A1F8344D-6994-4DE4-8A05-02D38D995F92 Created with sketchtool. Spenden
Auf der Flucht vor Boko Haram
© UNHCR/Alexis Huguet

Kindersoldaten

Teilen

Sowohl Opfer als auch Täter

Kinder sind die Hauptleidenden in Kriegen. Insbesondere wenn sie als Soldaten rekrutiert werden und gezwungen sind, zu töten oder schreckliche Gewalttaten zu begehen. Kinder werden als „Kanonenfutter“ an die Front oder als lebende Bomben in den Tod geschickt. Das ist eine Verletzung der Kinderrechte und wird bei Kindern unter 15 Jahren als Kriegsverbrechen eingestuft. Kindersoldat*innen sind Opfer, die gezwungen werden zum Täter zu werden.

Laut des UN-Berichtes „Kinder und bewaffnete Konflikte“, der im Juni 2020 erschienen ist, wurden 2019 nachweislich 7.747 Kinder rekrutiert. Die Dunkelziffer liegt nach Schätzungen aber bei einer Gesamtzahl von 250.000 bis 300.000 Kindern in mehr als 50 verschiedenen Gruppen, von denen je nach Konflikt ungefähr 5% bis 20% Mädchen sind.

7.747
Kinder

wurden im Jahr 2019 rekrutiert

80
Prozent

der betroffenen Kinder sind Jungen

18
Jahre

ist das Mindestalter für eine Rekrutierung

In der Demokratischen Republik Kongo wurden 2019 nach UN-Angaben 601 Kinder rekrutiert von denen 30% unter 15 Jahre alt waren. Die Dunkelziffer liegt sicher weitaus höher.  Weitere, besonders betroffene Länder sind Somalia (1.495 Kinder), Syrien (820 Kinder), Jemen (686 Kinder) und der Südsudan (161 Kinder).

Der UNHCR setzt sich unter allen Umständen gegen die militärische Rekrutierung von Kindern ein. Flüchtlingskinder, die in instabilen Lebensumständen leben, sind besonders gefährdet, rekrutiert und missbraucht zu werden. Gleichzeitig gibt es ehemalige Kindersoldaten, die vor den erlebten Gräueltaten in ein besseres Leben flüchten oder geflüchtet sind und unter dem UNHCR-Mandat stehen.

Internationale Vereinbarungen

Die UN-Kinderrechtskonvention, die 1990 in Kraft trat, verpflichtet die Vertragsstaaten

  • alle durchführbaren Maßnahmen zu treffen, um sicherzustellen, dass von einem bewaffneten Konflikt betroffene Kinder geschützt und betreut werden und
  • sicherzustellen, dass Personen unter 15 Jahren nicht unmittelbar an Feindseligkeiten teilnehmen und nicht von ihren Streitkräften eingezogen werden.


► Das Zusatzprotokoll über die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten hebt das Mindestalter auf 18 Jahre an.

► Im sogenannten Rom-Statut des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag ist die Rekrutierung von unter 15-Jährigen als Kriegsverbrechen eingestuft und kann daher strafrechtlich verfolgt werden.

Red Hand Day

Der 12. Februar ist der Internationale Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten (auch „Red Hand Day“ genannt). Die "Rote Hand" als Protest wurde zum ersten Mal am 12. Februar 2002 eingesetzt, als das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention in Kraft trat. Dieser Tag ist seitdem ein weltweiter Aktionstag gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Ziel des Tages ist der Aufruf zu einem verstärkten Einsatz im Kampf gegen diese besonders schwerwiegende Form des Kindesmissbrauchs.

 

Der Kampf ums Überleben

Es gibt verschiedene Gründe, warum Kinder an Kampfhandlungen teilnehmen oder sich bewaffneten Gruppen anschließen. In den meisten Fällen werden sie von Erwachsenen dazu gezwungen und mit Drohungen oder durch Drogenkonsum gefügig gemacht. Kinder sind außerdem leichter durch religiöse oder ideologische Ideen zu beeinflussen und sind einfach zu manipulierende Arbeitskräfte.

Immer wieder werden Kinder aus ihren Schulen entführt oder aus ihren Dörfern verschleppt. Manche Kinder schließen sich den Gruppen aber auch freiwillig an, als letzte Chance um zu Überleben. Nicht selten rekrutieren bewaffnete Gruppen ihre Kämpfer aus Flüchtlingslagern. Im Exil oder Flüchtlingslagern leben Flüchtlingskinder oft in für sie aussichtslos erscheinenden Situationen; die Familien leben am Existenzminimum. Die bewaffneten Gruppen nutzen die Not von Kindern aus, denn ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft, scheint der Dienst an der Waffe als einfacher Weg der Armut zu entkommen.

Langfristige Folgen für die Betroffenen

Kindersoldat*innen werden zu Tätern, müssen Gewalttaten verüben und sogar töten. In erster Linie sind aber sie die Opfer, denn sie werden unvorstellbaren Gräueltaten und Leid ausgesetzt. Kinder werden nicht nur im Kampf eingesetzt, sondern auch als Boten, Späher oder Träger. Besonders Mädchen sind durch sexuelle Gewalt, Ausbeutung oder durch Zwangsverheiratung gefährdet.

Kindersoldat*innen sind nicht nur von körperlichen Verletzungen betroffen. Auch ihre Seele wird verletzt. Oft leiden sie an Traumata oder Depressionen. Außerdem sind sie oft mangel- oder unterernährt und dadurch anfällig für Krankheiten.

Nach einer Flucht, Befreiung oder Demobilisierung fällt die Integration in die Gesellschaft, den Betroffenen schwer oder sie werden aktiv von der Gemeinschaft ausgegrenzt. Es kommt zudem vor, dass Kindersoldat*innen von der einheimischen Polizei oder den gegnerischen bewaffneten Gruppen, festgenommen und inhaftiert werden.

Sie haben die Leute lebendig begraben, nur der Kopf guckte aus der Erde bis sie tot waren. Wenn Du etwas gesagt hast, oder um Gnade für jemand anderen gebeten hast, dann haben sie dich auch umgebracht.

Adia* war 13 Jahre alt, als sie von Boko Haram entführt wurde. Das Mädchen wurde mit einem der Kämpfer zwangsverheiratet. Schließlich gelang es ihr zu fliehen. Die 15-jährige lebt heute mit ihrem Baby in einem Vertriebenenlager in Diffa, Niger und versucht sich allein durchzuschlagen.

*Name geändert

Aufbruch in ein neues Leben

Präventiv setzt sich der UNHCR in enger Zusammenarbeit mit UNICEF dafür ein, dass alle Flüchtlingskinder die Möglichkeit bekommen, zur Schule zu gehen oder eine Ausbildung bekommen. Gleichzeitig sollen die Schulen und Schüler vor Angriffen und militärischen Rekrutierungen beschützt werden.

Um eine normale Kindheit ermöglichen zu können, unterstützt der UNHCR geflüchtete Kindersoldat*innen mit Therapien und speziellen Projekten in den Bereichen Wiedereingliederung in die Gemeinschaft, Familienzusammenführung und Freizeitaktivitäten.

Die UNO-Flüchtlingshilfe, der deutsche Partner des UNHCR, unterstützt außerdem Anlaufstellen in Deutschland, wie zum Beispiel die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V., deren Behandlungszentren auch ehemalige Kindersoldat*innen betreuen.

Kinder vor UNHCR Plane Nigeria_Boko-Haram_RF284545_1.jpg