Junge schaut aus Fenster in Beirut

Libanon: Stark belastetes Aufnahmeland

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+++ Am 4. August erschütterte eine riesige Explosion Beirut und zerstörte ganze Stadtviertel. Noch immer kämpfen viele Bewohner weiter mit den Folgen. Auch viele Flüchtlinge sind betroffen.

Der UNHCR stellt seine landesweiten Lagerbestände an Unterkunftssets, Plastikplanen, Großzelten und zehntausende andere wichtige Hilfsgüter wie Decken und Matratzen zur sofortigen Verfügung, um die Not zu lindern. +++

Weitere Informationen zur Katastrophe

Jeder siebte Einwohner ein Flüchtling

Im Libanon leben schätzungsweise 1,5 Millionen syrischen Flüchtlingen. Das Land ist eines der am stärksten betroffenen Länder des Krieges in Syrien. Es nimmt mit 15,9% die zweit größte Gruppe an syrischen Flüchtlingen auf. Davor liegt nur noch die Türkei. Darüber hinaus leben im Libanon weitere 18.500 Flüchtlinge aus Äthiopien, Irak, Sudan und aus anderen Ländern, sowie 200.000 palästinensische Flüchtlinge unter dem Mandat der UNRWA.

Im Vergleicht zur Einwohnerzahl, hat der Libanon weltweit am meisten Flüchtlinge aufgenommen. Der Libanon hat 5,5 Millionen Einwohner. Auf sieben Einwohner kommt eine geflüchtete Person.

Der Libanon ist durch eine Wirtschaftskrise, Inflation, hohe Arbeitslosigkeit und eine veraltete Infrastruktur belastet. Darum birgt die hohe Zahl an Flüchtlingen zunehmend die Gefahr, dass soziale Spannungen entstehen und die soziale Stabilität im Land gefährden.

Nahezu 29,5 % der gesamten registrierten Flüchtlingsbevölkerung im Libanon sind Kinder, wobei 7,1 % unter 5 Jahre alt sind.

Die Situation ist hier extrem schlecht. Früher konnten die Nachbarn ihre Schulden bezahlen, aber nun haben sie alle ihre Arbeit verloren. Wir dachten immer, dass es besser wird … dann kam Corona und richtete uns zu Grunde.

Kawkab, 35, hat einen kleinen Laden in der Hafenstadt Tripolis. Ihre Kunden sind Einheimische und Flüchtlinge. Ihre Eltern kamen selbst aus Homs in Syrien in den Libanon. Aufgrund der Wirtschaftskrise und den Corona-Maßnahmen kommt sie nun selbst kaum mehr über die Runden.

Leben in Armut

Für Flüchtlinge ist das Leben im Libanon ein täglicher Kampf, da viele nur über geringe oder keine finanziellen Mittel verfügen. 50 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze. Viele Flüchtlinge überleben nur mit kleinen Jobs im informellen Sektor. Durch die Corona-Maßnahmen haben viele von ihnen ihre Arbeit verloren.

Es gibt im Libanon keine formellen Flüchtlingslager. Infolgedessen leben die syrischen Flüchtlinge in mehr als 2.100 städtischen und ländlichen Gemeinden und Orten verstreut. Sie teilen sich oft kleine, einfache, manchmal provisorische Unterkünfte mit anderen Flüchtlingsfamilien unter überfüllten Bedingungen.

Extreme Wetterbedingungen

Während im Sommer hohe Temperatur im Libanon herrschen, ist der Winter meist nass und kalt. Viele der Flüchtlinge leben in provisorischen Unterkünften, Zelten oder mit Planen abgedeckten Hütten, die nicht auf die Winterstürme ausgerichtet sind. Bei starkem Regen werden oftmals Behausungen geflutet und die eisigen Temperaturen sorgen für schwere Lebensverhältnisse.

Der UNHCR leistet Winterhilfe und versorgt die Familien mit Decken, Öfen und warmer Kleidung. Langfristig ist da Ziel die Menschen in stabilen Unterkünften und Wohnungen unterzubringen.

 

Herausforderung COVID-19

Durch die Verbreitung des Coronavirus und den Maßnahmen zur Bekämpfung wird die ohnehin schon schwache Volkswirtschaft und das Gesundheitssystem stark belastet. Viele Geflüchtete haben ihre Arbeit verloren und haben nun noch weniger Möglichkeiten, ihren Alltag eigenständig zu bewältigen.

Die Maßnahmen, die der UNHCR im Kampf gegen Covid-19 ergreift:

  • Schulung von Mitarbeitern und Flüchtlingen mit medizinischen Vorkenntnissen
  • Einrichtung von Isolierstationen
  • Lieferung von medizinische Ausstattung
  • Unterstützung von öffentlichen Krankenhäusern, um zusätzliche Kapazität aufzubauen.

 

Was macht der UNHCR vor Ort?

Im Mittelpunkt der Arbeit des UNHCR im Libanon steht das Ziel, den Schutz und die Würde von Flüchtlingen zu erhalten. Gerade angesichts zunehmend restriktiver Bedingungen und Maßnahmen, die die Einreise von syrischen Flüchtlingen ins Land beschränken sollen, ist das Eintreten für die Einhaltung internationaler Standards im Flüchtlingsschutz und für die Rechtsstaatlichkeit ein zentraler Bestandteil der Arbeit des UNHCR.

Der UNHCR

  • registriert ankommende Flüchtlinge,
  • bietet Rechtsberatung an,
  • unterstützte Familien mit Bargeldhilfen, damit sie die Möglichkeit haben, ihre Grundbedürfnisse wie Miete, Lebensmittel und Medizin zu bezahlen,
  • unterstützt lokale und institutionelle Maßnahmen zum Schutz von Kindern und vor sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt,
  • unterstützt den Ausbau von Schulen, Lerngruppen und Stipendien für Studenten,
  • stellt Winterhilfe zur Verfügung: Winterkleidung, Bau- und Isoliermaterial für schlecht ausgerüstete Unterkünfte,
  • unterstützt Gemeindezentren, in denen Flüchtlinge Beratung, Weiterbildungsprogramme und psychosoziale Hilfe erhalten.


Eine lokale Integration der Flüchtlinge wird von der libanesischen Regierung als Option abgelehnt. Aus diesem Grund ist der UNHCR dauerhaft auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen außerhalb des Landes.

Im Jahr 2020 plant der UNCHR, rund 9000 Flüchtlinge in ein sicheres Drittland umsiedeln zu können. Die Verfügbarkeit dieser sogenannten Resettlement-Plätze liegt weit unter dem Bedarf. Es ist also dringend notwendig, dass Staaten weitere Plätze anbieten.

Desweiteren unterstützt der UNHCR Flüchtlinge, die in ihr Heimatland zurückkehren wollen. So bekommen sie zum Beispiel Informationen über die Lage in ihrer Heimatregion und Unterstützung, wenn notwendige Papiere fehlen.