanziert?

Die Finanzierung erfolgt durch Regierungen wie dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland, Partnerorganisationen sowie durch Spenden aus der Wirtschaft und von philanthropisch engagierten Bürgerinnen und Bürgern.

Das aktuell benötigte Budget während des Kampagnenzeitraums 2021 – 2023 beträgt 63,3 Millionen Euro. Die privaten und staatlichen Finanzierungsbeiträge für diesen Zeitraum belaufen sich derzeit auf 43,9 Millionen Euro (Stand August 2021).

Bis Ende 2023 müssen weitere 19.4 Millionen Euro gesammelt werden, um zusätzlich 1.800 Studierende für 4 Studienjahre zu unterstützen.

 

Wie misst sich der Erfolg des Programms?

Der Erfolg des UNHCR-Flüchtlingsstipendiums wird grundsätzlich an der Zahl der Absolventen und der Abbruchrate gemessen.

Aufgrund der Tatsache, dass das Recht auf Arbeit in vielen Aufnahmeländern für Flüchtlinge stark eingeschränkt ist, wird das Programm zusätzlich gemessen an:

  • Engagement der Stipendiat*innen in der Freiwilligen- und Entwicklungsarbeit in der Gemeinde
  • Kontaktaufnahme mit jüngeren Stipendiaten
  • Innehaben von Führungspositionen in der Gemeinde
  • weiteren Bildungsmaßnahmen über den Bachelor hinaus
     

Wo der Zugang zum Arbeitsmarkt möglich ist, ist auch der Übergang ins Erwerbsleben ein Erfolgsindikator.

Das Flüchtlingsstipendienprogramm hat seit seinem Beginn im Jahr 1992 über 18.500 Flüchtlingsstudenten in über 50 Ländern gefördert. Die Abbruchrate liegt derzeit bei nur zwei Prozent.

 

Gelingt nach Abschluss der Übergang ins Berufsleben?

Der Übergang ins Erwerbsleben bleibt eine große Herausforderung für geflüchtete Hochschulabsolventen, die häufig mit eingeschränktem Zugang zu formellen Beschäftigungsverhältnissen konfrontiert sind bzw. in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit leben.

Das Flüchtlingsstipendienprogramm des UNHCR zielt darauf ab, die Vorbereitung und Beschäftigungsfähigkeit von Studierenden zu verbessern, um nach ihrem Abschluss in den Arbeitsmarkt eintreten zu können. Dazu gehören Berufsvorbereitungstrainings, Qualifizierungsmaßnahmen, Praktika, Mentoring sowie Freiwilligen- und Networking-Angebote.

Von den über 18.500 jungen Flüchtlingsfrauen und -männern, die über das UNHCR-Flüchtlingsstipendienprogramm ein Grundstudium aufgenommen haben, hat die Mehrheit ihre Hochschulbildung und -ausbildung genutzt, um einen Beitrag für die Aufnahmeländer bzw., nach ihrer Rückkehr, ihre Heimatländer zu leisten.

 

Warum ist Albert Einstein Namensgeber?

Jeder kennt sein Gesicht. Er gilt als einer der bedeutendsten Physiker der Vergangenheit. Seine Relativitätstheorie machte ihn weltberühmt. Doch wer weiß, dass Albert Einstein ein Flüchtling war? Und Namensgeber einer erfolgreichen Flüchtlingsinitiative?

Albert Einstein gilt als genialer Forscher. Doch er setzte seine Bekanntheit auch für Menschenrechte und Frieden ein. Unter Hitler wurden seine Bücher verbrannt. Denn Albert Einstein war Jude. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten flüchtete er aus Deutschland und lebte bis zu seinem Tode im Exil in Amerika.

Sein Schicksal machte ihn zum Namensgeber einer Initiative, die die deutsche Bundesregierung 1992 ins Leben rief: die Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative Albert Einstein – heute kurz DAFI genannt.

Dafi Studenten  RF2150807_DAFI-Senegal_Antoine_Tardy.jpg