Neuanfang in einem Drittland
Krieg, Verfolgung, politische Krisen und andere existentielle Nöte – die Gründe für eine Flucht aus dem Heimatland sind vielfältig. Die meisten Flüchtlinge eint der Wunsch nach Beendigung der Gewalt wieder so schnell wie möglich in ihr altes Dorf, in die eigene geliebte Heimat zurück zu kehren.
Die Realität sieht aber oft anders aus: Anhaltende bewaffnete Konflikte und Diskriminierungen machen eine Rückkehr über viele Jahre unmöglich. Die Menschen sitzen dann in eigentlich nur provisorisch errichteten Notbehausungen und Lagern fest, ohne Aussicht auf ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben.
Denn die Aufnahme vieler tausender Flüchtlinge ist ein organisatorischer Kraftakt und die Zufluchtsländer, meistens Nachbarstaaten der Krisenregion und oft selbst bitterarm, sind den plötzlichen Flüchtlingsströmen und Menschenmassen häufig nicht gewachsen.
Resettlement: Eine dauerhafte Lösung
Neben Asyl, das nur einem Bruchteil von Flüchtlingen gewährt wird, bietet die dauerhafte Neuansiedlung in einem zur Aufnahme bereiten Drittland (Resettlement), eine Chance sich ein neues Leben in Frieden und Sicherheit aufzubauen. Besonders schutzbedürftige Flüchtlinge werden dabei aus ihrem Erstaufnahmeland in ein sicheres Land gebracht, das sich bereit erklärt hat, sie aufzunehmen.
Resettlement ist damit ein lebensrettendes Schutzinstrument, um den am stärksten gefährdeten Flüchtlingen zu helfen, die in ihrem Aufnahmeland nicht sicher sind.
Den Flüchtlingen werden dabei voller Schutz und Integrationsmöglichkeiten gewährt. Zudem werden die Erstaufnahmeländer entlastet, was wiederum der Entspannung in diesen Regionen dient und weiteren Konflikten vorbeugt.
UNHCR schätzt, dass 2025 mehr als 2,9 Millionen besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge einen Platz im Aufnahmeprogramm für humanitäre Härtefälle (Resettlement) benötigen.
Ich bin in meinem Leben erst zweimal gereist, aber beide Male, als wir reisten, waren wir auf der Flucht. Dieses Mal werde ich ein neues Leben führen.
Mahmoud floh vor dem Konflikt in Syrien nach Ägypten. Traumatisiert von der Tortur wurde er mit seiner Familie nach Schweden umgesiedelt. Er ist entschlossen, aus seinem neuen Leben in Schweden das Beste zu machen.
Zu wenige Resettlement-Plätze weltweit
Die Idee zum Resettlement ist nicht neu. Bereits seit vielen Jahren gibt es in einigen Ländern, allen voran den USA, Kanada und Australien – aber auch einigen nordeuropäischen Staaten – jährliche Quoten, nach denen eine bestimmte Anzahl an besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen wie Frauen, Kinder, alte und kranke Menschen, aufgenommen wird.
Doch die Zahl der Aufnahmeplätze sinkt seit Jahren, so dass das Resettlement bislang nur einer kleinen Zahl von Schutzbedürftigen zugänglich ist.
Laut Regierungsstatistiken konnten 2025 nur rund 82.000 Personen umgesiedelt werden. Das macht nur 3 Prozent der geschätzten 2,9 Millionen Menschen aus, die 2025 weltweit vom UNHCR als umsiedlungsbedürftig eingestuft wurden.
2025 blieb Kanada das wichtigste Aufnahmeland für Flüchtlinge, die über Resettlement- oder Sponsorship-Programme Schutz fanden: Rund 38.800 Menschen konnten dort neu beginnen. Insgesamt konzentrierte sich der Großteil dieser sicheren Aufnahmewege weiterhin auf wenige Länder. Auch europäische Staaten wie Frankreich, Deutschland, die Niederlande und das Vereinigte Königreich beteiligten sich an der Aufnahme.
Die meisten neu angesiedelten Flüchtlinge kamen aus Afghanistan, Eritrea, Syrien, der Demokratischen Republik Kongo und Somalia – Länder, die seit Jahren von Krisen und Konflikten geprägt sind.
(Alle Zahlen stammen aus dem UNHCR-Bericht "Global Trends Report 2025")
Initiativen für mehr dauerhafte Lösungen
Mehr geteilte Verantwortung und Solidarität mit den großen Aufnahmeländern sowie bessere Möglichkeiten für humanitäre Härtefälle durch Resettlement und andere Aufnahmeprogramme sind die Hauptziele des Globalen Paktes für Flüchtlinge, der Ende 2018 von der UN-Generalversammlung angenommen wurde.
Weiterführende Informationen
Einen guten allgemeinen Überblick über das Thema Resettlement bietet