Seenotrettung Flüchtlingskrise Mittelmeer
© UNHCR/Andrew McConnell

Flüchtlingskrise Mittelmeer

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Flucht nach Europa

Schon seit Jahren fliehen Menschen aus den Krisenregionen der Welt über das Mittelmeer nach Europa – mit verheerenden Auswirkungen. Jedes Jahr werden über 1000 Menschen als vermisst oder verstorben registriert. 2021 starben oder verschwanden laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mehr als 3.100 Menschen.

Schätzungsweise 938 Menschen haben von Januar bis August 2022 die Überfahrt übers Mittelmeer nicht überlebt oder werden vermisst. Die Zahl der Toten und Vermissten können jedoch nur geschätzt werden. Die genaue Zahl der Opfer wird für immer im Dunkeln bleiben.

Seit 2016 sank die Zahl der über die Mittelmeerrout ankommenden Personen weiter. Jedoch steigt die Zahl der Ankommenden sowie der als vermisst oder verstorben gemeldeten Menschen im Jahr 2021 im Vergleich zu 2020 erstmals wieder an.

Ankünfte über die Mittelmeerroute

Anzahl der Vermissten oder Verstorbenen auf See

Quelle: UNHCR

Der UNHCR fordert eine stärkere Koordinierung und mehr Solidarität der EU-Mitgliedsstaaten sowie erhöhte Such- und Rettungskapazitäten und eine Regelung zur Anlandung. Denn der Schutz von Leben und grundlegenden Menschenrechten muss weiterhin Priorität haben. Die Rettung auf See ist ein humanitärer Imperativ und eine Verpflichtung nach dem Völkerrecht.

Weitere Informationen zur Seenotrettung

Dies gilt auch und besonders in Coronazeiten und den damit einhergehenden erschwerten Umständen. Quarantäne, Gesundheitschecks und andere Maßnahmen können dabei helfen, den legitimen Anliegen der öffentlichen Gesundheit der Mittelmeer-Anrainerstaaten gerecht zu werden, ohne die Rettung und Evakuierung von in Seenot geratenen Booten zu verzögern und Menschenleben zu gefährden.

123.318
Ankünfte

2021

3.231
Menschen

2021 verstorben / vermisst

4.620
Geflüchtete

erreichten in der ersten Hälfte 2022 die Kanarischen Inseln

Warum wagen Menschen die lebensgefährliche Flucht?

Die grausamen Zahlen von Toten und Vermissten verdeutlichen, wie verzweifelt die Menschen sind, die ihr Leben bei einer Flucht über das Meer riskieren: Sie fürchten um ihr Leben. Sie suchen nach Schutz und einem Neuanfang. Sie sehen in ihrer Heimat oder den angrenzenden Nachbarländern keine Perspektive mehr – weder für sich, noch für ihre Kinder. Darum wagen sie die Flucht in seeuntauglichen Schlauchbooten und in den Händen skrupelloser Schlepper*innen. Viele unter ihnen werden Opfer von Gewalt und Ausbeutung.

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Seenotrettung Flüchtlingskrise Mittelmeer

Eine europäische Lösung ist nicht in Sicht

Eine europäische Einigung über den Umgang mit den Flüchtlingen ist in den vergangenen Monaten nicht erzielt worden. Die Notleidenden sind die Flüchtlinge, die sich nun in einer Sackgasse befinden. Zurückkehren können sie nicht, aber einen Zufluchtsort haben viele von ihnen auch noch nicht gefunden.

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, appellierte deshalb an die Regierungen dieser Welt endlich zu handeln, denn solange es keine legalen Alternativen gibt, werden Flüchtlinge sich weiterhin in die Hände von Schlepper*innen begeben und ihr Leben riskieren.

Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die in Europa ankommen, zu reduzieren, ohne gleichzeitig Frieden, Entwicklung und sichere Wege zu verstärken, ist moralisch inakzeptabel.
Filippo Grandi

Fluchtrouten verlagern sich

Je nach Situation und Risiko verändern sich die Routen, die die Menschen über das Mittelmeer wählen, in jedem Jahr. Während 2016 die meisten Ankünfte über den Seeweg in Griechenland zu verzeichnen waren, stieg 2018 die Zahl der Neuankömmlinge in Italien und Spanien.

Dabei sind die Zahlen der auf den Kanarischen Inseln in Spanien im Jahr 2021 mit mehr als 23.000 angekommenen Personen gleich im Vergleich zum Vorjahr. Von Januar bis September 2021 erreichten 13.292 Flüchtlinge und Migrant*innen die Kanarischen Inseln. Dabei wird geschätzt, das 1.153 Personen als verstorben oder vermisst gelten, die den Weg über den Atlantischen Ozean genommen haben.

Auch ändert es sich jährlich, aus welchen Ländern die Menschen ihre Überfahrt starten. So stiegt die Überseefahrten aus Libyen in 2021 zum Vorjahr um 150 Prozent. Auch in Tunesien stiegt die Zahl im selben Zeitraum um 61 Prozent.

Der Grund für die Verlagerung der gewählten Fluchtrouten liegt sicher daran, dass Asylsuchende, die den Seeweg nach Griechenland wählten, sich häufig in überfüllten Aufnahmelagern auf Inseln wie Lesbos mit langen Wartezeiten wiederfanden. Berichte über Push-Backs auf Seerouten und Landesgrenzen sind ebenfalls Entscheidungsfaktoren.

Wer versuchte, das Meer nach Italien zu überqueren, musste damit rechnen, von der Libyschen Küstenwache abgefangen und inhaftiert zu werden. Dennoch kamen in Italien mehr als 53.000 Menschen über den Seeweg an, das sind 83 Prozent mehr als in 2020.

Weitere Informationen zur Situation am Mittelmeer (auf Englisch) finden Sie hier.

Unsere Hilfe rund um das Mittelmeer

So hilft der UNHCR vor Ort

UNHCR-Helferinnen und Helfer sind sowohl in den betroffenen Regionen Afrikas, als auch in den Ankunftsländern Europas aktiv, um die Mittelmeerregion zu stabilisieren. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützte deshalb Projekte des UNHCR für Schutzsuchende in und auf dem Weg nach Europa.

In Afrika (Algerien, Libyen, Niger, Nigeria, Äthiopien…):

  • Versorgung der Flüchtlinge mit Nothilfegütern
  • Identifizierung von und Hilfe für besonders schutzbedürftigen Personen
  • Zusammenarbeit mit den Regierungen der betroffenen Länder und Unterstützung bei ihren internationalen Verpflichtungen
  • Sensibilisierung und Aufklärung zu Risiken der Flucht
  • Ausbildungsunterstützung für Küstenwachen
     

In Europa (Griechenland, Italien, Spanien…):

  • Aufnahme und Begleitung von Asylsuchenden
  • Versorgung mit Nothilfegütern
  • Technische Hilfe bei Errichtung von Aufnahmezentren
  • Identifizierung von und Hilfe für besonders schutzbedürftigen Personen, beispielsweise Minderjährige oder Opfer von Gewalt
  • Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträger*innen, um auf Lösungen für Flucht- und Vertreibungssituationen hinzuwirken
  • Verbesserung der Konditionen von Such- und Rettungsaktionen

 

Junge am Strand

So können Sie helfen

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