03.02.2018

Tansania: Medizinische Hilfe für Flüchtlinge gefährdet

Das Krankenhaus im Flüchtlingslager Nyarugusu in Tansania ist klein und bescheiden. Für die Menschen hier – Flüchtlinge und Einheimische - ist es die einzige medizinische Hilfe. Aufgrund der finanziellen Engpässe, wird es jedoch immer schwieriger diese Hilfe zu erbringen. Es fehlen Medikamente und medizinisches Gerät.

Die kleine Marian, wenige Minuten alt. Foto: UNHCR/G.Goodwin

Mit 17 Jahren kam Tosha Sangan in das Flüchtlingslager Nyarugusu. Jetzt ist sie 32 Jahre alt. Erschöpft, aber glücklich liegt sie neben ihrer kleinen Tochter Marian, die vor nicht mal einer Minute zur Welt kam und sich, in ein Tuch gehüllt, neben ihr auf der Liege ausruht. Tosha floh vor der Gewalt aus der Demokratischen Republik Kongo (DRC) nach Tansania. In dem kleinen Krankenhaus in Nyarugusu sind alle ihre Kinder zur Welt gekommen.

2 Patienten teilen sich ein Bett
In Nyarugusu leben 150.000 Flüchtlinge. 80 Prozent sind Frauen und Kinder. Im Krankenhaus gibt es 121 Betten – manchmal doppelt belegt, weil es an Plätzen mangelt. Zwei Ärzte und fünf Assistenten sind für das Wohl der Kranken verantwortlich. Jeden Monat werden mehr als 7.000 Patienten ambulant behandelt. Etwa 6.000 davon sind Flüchtlinge und 1.000 Einheimische.

Jackson John, 26, arbeitet seit vier Monaten als Hebamme. Gerade versorgt er ein Baby, das zu früh zur Welt kam und weniger als 2,5 Kilo wiegt. Der kleine Junge kämpft ums Überleben. Die Mutter kommt aus einem Dorf in der Nähe. Wenn es das Krankenhaus in Nyarugusu nicht gäbe, hätte sie 30 Kilometer zum nächsten Krankenhaus zurücklegen müssen.

Bis zu 600 Geburten im Monat
“Manchmal werden grundlegende Medikamente knapp”, erzählt Jackson. “Auf dem lokalen Markt stehen einfach nicht genügend Medikamente zur Verfügung.” Finanzielle Unterstützung sei dringend notwendig, um weiter Hilfe leisten zu können.

Jackson deutet auf eine lange Liste mit Material, die an die Wand genagelt ist. Alles ist hoffnungslos knapp. Jackson erklärt, dass die neun Betten in der Entbindungsstation belegt seien, aber nur eine Sauerstoffmaske, ein Stethoskop, zwei Entbindungszangen und zwei Entbindungsliegen vorhanden seien. Das einzige Ultraschallgerät des Krankenhauses müsste repariert werden.

“Ich arbeite seit 10 Jahren in diesem Krankenhaus”, erzählt Dr. Florence. “In dieser Zeit ist es immer schlimmer geworden. Besonders 2015, als so viele Flüchtlinge aus Burundi kamen. Malaria ist unser größtes Problem. Wir haben Medikamente, aber der Nachschub ist nicht immer gegeben.  Normalerweise haben wir etwa 600 Patienten am Tag und wenn es regnet werden es bis zu 900.”

Unterfinanzierung bedeutet wenig Medikamente und medizinische Ausstattung
Ein weiteres Problem, so die Ärztin, seien die Lebensmittelkürzungen. Die akute Unterernährung sei seitdem im Flüchtlingslager von einem Prozent auf 2,4 Prozent gestiegen.

Ebinda Nyota floh vor 20 Jahren vor dem Krieg aus der DRC. Sie ist jetzt 62 Jahre alt und arbeitet im Krankenhaus als traditionelle Hebamme. Ebinda hilft den jungen Müttern und Neugeborenen. Oft kommt sie hungrig zur Arbeit. “Es ist schwierig” erzählt sie. “Zu Hause hatten wir Fisch und Fleisch. Hier haben wir Mehl und Mais.”

Lebensrettende Hilfe
Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) arbeitet an einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung im Flüchtlingslager Nyarugusu. Die Entbindungsstation im Krankenhaus wird momentan erweitert, damit dort vier weitere Entbindungsliegen stehen können. Aufgrund der dramatischen Unterfinanzierung sind diese Hilfsmaßnahmen jedoch weiter gefährdet.

Tosha schmiegt die kleine Marian an sich, froh, dass die Geburt gut verlaufen ist: “Es ist ein schwieriges Leben, aber ich bin für die Hilfe von UNHCR und den Mitarbeitern im Krankenhaus sehr sehr dankbar.”