09.12.2015

UNHCR: Studie über syrische Flüchtlinge in Griechenland veröffentlicht

Die Überquerung des Mittelmeeres ist gefährlich, das Risiko zu Ertrinken ist groß. Trotzdem kommen die Flüchtlinge jeden Tag mit kleinen Schlauchbooten an den Küsten Griechenlands an. 800.000 waren es allein 2015. UNHCR veröffentlicht die Ergebnisse einer Befragung unter mehr als 1.200 syrischen Flüchtlingen, die zwischen April und September nach Griechenland flüchteten.

Bootsflüchtlinge vor Lesbos.

Flüchtlinge kommen mit ihrem Schlauchboot vor der Küste von Lesbos an. Foto: UNHCR/I.Prickett

Es fliehen die Jungen und gut Ausgebildeten

Die meisten fliehen vor dem Konflikt in Syrien. Es sind die Jungen, die gut Ausgebildeten, die Hoffnung des Landes: Der Großteil ist jünger als 35 Jahre und hat einen höheren Schulabschluss oder sogar eine Universitätsausbildung.

Die größte Gruppe waren Studenten oder Arbeitnehmer, darunter Kaufleute, Schreiner, Elektriker, Klempner, Ingenieure, Lehrer, Rechtsanwälte, Ärzte und Apotheker, Bäcker, Designer, Friseure und IT-Spezialisten. Über die Hälfte von ihnen stammen aus Damaskus und Aleppo, den größten Städten Syriens.

63 Prozent der Befragten waren im Jahr 2015 aus Syrien geflohen. Und 85 Prozent sagten, sie hätten Griechenland beim ersten Versuch erreicht. Mindestens 37 Prozent, der Interviewten hatten weniger als einen Monat in einem anderen Land verbracht - der Großteil weniger als drei Monate.

91 Prozent, die sich in einem anderen Land aufgehalten hatten, bevor sie nach Europa kamen, hatten nicht in Flüchtlingslagern sondern in privaten Wohnungen gewohnt. Nur eine Handvoll hatte zuvor in einem Flüchtlingslager gewohnt.

Die meisten Befragten gaben an, keine besonderen Bedürfnisse zu haben. Sie flohen über das Mittelmeer, weil es in Syrien und den Erstzufluchtsländern schwierig sei, Arbeit zu finden und sie Angst um ihre Sicherheit haben. Etwa sechs Prozent waren unbegleitet Minderjährige, fünf Prozent sagten, sie seien misshandelt worden, drei Prozent waren alleinerziehend.

Familienmitglieder in Syrien zurückgeblieben

Ein Viertel der Befragten suchte noch nach Familienmitgliedern in Syrien. Jeder Fünfte war von Familienmitgliedern in Syrien getrennt worden. 58 Prozent gaben an, sie würden später gern Familienangehörige in ihr Asylland nachholen.

Die meisten der Neuankömmlinge gaben an, um Asyl in Deutschland bitten zu wollen. Das zweite Land war Schweden. Als Gründe für die Präferenz wurden Familienangehörige, die mögliche Unterstützung von Flüchtlingen, Arbeits- und Weiterbildungsmöglichkeiten genannt.

Auf der Suche nach Sicherheit und Frieden

"Die Syrer riskieren ihr Leben und das Leben ihrer Kinder, um nach Europa zu kommen, auf der Suche nach Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten - auf der Suche nach einem Leben in Sicherheit und Frieden," erklärt Diane Goodman, stellvertretende Leiterin des UNHCR-Büros für Europa. "Gäbe es legale Wege nach Europa zu kommen – sei es durch Familienzusammenführung, Studenten oder Arbeitsvisa, private Vermittlung oder mehr Resettlement-Plätze – wäre es sicherer, geordneter und vor allem menschlicher."

Ein Überblick über die Flüchtlingsbevölkerung zu bekommen, ist wichtig, um die Aufnahmeländer in Europa zu einer Zusammenarbeit bei der Aufnahme und Behandlung der Flüchtlinge zu bringen.  Goodman betont: "Nur wenn die Regierungen, UNHCR und die Partner diese Informationen haben, können wir den Familien wirklich helfen und ihnen den Schutz geben, den sie brauchen." Weitere Erhebungen sind geplant, um die Zahlen repräsentativer zu machen und auch andere Flüchtlingsgruppen, aus Ländern wie Afghanistan oder den Irak einzuschließen.

Die komplette Studie finden Sie hier zum Download: Syrische Flüchtlinge in Griechenland