16.01.2015

Syrien: Wachsende Armut unter Flüchtlingen

Große Sorge bereitet den internationalen Organisationen die Situation der syrischen Flüchtlinge in den Nachbarländern. Dort rutscht ein Großteil der Flüchtlinge wegen des Ausmaßes der Syrien-Krise und fehlender internationaler Unterstützung in alarmierendem Tempo in bittere Armut ab und wird abhängig von Hilfsleistungen, so UN-Flüchtlingskommissar António Guterres.

Infografik UNHCR-Report zu Armut unter syrischen Flüchtlingen

Quelle: UNHCR

Laut einem UNHCR-Berichts leben zwei Drittel der syrischen Flüchtlinge in Jordanien unter der Armutsgrenze. Einer von sechs Haushalten befindet sich in bitterster Armut und muss im Monat mit weniger als $40 pro Person auskommen.

Ohne Heizung, Strom oder Toiletten

Die Hälfte der Haushalte, die besucht wurden, hatten keine Heizung, ein Viertel keine verlässliche Stromversorgung und 20 Prozent keine funktionierende Toilette. Für Mietkosten wird die Hälfte des Haushaltseinkommens aufgewandt und sodass viele Flüchtlingsfamilien gezwungen sind Unterkünfte mit anderen zu teilen, um Kosten zu sparen.

"Wenn die internationale Gemeinschaft nicht ihre Unterstützung für die Flüchtlinge erhöht, werden die Familien gezwungen sein noch drastischere Wege zu gehen", sagte UN-Flüchtlingskommissar Guterres. "Mehr Kinder werden nicht mehr zur Schule gehen können, weil sie arbeiten müssen und mehr Frauen werden gezwungen sein sich prostituieren, um zu überleben."

Immer mehr Flüchtlinge abhängig von Hilfe

Fast vier Jahre nach Ausbruch des Konfliktes in Syrien werden immer mehr Flüchtlinge abhängig von Hilfsleistungen. Die Ressourcen und die Infrastruktur Jordaniens stoßen ebenfalls an die Grenzen des Leistbaren. In Jordanien leben 620.000 syrische Flüchtlinge, rund 84 Prozent von ihnen außerhalb von  Flüchtlingslagern. Guterres betonte, sowohl auf der Wirtschaft als auch der ganzen Gesellschaft des Landes ein enormer Druck laste. Hinzu kämen Auswirkungen auf die innere Sicherheit des Landes.

Um dieser kritischen Situation zu begegnen, leistet UNHCR für 21.000 der bedürftigsten syrischen Familien monatliche finanzielle Beihifen. 10.000 weitere Haushalte benötigen ebenfalls Unterstützung, was aufgrund fehlender finanzieller Mittel noch nicht umgesetzt werden konnte.

Internationale Gemeinschaft gefordert

"Die Generosität der jordanischen Bürgerinnen und Bürger sowie der Regierung muss durch eine massive Unterstützung der internationalen Gemeinschaft gewürdigt werden – Unterstützung sowohl für die Flüchtlinge als auch für die einheimische Bevölkerung, die sie aufgenommen hat. Zudem bedarf es Struktur- und Haushaltshilfen für die jordanischen Regierungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wasser- und Energieversorgung, damit diese enorme Herausforderung bewältigt werden kann."

Jetzt downloaden: UNHCR-Report "Living in the Shadows"