07.03.2019

8.3. Weltfrauentag: Mama Elizabeth hilft Opfern sexueller Gewalt

Frauen und Mädchen machen etwa die Hälfte aller Flüchtlinge oder Vertriebenen aus. Auf der Flucht sind sie besonders gefährdet, vor allem wenn sie schwanger, behindert oder allein unterwegs sind. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) stellt sicher, dass Frauen sichere Unterkünfte und separate sanitäre Einrichtungen bekommen und das Hilfsgüter gerecht verteilt werden.

Frauen bekommen Unterstützung, um ihre Führungsfähigkeiten zu stärken und durch Bildung ihre Zukunft selbst zu gestalten. Stellvertretend für viele Flüchtlingsfrauen, die die Chancen ergreifen und ihr Schicksal in die Hand nehmen, stellen wir heute Mama Elizabeth aus dem Südsudan vor.

Mama Elizabeth bietet Opfern sexueller Gewalt Schutz und Hilfe. Foto: UNHCR/M.Osire

„Unser Ziel ist es, auf den reichen Erfahrungen, Fähigkeiten und Bestrebungen von Frauen aufzubauen und ihnen zu helfen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen - durch besseren Zugang zu Bildung, menschenwürdige Arbeit sowie Rechts- und Gesundheitsdienste“, betont UN-Flüchtlingskommissar, Fillippo Grandi.

In ihrer mit Gras gedeckten Hütte in einer abgelegenen Region des Südsudans steht Mama Elizabeth summend in einer Ecke und ordnet Teller und Becher. Die Hütte der 65-Jährigen sieht aus wie alle anderen im Dorf, doch ist sie sehr viel mehr: seit zwei Jahren ist Mama Elizabeth eine von 48 freiwilligen „Schutzengeln“, die sich im Kampf gegen sexuelle Gewalt im Flüchtlingslager engagieren.

Ihr Zuhause ist eine vorübergehende sichere Unterkunft für Überlebende von Gewalttaten.

In Maban County leben 140.000 Flüchtlinge. Wenn jemand in Not ist, öffnet Mama Elizabeth ihre Hütte und gewährt Unterschlupf. Unterstützung bekommen die Freiwilligen vom UNHCR.

“Vor zwei Wochen habe ich das letzte Mal jemanden aufgenommen,” erzählt Mama Elizabeth. Sarah, Mutter von neun Kindern, lebte seit einigen Jahren im Flüchtlingslager Doro. Sarah hielt es irgendwann nicht mehr aus, von ihrem Mann und ihrem Bruder geschlagen zu werden. Sie hatte Angst um ihre Sicherheit und versteckte sich bei Mama Elizabeth. Sie hätte etwas Ruhe und Geborgenheit gesucht, bestätigt Sarah.

Mama Elizabeth fällt es nicht schwer, Menschen wie Sarah zu helfen: “Als ich gefragt wurde, ob ich diese Rolle übernehmen wollte, habe ich gleich akzeptiert, weil ich Frauen immer gern helfe. Ich helfe gern Menschen in Not. Aber es ist manchmal auch schwierig,” fügt Mama Elizabeth hinzu.

Aus der eigenen Erfahrung gelernt
Sie selbst ist schon zwei Mal vor Krieg und Gewalt geflohen: Zuerst floh Mama Elizabeth 1986 vor dem Krieg im Sudan nach Äthiopien. Nach dem Friedensabkommen 2006 kehrte sie zurück, um fünf Jahre später wieder zu fliehen, diesmal in den Südsudan. Jetzt lebt sie im Flüchtlingslager Doro, in dem 59.000 Flüchtlinge versorgt werden.

Neben der Arbeit als “Schutzengel”, ist Mama Elizabeth außerdem die Repräsentantin der Flüchtlingsfrauen im Lager. Sie kümmert sich dabei u.a. um Themen wie die zu frühe Verheiratung von Mädchen.

“Bevor ich die Kurse besucht habe, fand ich eigentlich nichts Schlimmes an frühen Hochzeiten,” sagt Mama Elizabeth. “Es war für mich Teil der Kultur. Aber nach dem Training habe ich erkannt, dass ein Mädchen, das zu früh heiratet, keine Möglichkeit mehr hat, weiter zu lernen. Ich glaube, dass Bildung sehr wichtig ist, weil es Dich dazu ermächtigt, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.”