Besonders verletzlich

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Flüchtlingskinder aus Angola besteigen einen Bus. (Foto: UNHCR)

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) sind Kinder, meistens im Alter von 15-17 Jahren, die ohne eine erwachsene Begleitperson aus ihrer Heimat fliehen. Alleine müssen sie in ständiger Angst um ihr Leben, den gefährlichen Weg durch verschiedene Länder bewältigen.

Die UN-Kinderrechtskonvention schützt diese Kinder. Es ist das internationale Abkommen mit den meisten Mitgliedstaaten, doch seine Rechte bestehen für viele nur auf dem Papier.

Ganz natürliche Kinderbedürfnisse

Kinder und Jugendliche sind in allen möglichen Lebenslagen auf Unterstützung angewiesen. Es fehlt ihnen die Erfahrung,die sie brauchen, um die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Wichtig ist eine nahestehende Person, die ihnen den nötigen Beistand leisten kann.

Ohne eine Familie oder einen anderen Betreuer leben zu müssen und ganz auf sich allein gestellt zu sein, belastet Kinder oder Teenager sehr. UMF sind nicht nur einsam und verlassen, sondern auch mit dem Gefühl der absoluten Entwurzelung und den Strapazen der Flucht konfrontiert.

Wer lässt sein Kind allein?

Eltern wissen, was ihre Kinder brauchen, und dass sie auch als Teenager noch unterstützt werden müssen. Aber in den Krisengebieten der Welt herrschen dramatische Lebensbedingungen, die kaum jemand seinem Kind zumuten würde. Oft sind die Jüngeren auch Gefahren ausgesetzt, die Erwachsene nicht betreffen. Dazu zählen die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten oder die Angst der Mädchen vor einer Zwangsehe oder Beschneidung.

Viele Eltern investieren ihr gesamtes Erspartes in Schlepperbanden, die Jugendliche in europäische Länder und damit in ein besseres Leben bringen sollen.

Immer wieder Angst und Schrecken

Von einem besseren Leben können Flüchtlingskinder aber zunächst nur träumen. Die Flucht kann mehrere Jahren dauern, und auf dem beschwerlichen Weg ertragen sie nicht nur Kälte und Hunger. Viele müssen mit ansehen, wie andere Flüchtlinge sterben und haben selbst Angst um ihr Leben.

Es gibt Kinder, die noch zusammen mit ihren Eltern aufgebrochen sind, diese aber schon an der ersten Grenze verloren haben. Ohne den Tod geliebter Menschen verarbeiten zu können, müssen sie oft noch mehrere Länder durchqueren. Ständig besteht die Gefahr, an Menschenhändler zu geraten oder zurückgeschickt zu werden. Die Minderjährigen müssen allein zwischen Freund und Feind unterscheiden, ihr Alltag ist von Angst und Verzweiflung bestimmt.

Die Seele leidet

All diese schrecklichen Erfahrungen hinterlassen tiefe Spuren. Und gerade für junge Menschen ist es schwer, mit traumatischen Erlebnissen umzugehen. „Kinder neigen dazu, alles auf ihr eigenes Handeln zurückzuführen, sie fühlen sich für Dinge verantwortlich, die sie gar nicht beeinflussen können, und entwickeln schnell Schuldgefühle. Deshalb kann sich ein Trauma noch prägender auswirken“, erklärt die Psychologin Fjorda Kalleshi von der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum.