15.03.2017

Jemen: Kämpfe vertreiben über 62.000 Menschen

Andauernde Kämpfe im Westen und der Mitte Jemens haben in den letzten sechs Wochen mehr als 62.000 Menschen zur Flucht gezwungen.

Jemen Nothilfe

Binnenvertriebene aus Mokha erhalten eine Hilfslieferung. Foto: UNHCR/S.Mantoo

"Frieden für meinen Jemen”
Als die Kämpfe im vergangenen Monat immer näher an die Hafenstadt Mokha kamen, entschloss sich Aminas* Familie schließlich zu fliehen, um ihr Leben zu retten. “Die Gefahr kam aus der Luft und vom Land. Wir versteckten uns meist im Haus, aber wir wurden fast getötet und unser Haus wurde während der Kämpfe beschädigt, wir mussten gehen”, erzählt die 28-jährige Mutter von drei Kindern.

Zusammen mit zwei Nachbarfamilien zwängten sich Amina, ihr Mann und die Kinder in ein Auto, das sie in Sicherheit bringen sollte. Die 180 US-Dollar teilten sie sich. Für die Fahrt, die normalerweise zwei Stunden gedauerte hätte, brauchten sie acht Stunden, weil sie abgelegene Straßen wählen mussten, um die Kämpfe zu umfahren.

“Wir konnten nichts mitnehmen – kein Essen, Kleidung oder irgendetwas, weil es kaum Platz für all die Menschen gab. Wir haben alles dagelassen”, erklärt Amina. “Als wir in Hudaydah ankamen, hatten wir nichts, aber die Gemeinde war so hilfsbereit. Obwohl sie auch leiden, haben sie uns einen Platz zum Wohnen gegeben und uns geholfen”, fügt sie hinzu. Von UNHCR bekamen sie Matratzen, Decken, Schlafmatten, Eimer und ein Küchenset. Doch trotz aller Hilfe bleibt die Situation der Familie schwierig.

“Das Leben ist schwer. Wir haben nicht genug zu essen und zu trinken und wir sind krank. Viele Leute und ihre Kinder haben Infektionen und die Angst hat unsere Körper und Seelen schwach gemacht”, sagt Amina. “Ich will wieder zurück nach Hause, aber alle Informationen, die ich habe, sagen, dass es zu Hause noch immer nicht sicher ist. Ich will nur Frieden für meinen Jemen.”

Nothilfe dringend erforderlich
“Die meisten Binnenvertriebenen brauchen dringend Hilfe und sind in öffentlichen Gebäuden untergekommen, wie Schulen und Krankenstationen, andere leben in Bauruinen oder einfach unter freiem Himmel”, erläutert UNHCR-Sprecher William Spindler.

Viele der Binnenvertriebenen, darunter viele Kinder, sind mangel- oder unterernährt. Sie leben in beengten Unterkünften, ohne ausreichende sanitäre Einrichtungen, was zur Verbreitung von Krankheiten führen kann.UNHCR und Partnerorganisationen stellen Unterkünfte zur Verfügung und verteilen Hilfsgüter. Doch manche Regionen sind aufgrund der anhaltenden Kämpfe nicht zu erreichen, so dass mehr als 35.000 Vertriebene aus Taizz keine Hilfe bekommen.

Adnan ist 26 Jahre alt. Er floh vor einem Jahr aus Mokha. Kam jedoch mit seiner chronisch kranken Frau und der kleinen Tochter zurück, nur um vor einem Monat erneut vor den Kämpfen aus seinem Haus zu fliehen.

“Vor der momentanen Eskalation der Gewalt haben wir in Taizz gelitten, doch nun ist die Situation nicht mehr auszuhalten”, sagt Adnan. “Wir haben gesehen, wie Menschen vor unseren Augen starben. Andere wurden verletzt. Darum haben wir beschlossen, zu fliehen.”

Jetzt wohnen die drei in einer kleinen Wohnung mit sechs anderen Familien - 22 Menschen teilen sich zwei Zimmer. “Auch wenn es hier nicht einfach ist, so ist es doch besser, als in Gefahr in Taizz zu leben”, fügt Adnan hinzu.* Namen aus Sicherheitsgründen verändert.