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Seenotrettung Flüchtlingskrise Mittelmeer
© UNHCR/Andrew McConnell

Flüchtlingskrise Mittelmeer

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Flucht nach Europa

Schon seit Jahren fliehen Menschen aus den Krisenregionen der Welt über das Mittelmeer nach Europa – mit verheerenden Auswirkungen: Im Jahr 2016 ertranken über 5.000 Menschen im Mittelmeer. 2017 starben oder verschwanden laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mehr als 3.100 Geflüchtete, 2018 waren es mehr als 2.200 Tote und Vermisste, 2019 1.335 Menschen und 2020 fanden 1.401 Menschen den Tod bei der Flucht über das Mittelmeer oder sind vermisst.

Mehr als 850 Menschen haben in den ersten Jahreshälfte 2021 die Überfahrt übers Mittelmeer nicht überlebt oder werden vermisst. Die Zahl der Toten und Vermissten können jedoch nur Schätzungen sein. Die genaue Zahl der Opfer wird für immer im Dunkeln bleiben.

Obwohl die Zahl der Ankünfte über die Mittelmeerroute seit 2016 stark gesunken ist (2016: 373.652 Menschen; 2017: 185.139 Menschen; 2018: 141.472 Menschen; 2019: 123.663 Menschen; 2020: 95.031 Menschen), bleibt der Weg übers Mittelmeer die tödlichste Seeroute der Welt.

Der UNHCR fordert eine stärkere Koordinierung und mehr Solidarität der EU-Mitgliedsstaaten sowie erhöhte Such- und Rettungskapazitäten und eine Regelung zur Anlandung. Denn der Schutz von Leben und grundlegenden Menschenrechten muss weiterhin Priorität haben. Die Rettung auf See ist ein humanitärer Imperativ und eine Verpflichtung nach dem Völkerrecht.

Weitere Informationen zur Seenotrettung

Dies gilt auch und besonders in Coronazeiten und den damit einhergehenden erschwerten Umständen. Quarantäne, Gesundheitschecks und andere Maßnahmen können dabei helfen, den legitimen Anliegen der öffentlichen Gesundheit der Mittelmeer-Anrainerstaaten gerecht zu werden, ohne die Rettung und Evakuierung von in Seenot geratenen Booten zu verzögern und Menschenleben zu gefährden.

95.031
Ankünfte

in 2020

1.401
Menschen

2020 verstorben/vermisst

4.602
Kinder

flüchteten 2020 nach Griechenland

Warum wagen Menschen die lebensgefährliche Flucht?

Die grausamen Zahlen von Toten und Vermissten verdeutlichen, wie verzweifelt die Menschen sind, die ihr Leben bei einer Flucht über das Meer riskieren: Sie fürchten um ihr Leben. Sie suchen nach Schutz und einem Neuanfang. Sie sehen in ihrer Heimat oder den angrenzenden Nachbarländern keine Perspektive mehr – weder für sich, noch für ihre Kinder. Darum wagen sie die Flucht in seeuntauglichen Schlauchbooten und in den Händen skrupelloser Schlepper*innen. Viele unter ihnen werden Opfer von Gewalt und Ausbeutung.

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Seenotrettung Flüchtlingskrise Mittelmeer

Eine europäische Lösung ist nicht in Sicht

Eine europäische Einigung über den Umgang mit den Flüchtlingen ist in den vergangenen Monaten nicht erzielt worden. Die Notleidenden sind die Flüchtlinge, die sich nun in einer Sackgasse befinden. Zurückkehren können sie nicht, aber einen Zufluchtsort haben viele von ihnen auch noch nicht gefunden.

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, appellierte deshalb an die Regierungen dieser Welt endlich zu handeln, denn solange es keine legalen Alternativen gibt, werden Flüchtlinge sich weiterhin in die Hände von Schlepper*innen begeben und ihr Leben riskieren.

Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die in Europa ankommen, zu reduzieren, ohne gleichzeitig Frieden, Entwicklung und sichere Wege zu verstärken, ist moralisch inakzeptabel.

Fluchtrouten verlagern sich

Je nach Situation und Risiko verändern sich die Routen, die die Menschen über das Mittelmeer wählen, in jedem Jahr. Während 2016 die meisten Ankünfte über den Seeweg in Griechenland zu verzeichnen waren, stieg 2018 die Zahl der Neuankömmlinge in Italien und Spanien.

Im Jahr 2020 stieg die Zahl der Ankünfte in Spanien wieder. Insgesamt erreichten 2020 23.023 Flüchtlinge und Migranten die Kanarischen Inseln. 480 Menschen starben bei dem lebensgefährlichen Versuch oder wurden vermisst. Von Januar bis Mai 2021 sind mehr als 4.300 Migrant*innen und Flüchtlinge, darunter auch unbegleitete, schutzbedürftige Kinder, auf dem Seeweg zu den Kanarischen Inseln gelangt. Erst Ende April starben 24 Menschen beim Versuch, die Kanaren per Boot zu erreichen.

Der Grund für die Verlagerung der gewählten Fluchtrouten liegt sicher daran, dass Asylsuchende, die den Seeweg nach Griechenland wählten, sich häufig in überfüllten Aufnahmelagern auf Inseln wie Lesbos mit langen Wartezeiten wiederfanden. Berichte über Push-Backs auf Seerouten und Landesgrenzen sind ebenfalls Entscheidungsfaktoren.

Situation in Griechenland

Wer versuchte, das Meer nach Italien zu überqueren, musste damit rechnen, von der Libyschen Küstenwache abgefangen und inhaftiert zu werden. 2019 sanken darum die Ankunftszahlen in Italien und Spanien und verlagerten sich wieder nach Griechenland.

Situation in Libyen

Weitere Informationen zur Situation am Mittelmeer (auf Englisch) finden Sie hier.

So hilft der UNHCR vor Ort

UNHCR-Helferinnen und Helfer sind sowohl in den betroffenen Regionen Afrikas, als auch in den Ankunftsländern Europas aktiv, um die Mittelmeerregion zu stabilisieren. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützte deshalb Projekte des UNHCR für Schutzsuchende in und auf dem Weg nach Europa.

In Afrika (Algerien, Libyen, Niger, Nigeria, Äthiopien…):

  • Versorgung der Flüchtlinge mit Nothilfegütern
  • Identifizierung von und Hilfe für besonders schutzbedürftigen Personen
  • Zusammenarbeit mit den Regierungen der betroffenen Länder und Unterstützung bei ihren internationalen Verpflichtungen
  • Sensibilisierung und Aufklärung zu Risiken der Flucht
  • Ausbildungsunterstützung für Küstenwachen
     

In Europa (Griechenland, Italien, Spanien…):

  • Aufnahme und Begleitung von Asylsuchenden
  • Versorgung mit Nothilfegütern
  • Technische Hilfe bei Errichtung von Aufnahmezentren
  • Identifizierung von und Hilfe für besonders schutzbedürftigen Personen, beispielsweise Minderjährige oder Opfer von Gewalt
  • Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträger*innen, um auf Lösungen für Flucht- und Vertreibungssituationen hinzuwirken
  • Verbesserung der Konditionen von Such- und Rettungsaktionen

 

Unsere Hilfe rund um das Mittelmeer

Unterfinanzierung der Hilfsmaßnahmen

Maßnahmen gegen die Ausbreitung von COVID-19 haben 2020 u.a. zu Grenzschließungen geführt, so dass die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die in Libyen ankamen zurückging. Die Gesamtzahl der Personen, die sich entlang aller Fluchtrouten bewegen, hat sich jedoch nicht wesentlich verringert. Die Abfahrten über den Seeweg aus Algerien, Tunesien und Libyen nahmen zu, während sie von Marokko aus leicht zurückgingen.Insgesamt benötigt der UNHCR im Jahr 2021 um nachhaltig helfen zu können ungefähr 250 Millionen US-Dollar. Im letzen Jahr haben die mangelnden  finanziellen Mittel dazu geführt, dass Programme in essentiellen Bereichen wie der Grundversorgung und der Bildung gekürzt wurden.

So wurden Bargeldhilfen für schutzbedürftige Flüchtlinge in Städten in Nordafrikas, die Berufsausbildung im Tschad, in Ägypten, Äthiopien und im Sudan und die Unterstützung entlang von Fluchtrouten in West- und Nordafrika sowie die Familienzusammenführung in Ägypten, in Äthiopien, in Libyen und im Sudan gestrichen.

Um den Flüchtlingen weiter helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung! Gemeinsam können wir dabei helfen, damit Finanzierungslücken geschlossen werden und lebenswichtige Projekte weiterlaufen können.

So können Sie helfen

Sie möchten Menschen auf der Flucht zur Seite stehen?
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