Hunger
© UNHCR/C.Fohlen

Hunger als Fluchtgrund

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Verzweiflung - Flucht - Hunger

Hunger ist nach der völkerrechtlichen Definition in der Genfer Flüchtlingskonvention kein anerkannter Fluchtgrund.
Und doch hängen Hunger und Flucht eng zusammen. Hunger kann sowohl indirekte Ursache als auch direkte Folge einer Flucht sein.

In Flüchtlingslagern kommen oft erschöpfte Menschen an, die wochenlang nichts mehr zu essen hatten. Infektionskrankheiten können dann lebensbedrohlich werden. Vor allem Kindern droht der Tod durch akute Unterernährung. Diese Menschen brauchen sofortige Hilfe.

Aktuell sind am Horn von Afrika mehr als 18 Millionen Menschen von einer verheerenden Dürre und Hunger betroffen - unter ihnen sind über 7 Millionen Kinder. Besonders Flüchtlinge und Vertriebene sind betroffen und Leiden große Not.

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Screenshot Video

Wie hängen Krieg, Gewalt und Hunger zusammen?

  • Zerstörung und hohe Preise

Gewaltsame Konflikte sind oftmals Ursache für Lebensmittelknappheit. Felder können nicht mehr bestellt werden, Ernten werden zerstört oder beschlagnahmt oder die Bevölkerung wird durch Kämpfe oder bei Belagerungen von Nahrungsmitteln abgeschnitten. Landwirtschaftliche Infrastruktur und Straßen werden belagert oder zerstört.

In Regionen, die von Konflikten betroffen sind, werden Nahrungsmittel knapp und die Preise für Lebensmittel steigen.

  • Streit um Ressourcen

Nahrungsmittelknappheit oder Streitigkeiten um den Zugang zu Land und Wasser können darüber hinaus auch Auslöser von gewaltsamen Konflikten sein oder sie verschärfen. Ein Teufelskreis von Gewalt, Hunger und Flucht entsteht.

Fehlen den Familien Einkommensmöglichkeiten und gehen die Vorräte zur Neige, sind die Menschen gezwungen, in andere Regionen abzuwandern, um ihr Überleben zu sichern. Wenn Krieg, Gewalt oder Diskriminierung ihr Leben bedrohte, können sie dies als Fluchtgründe geltend machen.

Was haben Umwelt und Klima mit Hunger zu tun?

Klimawandel und Umweltschäden gefährden in vielen Regionen der Welt die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung. Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen, Erdrutsche oder verheerende Stürme, vernichten Ernten und Anbauflächen und können Lebensmittelknappheiten zur Folge haben.

Wasser wird in vielen Regionen vor allem Afrikas immer knapper. Regenzeiten verschieben sich und werden weniger verlässlich. Dürre und Versteppung sind Grund für schlechte Ernten.

So verursacht zurzeit die Dürre am Horn von Afrika in Kenia, Somalia und Äthiopien eine Hungerkrise, wodurch Millionen Menschen akut vom Tod bedroht sind. Denn unter- oder mangelernährt sind sie extrem krankheitsanfällig. Infektionen wie Durchfall, Malaria oder Tuberkulose können lebensbedrohlich werden. Vor allem den Kindern droht der Tod durch akute Unterernährung.

Wann spricht man von einer Dürre?

Wasser ist Leben – bleibt es aus, bedeutet das Armut, Hunger und im schlimmsten Fall den Tod.

Wenn es zu wenig Wasser gibt, es zum Beispiel nicht genug regnet oder gar nicht, dazu noch hohe Temperaturen herrschen, spricht man von einer Dürre. Wenn es lange Zeit trocken bleibt, spricht man von einer Dürreperiode.

Trockener Boden ist anfällig für Bodenerosion durch Wind und plötzlich auftretende Regenfälle, bei denen der trockene Boden das Wasser nicht schnell genug aufnehmen kann. Eine Dürre ist also nicht nur kurzfristig für die Landwirtschaft nachträglich, sondern hat auch langfristig negative Auswirkungen.

Mit dem sogenannten Palmer Drought Severity Index (PDSI) werden verschiedene Merkmale, wie Niederschlag, Bodentemperatur und Verdunstung analysiert um die Bodenfeuchte zu bestimmen. Die Ergebnisse werden in normale Bodenfeuchtigkeit bis extreme Dürre unterteilt.

Ich habe nichts um meiner Frau und den Kindern etwas zu Essen zu kaufen. Sie sind krank. Es sieht sehr schlecht aus.

Yahya floh als sein Haus im Jemen bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Seither verdient er Geld, indem er Plastik-und Matell sammelt und recycelt. Sein 7 Monate alter Sohn ist stark unterernährt und Yahyas Frau hat Typhus.

Hunger auf der Flucht

  • Keine Vorräte

Werden Menschen aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben, bleibt oftmals kaum Zeit, Vorräte einzupacken. Auf der Flucht leiden viele Flüchtlinge und Binnenvertriebene unter Mangelernährung oder Hunger.

Hungerkrisen in der Heimatregion kommen hinzu, so dass Flüchtlinge sich bereits geschwächt und krank auf den Weg machen. Für diese Menschen ist die Flucht, mit tagelangen Märschen in großer Hitze oder bei stundenlangen Regenfällen, eine enorme Strapaze, die sie nicht selten nicht überleben.

  • Versorgung in Flüchtlingslagern

In den Flüchtlingslagern kommen ausgemergelte und erschöpfte Menschen an. Sie erhalten Nahrungsmittel oder werden bei Unterernährung in Ernährungsprogrammen medizinisch versorgt.

Doch immer öfter fehlen in den Flüchtlingslagern ausreichende Nahrungsmittel, so dass die Rationen für die Flüchtlinge gekürzt werden müssen oder nur eine sehr einseitige Ernährung möglich ist. Die Menschen sind auf Dauer anfällig für Infektionskrankheiten, wie Durchfall, Malaria oder Tuberkulose.

Informationen zur Verbesserung der Ernährungssituation von Flüchtingen finden sie hier:

Ernährung

Wann spricht man von einer Hungersnot?

Eine Hungersnot ist der extreme Mangel an Nahrung meist verbunden mit Hunger, Tod, Elend und ein extrem kritischer Grad an akuter Unterernährung.
Ob ein Mangel an Lebensmitteln als Hungersnot eingestuft wird, hängt von einer Reihe von Indikatoren ab:

  • mindestens 20 Prozent der Familien sind mit extremer Nahrungsmittelknappheit konfrontiert,
  • mindestens 30 Prozent der Kinder leiden an akuter Unterernährung,
  • von 10.000 Menschen sterben jeden Tag mehr als zwei Erwachsene oder vier Kinder.


Das Integrated Food Security Phase Classication (IPC) ist heute das wichtigste Instrument der internationalen Gemeinschaft, um Daten zu analysieren und zu entscheiden, ob in einem Land eine Hungersnot herrscht oder wahrscheinlich in einem Land auftritt.

Im letzten Jahrzehnt wurde zwei Mal von einer Hungersnot gesprochen:
2011: in Teilen von Südsomalia aufgrund von Konflikten, Dürre und schlechter Regenfälle.
2017:  im südsudanesischen Bundesstaat Unity nach drei Jahren Bürgerkrieg, einer maroden Wirtschaft und hohen Lebensmittelpreise.

UNHCR hilft und

  • sorgt für die Erstversorgung von neu ankommenden Flüchtlingen,
  • versorgt unterernährte Kinder mit nährstoffreicher Spezialnahrung,
  • kümmert sich um die Ernährung von schwangeren und stillenden Frauen,
  • richtet Gemeinschaftsküchen ein,
  • verteilt Nahrungsmittelrationen, Küchenutensilien, Öfen und Brennstoffe in Flüchtlingslagern.
kleiner Flüchtlingsjunge

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