15.05.2017

Irak: Zahl der Flüchtlinge aus Mossul steigt auf 630.000

Im Norden des Irak eröffnete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) etwa 60 km von der umkämpften Stadt Mossul ein neues Lager, da immer mehr Familien zur Flucht gezwungen sind. Gleich nach der Fertigstellung leben dort bereits fast 500 Kinder, Frauen und Männer. Mittlerweile sollen 630.000 Menschen die Stadt verlassen haben.

Neues Flüchtlingslager für Flüchtlinge aus Mossul eröffnet.

Fawaz und seine Familie vor dem neuen Zelt. Foto: UNHCR/C.Gluck

Nothilfe für geflüchtete Familien
Jede Familie, die im Flüchtlingslager Hasansham U2 ankommt, erhält ein Zelt und ein Nothilfepaket, in dem Decken, Plastikplanen, Matten, Kocher, Wasserkanister und ein Küchenset enthalten sind. 1.000 Zelte für über 6.000 Menschen stehen bereit. Insgesamt können mehr als 9.000 Menschen in Hasansham U2 unterkommen.

“Wir rannten; meine Frau trug unsere acht Monate alte Tochter und ich trug meine andere Tochter.  Es war schrecklich; wir sahen so viele Leichen auf dem Weg und irgendwann wurde meine Frau ohnmächtig und noch immer haben die Kinder Albträume und wachen schreiend auf,” erzählt Fawaz, ein Marktarbeiter aus Mushaifa in Mossul.

Die Neuankömmlinge berichten von einer immer schwieriger werdenden Lage in Mossul. Es gäbe schwere Kämpfe und Bombardierungen. Die Grundversorgung sei zusammengebrochen und es mangele an Wasser, Lebensmitteln und Benzin. Familien berichten, sie hätten mit einer Mahlzeit am Tag auskommen müssen, manchmal nur mit Brot oder Mehl und Wasser mit etwas Tomatenmark.

“Es ist ein Wunder hier zu sein”, sagt Fawaz´ Frau. Ihr machen die hohen Temperaturen, die schon jetzt im Flüchtlingslager herrschen zu schaffen - manchmal bis zu 36 C°. “Wir sind vor den Bomben geflüchtet und die Kinder sind nun sicher. Das Haus, in dem wir gewohnt haben  ist durch eine Granate zerstört. Wir hatten nichts mehr zu Essen; wir haben nur Mehl und Wasser gegessen. Und wir haben nichts, wohin wir zurück können … wir haben nichts mehr.”

Weitere Flüchtlinge erwartet
Auch sechs Monate nach Beginn der Offensive auf Mossul fliehen noch immer viele Menschen, obwohl die Flucht aus der Stadt sehr gefährlich ist. Die irakischen Behörden sprechen von mehr als 630.000 Menschen, die aus der Stadt geflohen seien. 434.000 Menschen seien allein seit Mitte Februar aus dem Westen Mossuls geflohen.

Weitere Fluchtbewegungen aus diesem Teil der Stadt werden erwartet. Darum werden im Moment neue Flüchtlingslager errichtet, um die Menschen in Not zu unterstützen. Das momentan im Bau befindliche Flüchtlingslager al Salamiya2 soll bis zu 60.000 Flüchtlinge aufnehmen können.

Doch die humanitäre Arbeit zur Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen im Irak wird von der fehlenden finanziellen Unterstützung überschattet. Momentan sind nur 18 Prozent der Nothilfe finanziert.

UNHCR wiederholt seinen Appell an alle kämpfenden Parteien, sicherzustellen, dass Zivilisten die  umkämpften Gebiete verlassen und sich in sichere Regionen begeben können. Auch dürften Zivilisten nicht gezwungen werden, in unsichere Regionen zurückzukehren.