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"Wind in meinem Kopftuch"

Eine Reise in den Iran

Roya wächst in Deutschland auf. Ihr Vater floh mit seiner Familie lange vor ihrer Geburt aus politischen Gründen aus dem Iran. Seine Schwestern waren fünf Jahre im Gefängnis inhaftiert, weil sie sich politisch engagiert hatten. 

Die Graphic Novel „Wind in meinem Kopftuch“ erzählt vom Aufwachsen Royas zwischen zwei Kulturen. Bei ihrer Mutter lebt sie eine deutsche Kindheit und in der Familie des Vaters taucht sie in iranisches Sprachgewirr und Lebensgefühl ein. Und obwohl sie die Sprache nicht spricht und auch nie dort war, sehnt sich das Mädchen das Land ihres Vaters kennenzulernen. Schließlich willigt der Vater ein und die beiden brechen in den Iran auf.

Nach seinem plötzlichen Tod erinnert sich Roya im Rückblick an diese Reise. An die Schönheit und Lebensfreude Irans, die sie faszinierte. Aber vor allem auch an die Beklemmung und ständige Angst, die sie von Anfang an spürt. Im alltäglichen Leben, auf der Straße, in der Eisdiele sieht Roya, was es bedeutet, wenn überall Verbote lauern und die Menschen sich kaum mehr vertrauen können. Als queere junge Frau fühlt sie sich in ständiger Gefahr. Gleichzeitig entdeckt Roya Zeichen des Widerstandes, und sieht, wie Menschen mit kleinen Gesten oder mutigen Zeichen gegen die Verbote aufbegehren.

„… ich bin nur die Touristin, die nach ein paar Tagen wieder in den Flieger steigt und weg ist. Alle anderen müssen mit dieser Ungerechtigkeit, der ständigen Angst und dem Druck leben. Jeden Tag. …“

Anschaulich beschreibt Roya, wie der übergroße Druck von ihr abfiel, als sie zurück in Deutschland ist. 

Dass der Iran die Autorin auch später nicht loslässt, erzählt sie in ihrem Nachwort und ordnet die Proteste nach dem Tod der jungen Jina Mahsa Amini im Iran und die Bedeutung von internationaler Öffentlichkeit für den Freiheitskampf ein.

Fazit
„Wind in meinem Kopftuch“ ist ein sehr persönlicher und darum eindrucksvoller und berührender Reisebericht über das Leben im Iran unter einem Regime, das die Freiheit seiner Bürger*innen gezielt beschneidet und eine Atmosphäre der Angst etabliert hat. Dass die Protagonistin queer ist, unterstreicht diese Problematik zusätzlich. Es wird deutlich, warum Menschen ein Land verlassen, wenn sie ihrer Freiheiten beraubt oder sogar mit dem Tod bedroht werden, weil sie sind, was sie sind. 

Wind in meinem Kopftuch
Carlsen Verlag, 2026
Autorin: Roya Soraya
ISBN 978-3-551-01590-7
EUR 25