Valentino aus dem Sudan

Ehemaliges Flüchtlingskind baut Schulen in der Heimat

Valentino Achak Deng bei einer UNHCR-Veranstaltung
Valentino Achak Deng bei einer UNHCR-Veranstaltung (Foto: UNHCR)

Valentino Achak Deng verlor seine Familie und floh zu Fuß mit einer Gruppe Jungen als sein Dorf während des sudanesischen Bürgerkriegs angegriffen wurde. Schließlich fanden sie Sicherheit in Flüchtlingslagern in Äthiopien und Kenia. Die Gruppe wurde bekannt unter dem Namen "Die verlorenen Jungen von Sudan" und bekamen 2001 die Chance in die Vereinigten Staaten von Amerika auszuwandern.

Valentinos Geschichte über sein schweres Leben als Flüchtling im Flüchtlingslager Kakuma und nach seiner Ankunft in den USA sind in der Bestseller-Biographie "What is the What" dokumentiert.

UNHCR-Mitarbeiter Tim Irwin hat mit Valentino in Nairobi gesprochen. Dies sind Auszüge aus dem Interview:

Im Flüchtlingslager Kakuma hast Du fast 10 Jahre gelebt. Wie war das?

Das Leben dort hatte viele schmerzliche Seiten. Als aller erstes, hatte ich keine Familie in Kakuma. Meine Familie war die Flüchtlingsgemeinschaft und UNHCR, die das Lager managen. Aber ich hatte viele Freunde; Sudanesen, Äthiopier, Ruander, Kenianische Helfer und Flüchtlinge aus vielen anderen Ländern.

Kakuma von der UN geschützt. Es gab immer wieder lokale Banditen, die das Lager angriffen und Menschen töteten, aber es war lange nicht so schlimm wie die Situation, vor der ich im Sudan geflohen war.

In Kakuma ging ich das erste mal zur Schule. UNHCR unterstützte mehr als 21 Grundschulen und drei weiterführende Schulen – davon habe ich profitiert. Ich habe auch von den Freizeitaktivitäten profitiert, die die UN anbot. So wurde ich ein Gemeindeleiter im Flüchtlingslager.

Welchen Herausforderungen musstest Du Dich in den USA zuerst stellen?

Am Anfang war die Anpassung die größte Herausforderung. Nachdem ich jahrelang von UN-Hilfe im Flüchtlingslager Kakuma gelebt hatte, musste ich jetzt meine Miete zahlen, mein Essen kaufen und einen Job finden.

Mit meinem ersten Job, verdiente ich nicht genug,um alle Unkosten zu decken. Obwohl ich dachte, dass ich eine riesige Menge Geld verdiente, verglichen mit dem, was ich in Kakuma hatte.

Ich machte mir Sorgen: Werde ich obdachlos? Wie soll ich meine Ausbildung bezahlen?

Warum wolltest Du Deine Geschichte erzählen und wie hast Du Dave Eggers getroffen?

Ich hatte nicht die Absicht meine Geschichte zu erzählen. Ich war ein Flüchtling und ging in Atlanta zur Lost Boys Stiftung. Dort gab es ein Programm, in dem Flüchtlinge ein Training bekamen, um vor Publikum zu sprechen – in Schulen, in Colleges und in Universitäten. Weil ich dies schon in Kakuma gemacht hatte, machte ich mit. Mir wurde klar, dass es notwendig war, Menschen zu erzählen, was im Sudan passierte.

Manchmal sprach ich vor Schülern einer lokalen Schule. Aber ich wollte mehr tun; ich wollte meine Geschichte in einem Buch erzählen. Darum fragte ich Mary Williams, die Gründerin der Lost Boys Stiftung, ob sie nicht einen Autor kennen würde, der meine Biographie schreiben könnte. Sie empfahl mir Dave und wir begannen mit der Arbeit.

Hast Du mit Flüchtlingen gesprochen, die in den Südsudan zurückgekehrt sind?

Ja, es gibt viele Menschen aus Kakuma, die in mein Dorf und ihr Land zurückgegangen sind. Sie sind froh zurück zu sein. Sie können sich jetzt darauf konzentrieren ihr Leben und ihre Häuser wieder aufzubauen. Es geht ihnen sehr gut. Sie haben neue Fertigkeiten aus den fremden Ländern mitgebracht. Viele ehemalige Flüchtlinge arbeiten nun mit der Regierung zusammen. Kakuma hat eine Generation von Südsudanesen hervorgebracht, die eventuell einmal die Führer des Südsudans werden können.

An welchem Projekt arbeitest Du im Moment?

Gemeinsam mit Dave Eggers - dem Autor von "What is What" - habe ich eine NGO gegründet. Wir wollten in der Lage sein, meinem Land etwas zurückzugeben. 2003, also nach 16 Jahren bin ich zum ersten Mal in mein Heimatdorf zurückgegangen, um meine Familie zu besuchen. Ich stellte fest, das ich nicht zu jenen gehörte, die der Bürgerkrieg in Sudan am Schlimmsten getroffen hatte.

Die größten Opfer des Bürgerkrieges waren die, die während des Konfliktes im Sudan geblieben waren. Ich wollte helfen. Also gründeten wir die Valentino Achak Deng- Stiftung und benutzten die Einnahmen aus dem Buch um eine Schule, eine Bücherrei und ein Gemeindezentrum zu bauen. Im Moment bauen wir einen Schulkomplex für die weiterführenden Stufen.