Pakistan: Wenn Mädchenträume wahr werden

Voller Vorfreude betrachtet eine Schülerin die neue Schuluniform. Foto: S. Farid
Voller Vorfreude betrachtet eine Schülerin die neue Schuluniform. Foto: S. Farid

Für das 13-jährige Flüchtlingsmädchen Palvashey, das in der Flüchtlingssiedlung Kot Chandana in Pakistan lebt, wäre die Schule an ihrem 14ten Geburtstag eigentlich zu Ende. Doch die Initiative der afghanischen Lehrerin Aqeela Asifi macht es möglich, dass Flüchtlingsmädchen eine weiterführende Schule besuchen können.

Ein gut investierter Preis
Die Schule in Kot Chandana war zuerst in einer ehemaligen Klinik eingerichtet worden. Fünf Klassenräume mit Tischen, Bänken und Tafeln mussten für die Schülerinnen reichen. Das bedeutete, dass sich die Lehrer meist mehr um die jungen Schülerinnen kümmerten und die Mädchen die Schule nach der 8ten Klasse verließen.

Aqeela Asifi, die 2015 für ihren großen Einsatz für Flüchtlinge den Nansen Refugee Award erhielt, hat das Preisgeld (etwa 100.000 US-Dollar) nun für die Erweiterung der Schule eingesetzt. Es gibt drei weitere Klassenzimmer, Toiletten und ein eingerichtetes Labor. Lehrer wurden eingestellt und neue Bücher und Lehrmaterial angeschafft.

“Meine Schülerinnen baten mich immer um das Gleiche – die Möglichkeit auch nach der achten Klasse in die Schule gehen zu können,” erzählt die engagierte Lehrerin. "Jetzt können wir diesen Traum wahr werden lassen."

Eine Flüchtlingsfrau mit einer Vision
Aqeela selbst musste mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern 1992 aus der afghanischen Hauptstadt Kabul fliehen. Mit 26 kam sie in das Flüchtlingslager Kot Chandana, nicht wissend, dass sie dort ihr ganzes Leben als Flüchtling verbringen würde.

Ihre Schulinitiative begann mit einem geliehenen Zelt und handgeschriebenen Texten. Aqeela verhalf so bislang mehr als 1.000 Flüchtlingsmädchen zu einer Grundschulbildung, die ihnen bessere Zukunftsaussichten garantiert.

“Wenn ich einen Stift in der Hand meiner Schülerinnen sehe, wenn ich sehe, wie sie schreiben und lernen dann stärkt mich das meine Entschlossenheit," bekennt Aqeela. “Das gibt mir Mut weiterzumachen und bis zu meinem letzten Tag zu lehren."

Vorfreude im neuen Klassenzimmer
Palvashey ist eine der elf Schülerinnen, die aus der achten gleich in die neunte Klasse versetzt werden. Manche ihrer Mitschülerinnen haben lange auf diesen Tag warten müssen und können erst nach einer längeren Pause wieder in die Schule gehen. Palvashey steht mit leuchtenden Augen im Labor und betrachtet, Mikroskope, Bunsenbrenner, die Anatomie-Plakate an den Wänden und freut sich auf die ersten Stunden in Chemie, Biologie und Physik.

“Eigentlich ist Englisch mein Lieblingsfach in der Schule, aber ich will Ärztin werden und viele Leben retten," verrät sie uns.

In Pakistan gibt es nicht viele Schulen wie die von Aqeela, die Flüchtlingskindern eine weiterführende Schulbildung bieten. Dabei sind die Hälfte der 1,34 Millionen afghanischer Flüchtlinge im Land Kinder. Weltweit haben mehr 3,7 Millionen Flüchtlingskinder - das sind mehr als die Hälfte - keine Möglichkeit zur Schule zu gehen. 1,75 Millionen von ihnen haben noch nicht einmal eine Grundschulbildung und nur etwa ein Prozent kann eine weiterführende Schule besuchen.

Ein letzter Traum: eine Schule für Rückkehrer
Zu guter Letzt hat Aqeela noch ein weiteres Projekt: die zurückgekehrten Flüchtlinge in Afghanistan zu unterstützen. Das vom Nansen-Preis übriggebliebene Geld, will sie in einem informellen Lernzentrum in Kabul investieren. Dort sollen diejenigen eine Schulbildung erhalten, die als Flüchtling im Exil nie die Möglichkeit zum Lernen hatten.

“Wenn man Menschen helfen will, ist es das Beste für die Gesellschaft, wenn man Bildung anbietet,” begründet Aqeela ihr Engagement.