21.04.2017

Südsudan: Eine verlorene Generation

Als die südsudanesische Armee Anfang April die Stadt Pajok angriff, flüchtete die Bevölkerung in großer Panik. Unter ihnen auch viele Kinder, wie die 14-jährige Sandra, die von ihren Eltern getrennt wurde.

Die Kinder tragen die größte Last der Gewalt im Südsudan.

Verloren steht Sandra zwischen den erschöpften Neuankömmlingen und sucht nach Verwandten und Freunden. Foto: UNHCR/R.Nuri

Menschen liegen erschöpft auf dem Boden, Männer bauen Unterstände für die Nacht, Mütter und junge Mädchen machen das Essen fertig. Etwas abseits steht Sandra und beobachtet das Geschehen. Tränen laufen über ihre staubigen Wangen, während sie erzählt: "Ich habe keine Nachricht von meinen Eltern und meinen Geschwistern. Ich will nicht an sie denken. Es macht mich so traurig. Ich fürchte, ich werde sie nie wieder sehen."

Bei dem Angriff auf Pajok im Südsudan am 3.April flohen tausende Menschen und versteckten sich im Busch. Mehr als 7.000 Flüchtlinge kamen innerhalb einer Woche nach Ngomoromo, Uganda. Unter ihnen 600 Kinder, die von ihren Eltern getrennt wurden und sich allein durchschlugen.

Manche Mädchen waren auf dem Weg um Wasser oder Feuerholz zu holen, als der Angriff begann; andere verkauften auf dem Markt Gemüse und Früchte oder waren, wie Sandra, in der Schule. “Als die Schüsse begannen, war ich in der Schule. Wir lernten Englischvokabeln. Ich hatte solche Angst. Ich hatte so etwas noch nie gehört. Der Lehrer schrie, wir sollten raus und abhauen. Meine Klassenkameraden und ich waren ganz vorn, er war hinten und passte auf, dass niemand zurückblieb.”

Sandra und ihre Mitschüler liefen zwei Tage durch den Busch bis nach Ngomoromo, ohne Essen oder Wasser. Sandra hat noch immer ihre Schuluniform an. “Als wir ankamen, haben wir viele Menschen gesehen, die auf dem Boden schliefen. Manche saßen am Straßenrand. Aber ich kannte niemanden.”

Besonders gefährdeten Flüchtlingen helfen
Seit die Flüchtlinge in großer Zahl Uganda erreichen, hat das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) eine Anlaufstelle errichtet, um diejenigen zu unterstützen, die besondere Hilfe benötigen. Unter ihnen sind Überlebende sexueller Gewalt, Behinderte, ältere Menschen, allein geflüchtete Mütter und von ihren Verwandten getrennte Kinder, wie Sandra.

Einige Flüchtlingskinder konnten ihre Angehörigen wiederfinden; für viele andere wurden vorübergehend Gastfamilien gefunden.Auch Sandra fand eine ihrer Tanten in Ngomoromo wieder.

“Ich wollte, dass meine Tante bei mir bleibt, doch sie ging zurück in den Südsudan, um nach meinen Eltern zu sehen”, erzählt Sandra. “Jetzt bin ich wieder allein.”

Mehr als 800.000 Flüchtlinge in Uganda
Seit Ausbruch der Gewalt vertreiben die Gewalt, wahllose Angriffe auf die Zivilbevölkerung und der Hunger Millionen Menschen im Südsudan. In Uganda sind mehr als 834.000 Flüchtlinge aus dem Südsudan untergekommen - allein in diesem Jahr kamen 194.000 Menschen über die Grenze. 86 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder, darunter 21.000 unbegleitete Flüchtlingskinder.

"Ein sinnloser Krieg"
“Frauen und Kinder tragen die Hauptlast dieses sinnlosen Krieges”, sagt der UNHCR-Repräsentant in Uganda, Bornwell Katande. "Es ist zwingend erforderlich, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden, aber gleichzeitig müssen die Frauen und Kinder, die Gewalt, Trauma und Missbrauch erfahren haben, in den Aufnahmeländern wie Uganda, besondere Unterstützung erhalten.

Aber die Finanzierungssituation ist schrecklich. Für 2017 haben wir bislang weniger als 10 Prozent der Mittel erhalten. Die internationale Gemeinschaft sollte mehr Verantwortung gegenüber der weltweit am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise übernehmen. Es geht hier um die Zukunft einer ganzen Generation von Kindern, die einen oder beide Eltern verloren haben, die nicht in die Schule gehen können und die ganz einfach Dinge tun wollen, die alle Kinder tun."