Nordafrika

Flüchtlinge in Nordafrika und dem Nahen Osten

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Flucht vor gewaltsamen Konflikten und politischer Instabilität

Die Menschen im Nahen Osten und Nordafrika – der sogenannten MENA-Region - leiden unter vielen komplexen Krisensituationen. Gewaltsame Konflikte, Armut und politische Instabilität, führen zu Vertreibung, Menschenhandel und Ausbeutung. In dessen Folge steigt die Zahl der Vertriebenen und Flüchtlinge stetig an. So lebten Ende 2021 insgesamt 16 Millionen gewaltsam vertriebene und staatenlose Menschen in der Region, ein Jahr zuvor waren es noch 15,8 Millionen. Die Lage in vielen Regionen wird sich voraussichtlich auch 2022 nicht entspannen.

COVID-Pandemie verstärkt Not in der MENA-Region

Die COVID-19-Pandemie hat vielen Flüchtlingen ihre mageren Lebensgrundlagen genommen. Die angespannte wirtschaftliche Situation vermehrt die Arbeitslosigkeit und belastet das Sozialsystem vieler Länder. Die verschlechterte wirtschaftliche Lage macht Flüchtlinge und Vertriebene verwundbarer, so dass sie weiteren Risiken ausgesetzt sind:

  • Räumung von Mietwohnungen,
  • Abbruch von Schule und Ausbildung,
  • sexuelle Ausbeutung,
  • geschlechtsspezifische Gewalt.

Diese Situation stellt Hilfsorganisationen vor erhebliche Herausforderungen und macht die UNHCR-Schutz- und Hilfsbemühungen immer wichtiger.

Jeder Tag ist ein Kampf um das Überleben. Wir wissen nicht, ob wir etwas zu Essen haben werden.

Hamamah (16) in Schwarz umringt von ihren Geschwistern. Sie mussten vor schwerer Gewalt in ihrer Heimatstadt Taiz im Jemen fliehen.

Hilfsbedarf steigt weiter an

Die Instabilität in der Region, Grundursache von Flucht und Vertreibung, verursacht hohe menschliche und wirtschaftliche Kosten. Das Budget des UNHCR für die MENA-Region beläuft sich im Jahr 2022 auf mehr als 1,1 Milliarden US-Dollar.

Der Hilfsbedarf im Irak, in Jordanien, im Libanon, in Syrien und im Jemen macht dabei fast 90 Prozent des Gesamtbedarfs aus.

  • In Syrien wird erwartet, dass Inflation, Ernährungsunsicherheit, Wasserknappheit und bewaffnete Zusammenstöße, den Bedarf an humanitärer Hilfe im Jahr 2022 weiter erhöhen werden.
  • Im Irak dürfte das politische und sicherheitspolitische Umfeld herausfordernd bleiben.
  • Und die Situation in Libyen wird voraussichtlich weitergehende Auswirkungen auf Nordafrika haben.
  • Angesichts der weiteren Unsicherheit in der Sahelzone könnten Menschen in gemischten Flucht- und Migrationsbewegungen zunehmend Schutz in nordafrikanischen Ländern suchen und versuchen nach Europa zu kommen.
  • Im Jemen besteht die Gefahr, dass der anhaltende Bürgerkrieg die humanitäre Krise im Jahr 2022 weiter verschärft.


Was bedeutet MENA?

Welche Staaten zur MENA-Region gehören und welche nicht, ist nicht genau festgelegt. Es ist die Abkürzung von „Middel East & North Africa“, die Finanzexperten häufig verwenden und umfasst normalerweise das Gebiet von Marokko im Westen bis zum Iran im Osten.

Mit Blick auf die globale ökonomische Stabilität, ist die Region für ihre großen Erdöl- und Erdgasvorkommen bekannt. Gleichzeitig ist die Region jedoch von anhaltenden Bürgerkriegen in Syrien, Irak, Libyen und Jemen geprägt.

Transitländer in Nordafrika

Die nordafrikanischen Länder, wie Ägypten, Libyen und Tunesien, werden besonders als Transitländer genutzt. Viele Vertriebene durchqueren die Länder, um in sicherere Länder zu gelangen. Aus Libyen berichten Flüchtlinge und Migrant*innen von schrecklichen Zuständen, von Gewalt und menschenunwürdigen Behandlungen. Im Januar 2020 musste der UNHCR die Arbeit in einem Transitzentrum aus Sicherheitsgründen einstellen.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Trotz der Unsicherheit und des oftmals eingeschränkten Zugangs zu Krisenregionen, führt der UNHCR seine Arbeit in der Region fort. Die Hilfe erreicht sowohl die Bevölkerung in den jeweiligen Ländern als auch nordafrikanische Flüchtlinge und Migrant*innen.

Im Jahr 2022 bleibt die regionale Schutz- und Lösungsstrategie des UNHCR darauf ausgerichtet, den Zugang zu Sicherheit und Asyl, einen würdigen Schutzraum und einen Weg zu Lösungen für alle betroffenen Gruppen zu gewährleisten. Der UNHCR sucht nach lokalen Möglichkeiten, um die Eigenständigkeit der Geflüchteten zu stärken, und wird seine Hilfsleistungen für Resilienzprogramme und längerfristige Lösungen erhöhen. Die direkte Schutzfunktion des UNHCR ist von entscheidender Bedeutung, da die Region nur wenige nationale Asylgesetze hat und nur begrenzten Zugang zu Lösungen für Vertreibungssituationen bietet.

Die Flüchtlings- und Binnenvertriebenen-Programme des UNHCR, wie die zum Beispiel im Libanon und im Jemen, werden die Bemühungen zur Förderung des friedlichen Zusammenlebens verstärken. Angesichts der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Risiken in verschiedenen Ländern der Region wird UNHCR starke Koordinierungsplattformen wie den Regionalen Flüchtlings- und Resilienzplan und die Zusammenarbeit mit Entwicklungsakteuren stärken und dadurch seine Führungs- und Koordinierungsrolle in der Reaktion auf Flüchtlinge und Binnenvertriebene beibehalten.

Im Rahmen seiner COVID-19-Hilfe wird der UNHCR sich dafür einsetzen, dass schutzbedürftige Personen in die nationalen öffentlichen Gesundheitssysteme einbezogen werden - einschließlich Impfkampagnen. Und um die sozioökonomischen und schutzbezogenen Auswirkungen von COVID-19 abzumildern, wird der UNHCR sich insbesondere auf seine Bargeldprogramme konzentrieren, die bereits positive, unmittelbar mildernde Wirkungen gezeigt haben, indem sie die Armut sowohl unter den gewaltsam Vertriebenen als auch in den Aufnahmegemeinschaften verringert haben.

Im Jahr 2022 wird der UNHCR zudem die Erfüllung der im Rahmen des Global Compact on Refugees und des Global Refugee Forum gemachten Zusagen unterstützen und sich dafür einsetzen, dass Länder und Partner ihre Prioritäten an den Zielen der SDGs und der „Leave no one behind“-Agenda ausrichten. Von den 65 Zusagen in Bezug auf die Region sind 22 derzeit in Bearbeitung, fünf wurden erfüllt, zwei befinden sich im Planungsprozess und bei 36 Zusagen stehen Statusaktualisierungen aus.

Die UNHCR-Hilfe in 2021: Das wurde bereits in der MENA-Region erreicht

Den Eckpfeiler der UNHCR-Unterstützung für Millionen Flüchtlinge und Vertriebene in der MENA-Region stellt die Bargeldhilfe dar. Die ein wichtiges Instrument im Flüchtlingsschutz darstellt. Insgesamt erhielten 2021 6,2 Millionen Menschen Bargeldhilfe – darunter über 2 Millionen syrische Flüchtlinge und 1,4 Millionen vertriebene Jemeniten.

In Libyen appellierten der UNHCR und seine Partner an der Freilassung inhaftierter Vertriebener und führten 400 Besuche in Haftanstalten durch. Doch die Hilfe des UNHCR wurde eingeschränkt, nachdem Sicherheitsbedenken zur Schließung seines Gemeindezentrums in Tripolis zwangen.

In Tunesien informierte der UNHCR Flüchtlingsgemeinschaften über Reiserisiken und den verfügbaren Schutz und die verfügbare Unterstützung.

In Algerien erneuerte der UNHCR die Wasserversorgung und Gesundheitseinrichtungen für saharauische Flüchtlinge in der Nähe von Tindouf, während es in Mauretanien Schutz und Hilfe für 67.500 malische Flüchtlinge im und um das Lager Mbera bot.
Alle Länder der Region haben Flüchtlinge in ihre nationalen COVID-19-Impfpläne aufgenommen und mit deren Impfung begonnen. Der UNHCR unterstützte ihre Anti-Covid-Maßnahmen und half, die weitreichenden Auswirkungen von COVID-19 abzumildern, einschließlich die Lernhindernisse für 2,2 Millionen Schulkinder.

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