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Die vergessenen 4%

Anlässlich des UN-Tages der älteren Menschen rücken wir ein Thema in den Fokus, das oft in Vergessenheit gerät: die Situation von älteren Geflüchteten

Afghanischer Flüchtling Hamesha, 66 Jahre alt

1990 wurde von der UN der internationale „Tag der älteren Menschen“ ins Leben gerufen, der seitdem jedes Jahr am 01. Oktober stattfindet. Anlässlich dieses Tages soll es bei uns auf dem Blog heute um zwei ganz bestimmte Zahlen gehen: 12 und 4.

Was verbirgt sich dahinter?

Ältere Menschen, also alle, die 60 Jahre oder älter sind, machen aktuell 12% der Gesamtbevölkerung aus. Doch bei den fast 80 Millionen geflüchteten Menschen liegt der Anteil nur bei 4%.

Diese Diskrepanz, diese 8% Unterschied, lassen nur erahnen, welche Schicksale sich hinter dieser Zahl verbergen. Wenn Menschen zur Flucht gezwungen sind, sind es oft ältere Menschen, eben jene 8%, die zurückbleiben. Sie bleiben in ihrer Heimat, weil sie keine Kraft mehr haben oder ihre Familie nicht belasten wollen. Viele hegen trotz der Notlage den Wunsch, in ihrer Heimat zu sterben.  

Ihre Geschichten können wir leider nicht erzählen. Ihnen können wir keine Gesichter geben. Sie bleiben für uns namenlos, leben nur in der Erinnerung ihrer Angehörigen und Freunde weiter.

Um trotzdem einen Eindruck davon zu bekommen, welchen besonderen Herausforderungen sich ältere Menschen auf der Flucht stellen, möchten wir unser Augenmerk heute auf diese 4% legen. Wir möchten heute einige von diesen mutigen älteren Geflüchteten vorstellen. Sie stehen für Widerstandsfähigkeit und zeigen, dass ältere Menschen eine wichtige Rolle für das Leben in der Gemeinschaft spielen.

Oft empfinden sich ältere Geflüchtete als Belastung für ihr Umfeld. Dabei können sie für ihre Familien eine große Entlastung und Unterstützung darstellen: Ältere Menschen können in Fluchtsituationen anderen mit ihrem Know-How und ihrer Erfahrung beistehen - zum Beispiel mit dem Wissen über (Alternativ-) Medizin oder Ernährung.

Auch ihre Widerstandsfähigkeit und ihre traditionelle Stellung in Gemeinschaften können für Zusammenhalt und einen positiven Austausch mit anderen Gemeinschaften, etwa mit der lokalen Bevölkerung, sorgen. Außerdem können sie auch als „Kulturmittler“ wirken, wenn sie kulturelle Praktiken und Traditionen behüten und so auch innerhalb der geflohenen Gemeinschaft im Aufnahmeland erhalten können.

Wir möchten sieben von ihnen vorstellen:


Soverinah, 77, Uganda: Soverinah musste aus der DR Kongo nach Uganda fliehen. Sie ist 77 Jahre alt, arbeitet aber immer noch für ihren Lebensunterhalt. Sie hatte 7 Kinder, von denen sechs bei den gewaltvollen Zusammenstößen in der DR Kongo getötet wurden. Sie floh mit ihrer Tochter nach Uganda. Inzwischen lebt sie allein in der Flüchtlingssiedlung Rwamwanja. Sie lebt davon, traditionelle kongolesische Matten aus getrockneten Palmblättern zu weben und zu verkaufen.


Hamesha Gul, 66, Pakistan: "Ich bin vor 40 Jahren von Kundus nach Pakistan gekommen. Ich möchte zurückkehren, aber es wird immer noch gekämpft. Das ist jetzt meine Heimat."

Der afghanische Flüchtling Hamesha Gul, 66, steht in einer Türöffnung in Islamabad, Pakistan, in der rund 3.000 afghanische Flüchtlinge leben. Seit mehr als 40 Jahren sind die Afghanen vor Gewalt, Krieg, Konflikten und Naturkatastrophen geflohen. Etwa 4,6 Millionen Afghanen leben immer noch außerhalb des Landes.


Yaze, 60, Jordanien: "Zwei Olivenbäume, zwei Hühner und etwas Platz zum Pflanzen von Gemüse. Das würde mir reichen. Und um meinen Sohn wiederzusehen."

Yaze, eine 60-jährige syrische Geflüchtete aus Raqaa, sitzt zu Hause in Amman, Jordanien. Sie lebt allein in einer Einzimmerwohnung auf dem Dach, ohne Strom, ohne Kühlschrank und ohne fließendes Wasser. Seit ihrer Flucht aus Syrien hat sie keinen Kontakt zu ihrem Sohn, ihrem einzigen lebenden Verwandten. Yaze ist auf die finanzielle Unterstützung des UNHCR angewiesen, um ihre Miete zu bezahlen.


Agatha, 104, Uganda: Agatha Tibakiraya ist schon 104 Jahre alt. Sie floh aus der Demokratischen Republik Kongo nach Uganda. Dort ist sie in ihrem Dorf ein respektiertes Mitglied der Kreditgemeinschaft Solo Effort. Die Gemeinschaft vergibt Kleinkredite, damit sich die Bauern im Dorf weiterbilden und Erwachsene Lesen und Schreiben lernen.


Jalal, 62, Jordanien: "Sie markierten unser Haus, um zu signalisieren, dass dort Christen leben, und gaben uns drei Tage Zeit, das Haus zu verlassen.

Der irakische Flüchtling Jalal kümmert sich zu Hause in Amman, Jordanien, um seine Vögel. Da er aufgrund seines Darmkrebses und Diabetes als Risikopatient eingestuft wurde, hat er sich zu Hause selbst isoliert.

Jalal floh 2017 zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen Amaar, 26, und Samer, 24, aus dem ISIS-kontrollierten Mosul nach Jordanien. Langsam begannen sie, ihr Leben wieder aufzubauen. Doch im vergangenen Jahr wurde bei Jalal Darmkrebs diagnostiziert, was das Leben für die Familie besonders schwierig machte.


 

Mehr zu Thema ältere Geflüchtete finden Sie hier.

 

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