Klimawandel als Fluchtgrund

Lebensgrundlagen schützen und erhalten

Dürre in Somalia

"Der Klimawandel könnte zum Hauptfluchtgrund werden", prognostizierte schon 2009 der damalige Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, António Guterres, auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen. "Der Klimawandel verstärkt den Wettstreit um die Ressourcen - Wasser, Nahrungsmittel, Weideland - und daraus können sich Konflikte entwickeln."

Neben Menschenrechtsfragen, werden die Auswirkungen des Klimawandels, zunehmende Naturkatastrophen und Umweltzerstörung zu den großen Herausforderungen für die zukünftige Arbeit von UNHCR im 21sten Jahrhundert gehören.

Große Flüchtlingsbewegungen können zudem enorme negative Umweltauswirkung haben. Im Umkreis von Flüchtlingslagern und -siedlungen kann es zu Problemen kommen, wie Abholzung, Überfischung, Wilderei und der Verbrauch ohnehin knapper Wasserressourcen. Konflikte um diese Ressourcen sind eine Gefahr für das Wohlergehen der Flüchtlinge und die Arbeit der Hilfsorganisationen vor Ort.

UNHCR hilft,

  • wenn Flüchtlinge und Vertriebene betroffen sind,
  • unterhält Depots für Material, das im Notfall benötigt wird,
  • versucht die negativen Auswirkungen großer Bevölkerungsbewegungen und die Ansiedlung vieler Menschen auf die Natur zu vermeiden und
  • kämpft für den Schutz und die Rechte von Flüchtlingen, Vertriebenen und Staatenlosen.
Zerstörung durch einen Taifun in Myanmar.

Das Weltklima ändert sich – und das in einer Geschwindigkeit, die die meisten Voraussagen der Wissenschaftler übertrifft. Viele Menschen haben bereits unter den negativen Folgen des klimatischen Wandels gelitten und mussten ihre Heimat auf der Suche nach einem Neubeginn verlassen.

Eine Folge des Klimawandels ist die Verdopplung der Naturkatastrophen in den letzten 20 Jahren. Bei fast jeder Naturkatastrophe müssen die Menschen aus ihren Häusern fliehen, manchmal sogar über Landesgrenzen hinweg.

Jedes Jahr zusätzlich 6 Millionen Vertriebene
Beobachter sagen voraus, dass in den nächsten 50 Jahren zwischen 250 Millionen und einer Milliarde Menschen gezwungen sein werden ihre Heimat zu verlassen. Das sind jedes Jahr mindestens 6 Millionen neue Vertriebene.

Die Menschen werden innerhalb und über Grenzen hinweg fliehen. Sie werden bei einer Katastrophe schnell und in großer Zahl flüchten oder allmählich, wenn die Trockenheit zu groß und das Wasser knapp wird.

Begrenzte natürliche Ressourcen, wie Trinkwasser, werden sicherlich noch knapper. Viele Feldfrüchte und einige Vieharten werden in bestimmten Gebieten nicht überleben können, wenn es zu heiß und trocken oder zu kalt und nass wird. Die Lebensmittelversorgung ist in vielen Regionen der Welt schon jetzt ein Grund zur Sorge.

Klimawandel birgt Konfliktpotential
Die Menschen müssen versuchen, sich an diese Situation anzupassen, aber für viele wird es den bewussten Umzug in eine andere Region bedeuten, um überleben zu können. Die Situation hat das Potential Konflikte zwischen Gemeinden heraufzubeschwören, wenn immer mehr Menschen um immer weniger Ressourcen konkurrieren.

Für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sind die Konsequenzen des Klimawandels enorm.

Welche Auswirkungen massive Flüchtlingsströme auf die Umwelt und das Ökosystem haben können, wurde zum ersten Mal 1994 nach dem Völkermord in Ruanda deutlich, als hunderttausende verängstigter und zu Tode erschöpfter Menschen sich in Regionen flüchteten, die einem solchen Ansturm nicht gewachsen waren.

Auf der täglichen Suche nach Brennholz wurden Millionen von  Bäumen in einem der ältesten noch erhaltenen Wildreservaten Afrikas, dem Virunga-Nationalpark, gefällt. In Tansania verbrauchten die Flüchtlinge mehr als 1,200 Tonnen Holz täglich. Wildtiere darunter auch die gefährdeten Berggorillas wurden gejagt.

Einbeziehung von Umweltaspekten in der Flüchtlingsarbeit
Wiederaufforstung, die Einführung von Solar-Öfen, Förderung der nachhaltige Wasser- und Landwirtschaft, die Sanierung von Lagerflächen nach der Rückkehr und letztlich die Aufklärungsarbeit sind seither wichtiger Bestandteil der Hilfe für Flüchtlinge.

Dabei reicht die Bandbreite der Hilfsprojekte von der Hochtechnologie - Satellitenaufnahmen zur Abklärung des Schädigung von Waldgebieten - bis zur Sammlung von weggeworfenen Weißblechbüchsen und Jutesäcken für den Anbau von Gemüse in den freien Ecken eines überfüllten Flüchtlingslagers. In Jordanien wurde im Flüchtlingslager Azraq eine Solaranlage installiert, die syrische Flüchtlinge mit Strom versorgt.

Innovative Umweltprojekte für Flüchtlinge können einige Cent kosten oder erfordern die Investition von Millionen Euro - sie helfen einer Familie oder einer ganzen Region.