Nothilfe Irak
© UNHCR/Andrew McConnell

Hilfe im Irak

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Instabile Lage im Land

Der Irak steht weiterhin vor großen Herausforderungen: politische Spannungen, zivile Unruhen, Sicherheitsbedrohungen durch Terroranschläge sowie eine Wirtschaftskrise, die durch die COVID-19-Pandemie und den Verfall der Ölpreise noch verstärkt wurde. Dazu die Sorge vor einem Wiedererstarken radikalislamischer Gruppen wie dem Islamischen Staat, der zwischen 2014 und 2017 große Gebiete im Norden und Westen des Iraks beherrscht hatte.

Folgen der Kämpfe heute noch spür- und sichtbar

Damals flohen mehr als 6,4 Millionen Iraker*innen vor der Gewalt. Etwa 4,9 Millionen von ihnen sind seither wieder in ihre Heimatdörfer und –städte zurückgekehrt. Doch oft ist deren gesamte Lebensgrundlage zerstört: Sie haben keine Wohnung, keine Arbeit und nur begrenzten Zugang zu grundlegender Versorgung. 

Bis heute leben noch immer fast 1,2 Millionen Menschen, als Binnenvertriebene im eigenen Land. Darüber hinaus suchen rund 290.000 Flüchtlinge, die zum größten Teil (248.000) aus Syrien kommen, im Irak nach Schutz.

Flüchtlinge leben hauptsächlich in kurdischer Region

In der autonomen kurdischen Region im Norden des Landes leben über 97 Prozent der syrischen Flüchtlinge. Knapp 38 Prozent von ihnen leben in Flüchtlingslagern, während 62 Prozent in städtischen, stadtnahen und ländlichen Gebieten leben.

Sicherheitslage im Irak bleibt angespannt

Der Wunsch nach Sicherheit und einer stabilen politischen Lage ist groß im Irak. Doch die weitverbreitete Korruption in den Rängen der Elite, die weitläufigen anarchischen Verhältnisse in Teilen des Landes und die fehlende Rechtssicherheit führen zu fehlendem Vertrauen der Bevölkerung in die Zentralregierung.

Aus der an Konfessionen und ethischen Werten orientierten Parteienlandschaft trat während der Parlamentswahl im Oktober 2021 die schiitische geprägte Partei des Geistlichen Al-Sadar als Gewinnerin hervor. Der nationalistisch und populistisch orientierte Al-Sadar stellt sich insbesondere gegen die Einmischung des Auslands in die nationale Politik des Iraks. Die Legitimität der Wahl wird von oppositionellen Parteien angezweifelt.

Gleichzeitig besteht weiterhin die Bedrohung durch islamradikale Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat, die von der irakischen Armee vor allem im Westen und Norden des Landes bekämpft werden. Ein einheitliches und großflächiges Vorgehen wird jedoch durch die Auseinandersetzungen zwischen der Zentralregierung und der kurdischen Autonomregierung im Norden des Landes erschwert.

Rückkehr in zerstörte Dörfer

2020 beschloss die irakische Regierung die Schließung vieler Vertriebenenlager. Vielen Menschen blieb keine andere Wahl, als in ihre Dörfer und Städte zurückzukehren, obwohl es dort an grundlegenden Dienstleistungen fehlte und viele Häuser und die Infrastruktur zerstört waren.

Der UNHCR prüft mit seinen Partnern vor Ort die Bedürfnisse in den Dörfern und arbeitet mit der irakischen Regierung zusammen, um sicherzustellen, dass Rückkehrer Dokumente erhalten, Infrastruktur, Schulen und Straßen wieder aufgebaut werden und diejenigen, die nicht in ihre Heimat zurückkehren können, andere Ansiedlungsmöglichkeiten finden.

Wir fanden die Häuser in Trümmern vor. Sie standen drei oder vier Jahren leer. Die Häuser hier sind aus Lehm gebaut. Wenn man ein Lehmhaus über einen längeren Zeitraum nicht instand hält, stürzt es ein.

Der Bauer Dahi (68) floh vor ISIS und lebte drei Jahre in einem Lager für Binnenvertriebene. Als er endlich in sein Dorf zurückkehrte, war seine Heimkehr alles andere als das freudige Ereignis, das er sich lange vorgestellt hatte.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Der UNHCR unterstützt die Regierung vor Ort bei der Registrierung und anschließenden Unterbringung und Versorgung der Schutzsuchenden und Geflüchteten.

In den Flüchtlingscamps arbeitet der UNHCR daran, angemessene Unterkünfte sicher zu stellen, und die Menschen mit Lebensmitteln und Wasser zu versorgen. Zudem ist es wichtig, dass Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen mit ausreichenden Kapazitäten vorhanden sind. Besonders geschützt werden Menschen, die durch sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt gefährdet sind. Der UNHCR stellt psychosoziale Hilfe und Rechtsberatung zur Verfügung.

Zudem kümmert sich der UNHCR darum, dass besonders gefährdete Flüchtlinge über das „Resettlement-Program“ in einem Drittstaat angesiedelt werden oder Bargeldhilfen im Rahmen des „Cash Assistance Program“ des UNHCR zur Verfügung gestellt bekommen.

Humanitäre Hilfe in Zahlen

(Januar-September 2021)

Mehr als 13.700 Flüchtlinge und Binnenvertriebene erhielten ihre COVID-19-Impfung.

47.200 Frauen und -mädchen erhielten Hygienesets.

15.800 Flüchtlingsfamilien, Binnenvertriebene und Rückkehrer bekamen Bargeldhilfen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken.

40.000 Flüchtlinge und Binnenvertriebene erhielten Rechtsbeistand.

Unterfinanzierung der Hilfsmaßnahmen

Der Bedarf des UNHCR für das Jahr 2021 liegt für den Irak bei 420,9 Millionen US-Dollar. 

Bis November 2021 waren nur 43 % des benötigen finanziellen Betrag für die Hilfen im Irak zusammengekommen. Dies bedeutet, dass die UNHCR-Maßnahmen stark unterfinanziert sind. Schon im Vorjahr waren die Hilfe des UNHCR unterfinanziert.
Wenn die finanziellen Mittel über einen längeren Zeitraum knapp ausfallen, müssen Hilfsmaßnahmen ausgesetzt werden und der UNHCR muss verschiedenen Projekte stoppen oder die die finanzielle Mittel kürzen. Besonders betroffen sind Programme im Bereich Gesundheit, Bildung und der Hilfe durch Bargeldhilfen.
Im Irak unterstütz der UNHCR Flüchtlinge und Binnenvertriebene mit Bargeldhilfen. Durch die starke Unterfinanzierung und der erzwungenden Verringerung der Bargeldhilfen sind ungefähr 59.000 Personen aus syrische Flüchtlingsfamilien, Flüchtlings- und Asylberwerberfamilien andere Nationalitäten und irakischen Binnenvertriebenen nicht mehr in der Lage ihre Grundbedürfnisse zudecken. Dies führt im Zusammenhang mit der Corona Pandemie zu großer Unsicherheit. Auch das überlebenswichtige Winter-Hilfsprogramm im Irak ist 2021 stark unterfinanziert.

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