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Überlebenskampf inmitten der Rekorddürre

Die dramatischen Folgen der Klimakrise und des Kriegs in der Ukraine treffen die Menschen am Horn von Afrika mit voller Wucht. Darunter leiden besonders Flüchtlinge und Binnenvertriebene, aber auch die Menschen, die sie aufgenommen haben.

Ardo kommt aus ihrem Unterschlupf, als sie einen Lastwagen hört. Mehrere Tage mussten sie und ihr Vieh ohne Wasser ausharren, nun können sie die lang ersehnte Ration in Empfang nehmen. Auf der verzweifelten Suche nach Wasser hat die vierfache Mutter rund 260 Kilometer von ihrem Heimatdorf Kabtinag bis nach Kebribeyah in der äthiopischen Region Somali zurückgelegt, fast die gesamte Dorfgemeinschaft musste es ihr gleichtun. Jetzt lebt Ardo mit rund 500 vertriebenen Familien in der provisorischen Mara-gaajo-Siedlung für Binnenvertriebene.

Wir nennen sie „die Unsichtbare“.

Äthiopien und weitere Regionen am Horn von Afrika erleben aktuell eine der schwersten Dürreperioden der letzten 40 Jahre. Die verheerenden Auswirkungen der globalen Klimakrise zeigen sich hier in aller Deutlichkeit: Seit Ende 2020 sind vier Regenzeiten in Folge ausgeblieben. Dadurch sind Wasserquellen versiegt, Ernten verdorrt, Vieh ist verendet. Die Menschen verlieren ihre Lebensgrundlage und können sich nicht mehr selbst versorgen.

„Wir haben noch nie eine Dürre wie diese erlebt, sie hat alle getroffen. Wir nennen sie ‚die Unsichtbare‘“, erzählt Ardo. Wie die Binnenvertriebenen, die jetzt in Mara-gaajo leben, begab sich auch Ardo auf einen riskanten und anstrengenden Weg, um Wasser und Weideland für ihr Vieh zu finden. „Unsere Tiere haben furchtbar gelitten“, erzählt sie. „Niemand war bereit, unser Vieh zu kaufen, da es extrem schwach war.“

Die globalen wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges spitzen die Notlage in der Region weiter zu: Die Krise treibt weltweit die Preise für Lebensmittel und Rohstoffe in die Höhe, insbesondere Getreide ist deutlich teurer geworden. Nun drohen auch Kürzungen der Lebensmittelrationen für Flüchtlinge, da die Finanzierung der humanitären Hilfe nicht mit dem rasant wachsenden Bedarf Schritt halten kann. Das verschärft die ohnehin schon bedrohliche Nahrungsmittelknappheit: Am Horn von Afrika leiden schätzungsweise 18,4 Millionen Menschen an akutem Hunger.

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Thumbnail Dürre am Horn von Afrika

 

Abdullahi Gedi ist wie Ardo ebenfalls aus Kebribeyah nach Mara-gaajo vertrieben worden. Vor der Flucht sammelte der 55-jährige Viehzüchter seine Rinder, Ziegen und Schafe ein. Die trockenen Bedingungen entlang der Route waren jedoch zu viel für seine Tiere, und nicht einmal die Hälfte schaffte es bis zum Binnenvertriebenenlager Babacada El-Bahay in Jijiga, wo er derzeit lebt. „Bis auf diese drei sind alle meine Kühe gestorben", sagt er und zeigt auf das abgemagerte Vieh neben ihm. „Früher hatte ich auch 445 Ziegen und Schafe, aber jetzt habe ich nur noch 190", fügt er hinzu.

Ich weiß nicht, was mit ihnen und den anderen aus meinem Dorf geschehen ist, die geblieben sind.

Angesichts der langen und ungewissen Reise mit wenig Nahrung und Wasser war Abdullahi gezwungen, seine Frau und sieben Kinder im Dorf zurückzulassen. In den 100 Tagen seit seiner Ankunft in der Siedlung der Binnenvertriebenen hat er nichts von seiner Familie gehört. „Ich weiß nicht, was mit ihnen und den anderen aus meinem Dorf geschehen ist, die geblieben sind: Kinder, Frauen, Alte und andere schutzbedürftige Menschen.“

Trotz der gefährlichen Reise wurde Abdullahi – wie viele andere Binnenvertriebene, die an verschiedenen Orten in der Region Somali untergebracht sind – nach Angaben des UNHCR von der örtlichen Gemeinschaft großzügig aufgenommen, obwohl sie selbst mit den Auswirkungen der Dürre zu kämpfen haben. Die Landwirt*innen, die die geflüchteten Hirt*innen aufnahmen, teilen ihr begrenztes Weideland mit den Binnenvertriebenen.

Seit September 2021 arbeitet der UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, mit lokalen Gemeinschaften, regionalen Katastrophenschutzbüros und anderen Partner*innen in Äthiopien zusammen, um mehr als 7.200 von der Dürre betroffene Haushalte in verschiedenen Binnenvertriebenenlagern und Aufnahmegemeinschaften mit Wasser, Unterkünften, warmer Kleidung und Haushaltsgegenständen zu versorgen.

„Das drängendste Problem ist der Mangel an Wasser und ein effektives Wassermanagement“, sagt Abdullahi Sheik Barrie, Mitarbeiter des UNHCR-Büros in Jijiga. „Die Hilfe, die wir bisher leisten konnten, reicht bei weitem nicht aus, um den Überlebensbedarf der betroffenen Menschen zu decken. Gemeinsam mit den Behörden und Partnern werden wir weiterhin dafür sorgen, dass die Vertriebenen mit Wasser, Unterkünften und grundlegenden Hilfsgütern versorgt werden und denjenigen, die mit ihrem Vieh in ihre Heimat zurückkehren wollen, Transportmöglichkeiten bieten.“

Das drängendste Problem ist der Mangel an Wasser und ein effektives Wassermanagement.

Etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge, Binnenvertriebene und auch Menschen, die sie aufgenommen haben, sind von der Dürre am Horn von Afrika betroffen. Dazu zählen neben Äthiopien ebenso Kenia und Somalia. Da sich die Dürre verschlimmert, steigt der Bedarf der Menschen weiter an. Damit sie die dringend benötigte lebensrettende Hilfe und Schutz brauchen, bittet der UNHCR um 42,6 Millionen US Dollar.

Damit soll bis Ende des Jahres der dringendste Bedarf an humanitärer Hilfe in den Siedlungen für Flüchtlinge und Binnenvertriebene gedeckt werden. Neben Unterstützung in den Bereichen Wasser, sanitären Einrichtungen, Ernährung, Gesundheitsversorgung und Schutz sollen die Bedürftigsten zudem Bargeldhilfe erhalten. Eine weitere wichtige Maßnahme richtet sich speziell an Frauen, Mädchen und Kinder, einschließlich der Bereitstellung von Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt.

Die Dürre am Horn von Afrika verschlimmert die Situation in der Region von Tag zu Tag. Sie können den Menschen mit einer Spende helfen.

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