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Iran

Flüchtlinge im Iran

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Aufnahmeland für afghanische Flüchtlinge

Die Islamische Republik Iran beherbergt eine große Anzahl an afghanischen Flüchtlingen. Bis Ende 2020 waren es rund 780.000 registrierte afghanische Flüchtlinge. Zusätzlich befinden sich Schätzungen zufolge über zwei Millionen Menschen aus Afghanistan ohne Ausweisdokumente im Iran. Viele von ihnen seit mehreren Generationen.

Neben den Flüchtlingen aus Afghanistan sind über 28.000 Flüchtlinge aus dem Irak registriert. Sie fliehen vor Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, politischer Verfolgung und der aussichtslosen Situationen im eigenen Land.

96 Prozent der Schutzsuchende leben in Städten, insbesondere im Umland der Hauptstadt Teheran. Die restlichen 3 Prozent der Flüchtlinge leben in insgesamt 21 Flüchtlingslagern im ganzen Land verteilt.

Obgleich der Iran sich den Flüchtlingen gegenüber großzügig zeigt, fliehen viele Iraner*innen aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage aus dem Land. Im Jahr 2020 lag die Zahl der iranischen Flüchtlinge und iranischen Asylsuchenden weltweit bei etwa 210.000 Menschen.

780
Tausend

registrierte afghanische Flüchtlinge

500
Tausend

Flüchtlingskinder gehen zur Schule

28
Tausend

Flüchtlinge aus dem Irak

Integration von Flüchtlingen

Die wirtschaftliche Lage im Iran ist instabil. Die internationalen Spannungen, u. a. die Sanktionen der USA stellen den iranischen Staat vor große Herausforderungen. Das hat negative Auswirkungen auf die Flüchtlinge und Asylsuchende im Land sowie auf die Aufnahmegemeinschaften.
Trotz der aktuellen Wirtschaftslage hat sich die Regierung verpflichtet, die Integration von Geflüchteten weiter zu unterstützen und fortzusetzen:

  • Ausländischen Kindern soll der Zugang zu öffentliche Schulen erleichtert werden. Im Schuljahr 2020 - 2021 sind laut Schätzungen der Regierung ungefähr 500.000 Flüchtlinge und Kinder ohne offiziellen Status eingeschrieben.
  • Flüchtlinge können sich in die Krankenversicherung eintragen und
  • durch eine befristete Arbeitserlaubnis sollen Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten, ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen.

Auf meinem Weg lagen viele Hindernisse, bis ich dahin gekommen bin, wo ich heute bin und ich werde weiterhin jede Herausforderung bewältigen, die sich mir in den Weg stellt.

Dr. Feezeh Hosseini kam als Baby mit ihren Eltern aus Afghanistan in den Iran. Sie heiratete mit 18 und bekam zwei Kinder. Gleichzeitig fing sie trotz hoher Studiengebühren an zu studieren und absolvierte ihr Medizinstudium mit Auszeichnung. Sechs Jahre musste Feezeh warten, bis sie, auch dank der Intervention des UNHCR, von den iranischen Behörden als Ärztin anerkannt wurde. Heute ist Feezeh Leiterin einer Gesundheitsstation und behandelt sowohl afghanische Flüchtlinge als auch die einheimische Bevölkerung.

Voller Zugang zur Gesundheitsversorgung

der UNHCR unterstützt die Maßnahmen des Gesundheitsministeriums zur Einbeziehung von Flüchtlingen in das nationale Gesundheitssystem. Kostenlose medizinische Grundversorgung, einschließlich Impfungen, lebenswichtige Medikamente und Gesundheitsdienste für Mütter und Kinder stehen allen zur Verfügung, unabhängig von ihrem Dokumentationsstatus. Nach Schätzungen des UNHCR haben bisher 90 Prozent der Flüchtlinge im Iran Zugang zur medizinischen Grundversorgung. Flüchtlinge haben auch Zugang zu einer universellen öffentlichen Krankenversicherung (UPHI), die die medizinische Versorgung genauso abdeckt wie für Staatsangehörige.

Herausforderung COVID-19

Die Corona Pandemie belastet die ohnehin schon schwache iranische Volkswirtschaft und das Gesundheitssystem stark. Geflüchtete, die ihre Arbeit verlieren, weil sie im Iran in der Regel als Tagelöhner angestellt sind, haben nun noch weniger Möglichkeiten, ihren Alltag eigenständig zu bewältigen. Viele afghanische Flüchtlinge im Iran berichten von ernsthaften Schwierigkeiten beim Zugang zu Medikamenten und grundlegenden Lebensmitteln. Um auf diese besondere Herausforderung zu reagieren, hat der UNHCR seine Arbeit angepasst.

In 2020

  • ... wurden 100 Tonnen an medizinischer Ausrüstung wie Masken, Handdesinfektionsmittel, Handschuhe, Beatmungsmaschine verteilt.
  • ... erhielten mehr als 10.000 Flüchtlings Haushalte Hygiene Pakete mit unter anderem Seife, Masken und Putzmittel.
  • ... wurden mehr als 30.000 Flüchtlinge durch Bargeldhilfen unterstütz aufgrund der negativen Folgen, die die Pandemie auch auf die wirtschaftliche Lage der Geflüchteten hatte.

Bildung für alle Kinder

Im Iran haben alle Kinder Zugang zu Bildung, dazu zählen auch Flüchtlingskinder und Kinder ohne Papiere. Im Rahmen des nationalen Lehrplans erhalten sie Zugang zu Unterricht in Grund- und weiterführenden Schulen, den sie zusammen mit iranischen Kinder besuchen.

In Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen bietet der UNHCR Flüchtlingen im Kindes- und Erwachsenealter Intensivprogramme, um Lesen und Schreiben zu erlernen und verpasste Lernstoffe aufzuarbeiten, um so eine Rückkehr in die reguläre Schulbildung und auf den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Auch Universitäten können von Geflüchteten aus Afghanistan und dem Irak besucht werden. Die Studierenden werden durch Stipendien des DAFI Programmes unterstützt. In 2020 erhielten so 472 Studierenden Unterstützung durch DAFI Stipendien.

Trotz der großen Anstrengungen der iranischen Regierung, die Flüchtlinge in das Schulsystem einzubinden, ist dieses stark überlastet. Es gibt zu wenige Schulen, was dazu führt, dass Klassen von mehr als 35 Schüler*innen besucht werden und die Schulen Unterricht im Schichtsystem anbietet müssen, um allen Kindern die Teilnahme zu ermöglichen.

Obwohl die Schulgebühren für Flüchtlinge abgeschafft wurden, stellen Kosten für Uniformen und Schreibwaren eine weitere Barriere für Flüchtlingsfamilien dar, sodass sie sich die Bildung ihrer Kinder nicht leisten können. Der UNHCR arbeitet eng mit den iranischen Behörden zusammen und unterstützt den Bau von Schulen und bietet finanzielle Unterstützung, um die grundlegende Bildung zu garantieren.

  • Iranische und afghanische Flüchtlingskinder in der sechsten Klasse der Vahdat-Schule in Isfahan.
    © UNHCR/Mohammad Hossein Dehghanian

    Iranische und afghanische Flüchtlingskinder in der sechsten Klasse der Vahdat-Schule in Isfahan.

  • Afghanische Kinder in der iranischen Stadt Varamin spielen ein lebhaftes Spiel des Tauzeihen in ihrer Schule. Die meisten dieser Kinder sind im Iran geboren und haben Afghanistan noch nie besucht. Mehr als 500.000 Kinder sollen im Jahr 2021 in Grundschule und Weiterführendeschule eingeschult werden.
    © UNHCR/Sebastian Rich

    Afghanische Kinder in der iranischen Stadt Varamin spielen ein lebhaftes Spiel des Tauzeihen in ihrer Schule. Die meisten dieser Kinder sind im Iran geboren und haben Afghanistan noch nie besucht. Mehr als 500.000 Kinder sollen im Jahr 2021 in Grundschule und Weiterführendeschule eingeschult werden.

  • Die siebenjährige Maryam geht im Iran zur Schule. Sie wird von ihrer Mutter Sharifeh begleitet, die aus Afghanistan fliehen musste, als ihr Vater erschossen wurde und sie gezwungen war, für sich selbst zu sorgen. Maryam wurde im Iran geboren und hat ihr
    © UNHCR/Sebastian Rich

    Die siebenjährige Maryam geht im Iran zur Schule. Sie wird von ihrer Mutter Sharifeh begleitet, die aus Afghanistan fliehen musste, als ihr Vater erschossen wurde und sie gezwungen war, für sich selbst zu sorgen. Maryam wurde im Iran geboren und hat ihr "Heimatland" Afghanistan nie gesehen.

  • Der afghanische Flüchtling Fatemeh Hossenini, 25, besucht einen Fotokurs bei der Technical and Vocational Training Organisation (TVTO) in Mashhad im Nordosten des Iran. Der UNHCR unterstützt die Ausbildung von Flüchtlingen, die besonders gefährdet sind. 
    © UNHCR/Andrew McConnell

    Der afghanische Flüchtling Fatemeh Hossenini, 25, besucht einen Fotokurs bei der Technical and Vocational Training Organisation (TVTO) in Mashhad im Nordosten des Iran. Der UNHCR unterstützt die Ausbildung von Flüchtlingen, die besonders gefährdet sind. 

  • Während der COVID19-Zeit im Iran zeigten die afghanischen Flüchtlinge eine große Belastbarkeit und schafften es, trotz der Schwierigkeiten, die ihnen aufgrund der Pandemie und der wirtschaftlichen Situation auferlegt wurden, ihren täglichen Routinen und Arbeiten nachzugehen.
    © UNHCR/Zahra Nazari

    Während der COVID19-Zeit im Iran zeigten die afghanischen Flüchtlinge eine große Belastbarkeit und schafften es, trotz der Schwierigkeiten, die ihnen aufgrund der Pandemie und der wirtschaftlichen Situation auferlegt wurden, ihren täglichen Routinen und Arbeiten nachzugehen.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Der UNHCR...

  • ... finanziert Bargeldhilfen für besonders schutzbedürftige Personen, zur Deckung von Grundbedürfnissen.
  • ... unterstützt die Ausbildung von Flüchtlingen, die besonders gefährdet sind. Tausende haben von Kursen in Buchhaltung, Autowartung, Schneiderei, IT, Maurerhandwerk, Fotografie und anderen Berufen profitiert. Nach ihrem Abschluss werden einige Auszubildende ausgewählt, um an UNHCR-Projekten zur Sicherung des Lebensunterhalts teilzunehmen.
  • ... unterstützt Regierungsmaßnahmen zur Förderung der Schulbildung und Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen.
  • ... unterstützt bei der freiwilligen Rückkehr von Flüchtlingen.
  • ... sorgt sich im Rahmen des Resettlements um die Umsiedlung von Flüchtlingen in ein sicheres Drittland  - in 2021 sollen 85 Personen umgesiedelt werden.
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