Auffanglager in Krakau
© UNHCR/A.Liminowicz

Flüchtlinge in Polen

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Warten auf den Frieden im Exil

Als russische Truppen im März 2022 in die Ukraine einmarschierten, flohen über 8,3 Millionen Menschen über die Grenze nach Polen. Polen wurde so innerhalb weniger Wochen von einem Land, das relativ wenige Flüchtlinge aufnahm, zu einem der wichtigsten Flüchtlingsaufnahmeländern. Mit über 1,5 Millionen Flüchtlingen, die sich in Polen für vorrübergehenden Schutz registriert haben, ist es nach wie vor das Hauptzielland für Geflüchtete aus der Ukraine.

Großzügige Aufnahme

Die polnische Bevölkerung und die Behörden haben die Flüchtlinge aus der Ukraine außerordentlich großzügig aufgenommen. Polen verfügt über eine lebendige Zivilgesellschaft und hat eine lange Tradition der Freiwilligenarbeit. Seit Beginn des Flüchtlingsstroms aus der Ukraine haben zivilgesellschaftliche Akteure, nationale NGOs, ukrainische Flüchtlingsorganisationen und zahllose Freiwillige aus allen Teilen der Gesellschaft sich an vorderster Front engagiert, um die zur Flucht gezwungenen Menschen mit lebenswichtiger humanitärer Hilfe zu versorgen.

Flüchtlinge aus der Ukraine erhalten in Polen einen legalen Aufenthalt, Zugang zu Beschäftigung, Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen Sozialleistungen. Im Juli 2022 führte die polnische Regierung die "erste vollständig digitale Aufenthaltserlaubnis" für ukrainische Flüchtlinge ein. Dieses elektronische Dokument wird ukrainischen Staatsbürgern ausgestellt, die die polnisch-ukrainische Grenze am oder nach dem 24. Februar 2022 überschritten haben und erlaubt ihnen, die polnischen Grenzen zu überschreiten und sich frei im Schengen-Raum zu bewegen (sofern sie ein gültiges Reisedokument besitzen).

Icon Schule

Bildung

191.000

Kinder aus der Ukraine gehen in polnische Schulen

Schutz Icon

Schutz

1,5 Mio.

ukrainische Flüchtlinge sind registriert

Frauen

Besondere Hilfen

85 %

der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder

Mehrheit der ukrainischen Flüchtlinge weiblich

Die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine sind Frauen und Kinder, die häufig von ihren in der Ukraine verbliebenen Ehemännern und Vätern getrennt sind.  Dazu kommen ältere Menschen, die allein reisen oder sich um Kinder kümmern, Menschen mit Behinderungen und unbegleitete Kinder, einschließlich solcher aus staatlichen Betreuungseinrichtungen.

Da diese Gruppe so groß ist, sind die Schutzrisiken für Neuankömmlinge überdurchschnittlich hoch. Diese Risiken sind vor allem Menschenhandel, geschlechtsspezifische Gewalt, einschließlich sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs sowie das hohe Maß an konfliktbedingter psychosozialer Belastung durch die Trennung von Familien.

Alles ist gut, sie geben uns zu Essen, sie bringen uns Geschenke, wir haben alles. Aber ich kann es nicht erwarten nach Hause zu gehen."

Valentina ist 83 Jahre alt. Sie floh mit ihrer Tocher und Enkelin im Mätz 2022 aus Krmatorsk im Osten der Ukraine, das schwer bombardiert wurde. Sie lebt in einem Hostel und teilt sich den Raum mit 30 anderen Flüchtlingen.

Hilfe, die ankommt

In Reaktion auf die große Zahl von Flüchtlingen mit besonderen Bedürfnissen, haben der UNHCR gemeinsam mit UNICEF mehrere sogenannte „Blue Dots“ in Polen eingerichtet. Blue Dots sind Anlaufstellen, in denen insbesondere Kinder, Frauen und besonders schutzbedürftige Flüchtlinge Schutz, Erstversorgung sowie Informationen erhalten. Über 55.700 Menschen erhielten in diesen Anlaufstellen bis Dezember 2022 gezielte Hilfe.

Fast jeder zehnte Flüchtling, der sich an die Blue Dots wendet, hat Fragen zur psychischen Gesundheit und zu psychosozialen Diensten."

Inna, Psychologin in einem Blue Dot 

Inna arbeitet als Psychologin in einem Blue Dot in Warschau. Dort bietet sie Stressabbau-Sitzungen und Erdungsübungen für Frauen sowie individuelle Beratungsgespräche und Kunsttherapie-Gruppen an.

Sie weiss, wie es den Flüchtlinge geht, denn auch sie musste ihr Haus in der Hauptstadt Kiew wenige Wochen nach Beginn des Krieges im Februar verlassen.

"Zu gehen war eine der schwierigsten Entscheidungen, die ich je getroffen habe", sagt sie.

Situation an der Grenze zu Belarus

Während sich Polen gegenüber Flüchtenden aus der Ukraine hilfsbereit und offen zeigt, sterben an der polnisch-belarussischen Grenze, laut Medienberichten von Ende 2022, weiterhin Menschen, die versuchen über diese Grenze nach Europa zu gelangen.

Zum Hintergrund
Im Sommer 2021 animierte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko Flüchtlinge aus aller Welt, über Belarus nach Polen und schließlich in die EU zu gelangen. Er wollte Druck auf die EU-Mitgliedstaaten ausüben, damit diese die Sanktionen gegen Belarus wegen des brutalen Vorgehens gegen Demonstranten vor und nach den Präsidentschaftswahlen 2020 lockern.

Bei ihrer Ankunft im Grenzgebiet wurden die Menschen jedoch ohne Unterkunft, Nahrung, Wasser oder medizinische Versorgung zurückgelassen. Sie wurden von belarussischen Sicherheitskräften gewaltsam über die Grenze nach Polen gedrängt. Aber auch von polnischen Grenzbehörden wurden Flüchtlinge misshandelt sowie illegal und gewaltsam zurück nach Belarus geschickt. Die polnische Regierung errichtete einen Grenzzaun, um die Flüchtlinge und Migrant*innen an der Einreise ins Land zu hindern. Diejenigen, die in Polen erfolgreich einen Asylantrag gestellt haben, darunter auch Familien mit Kindern, werden in Gewahrsam genommen, bis das Asylverfahren abgeschlossen ist.

Humanitäre Hilfe in Zahlen

(Bis zum 15. Dezember 2022)

Mehr als 290.000 Flüchtlinge wurden durch das gezielte Bargeldprogramm unterstützt.

 26.263 Anrufe sind über die Beratungshotline eingegangen und bearbeitet wurden.

1.073.289 lebenswichtige Hilfsgüter wurden an Behörden und Partner geliefert.

Wie hilft der UNHCR?

Der UNHCR setzt sich in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium, dem Grenzschutz, dem Ausländeramt und anderen zuständigen Behörden sowie der Zivilgesellschaft für einen effektiven Zugang zu Territorium und Asyl, für faire und effiziente Asylverfahren und für die Ausstellung von Dokumenten für Asylbewerber, Flüchtlinge, Staatenlose und von Staatenlosigkeit bedrohte Personen ein.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, in folge dessen Millionen Menschen über die Grenze nach Polen flüchteten, sind Mitarbeiter*innen des UNHCR vor Ort und

  • arbeiten in 6 "Blue Dots", um besonders gefährdete Personengruppen, wie Kinder, ältere und kranke Flüchtlinge zu unterstützen.
  • informieren Neuankömmlinge in Aufnahmezentren und über eine Hotline.
  • unterstützen die von der Regierung geleiteten Hilfsmaßnahmen in unterschiedlichen Bereichen, etwa durch Bargeldhilfe, Notversorgung und Unterbringung.
  • liefern Hilfsgüter in die Ukraine. Bis Dezember 2022 wurden mehr als eine Million Hilfsgüter an Behörden und Partner in der Ukraine versendet.
Frau erhält Hilfsgüter

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