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Winter in Afghanistan
© UNHCR/A.McConnell

Afghanistan: Vertriebene in großer Not

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Wenn Unsicherheit und Hunger zum Alltag gehören

Stand: 12.01.2022

Afghanistan ist seit 40 Jahren von Konflikt und Vertreibung geprägt. Die Bevölkerung ist von fortlaufender Unsicherheit, Konflikten und extremen Wetterereignissen bedroht.

Mit dem Abzug der NATO- sowie US-Truppen im Herbst 2021 und der darauf folgenden Machtübernahme durch die Taliban, erlebten große Teile der Bevölkerung erneut Angst und Schrecken. Auch wenn sich die Situation etwas beruhigt hat, befinden sich immer noch rund 9,2 Millionen Afghan*innen innerhalb ihres Landes auf der Flucht oder benötigen als Rückkehrer Hilfe beim Wiederaufbau. 2,2 Millionen Flüchtlinge sind in den Nachbarländern registriert. Weitere 4 Millionen Afghaninnen und Afghanen mit unterschiedlichem Status leben in den Nachbarländern.

Die Grundrechte von Frauen und Mädchen in Afghanistan werden verletzt. Millionen Kinder gehen nicht zur Schule. Bauern und Hirten kämpfen mit der schlimmsten Dürre seit Jahrzehnten. Aufgrund der großen Unsicherheit leidet die Wirtschaft und die Armut nimmt zu. Die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans leidet unter akutem Hunger. Ohne Unterstützung drohen Zehntausende Kinder an Unterernährung zu sterben, warnen UN-Organisationen.

Der UNHCR warnt davor, dass die winterlichen Temperaturen, die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die anhaltende Dürre weiteres menschliches Leid mit sich bringen und appelliert, dass die notleidenden Afghan*innen nicht vergessen werden dürfen.

Hilfe wird dringend benötigt!

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Winter verschlimmert die Not

Zu Beginn des Winters, warnt der UNHCR, dass die humanitäre Krise in Afghanistan eskaliert. Die Temperaturen können in höhergelegenen Regionen auf bis zu -25 °C fallen. Viele Menschen sind vor Kämpfen in ihren Heimatregionen in die Hauptstadt Kabul geflüchtet. Dort hausen sie in Unterkünften, die für den Winter nicht geeignet sind und leiden unter der unzureichender Lebensmittelversorgung im Land.

* Namen wurden aus Sicherheitsgründen verändert

  • Von den rund 700.000 vertriebenen Afghanen, die durch die angespannte Sicherheitslage und Auseinandersetzungen seit Beginn des Jahres geflohen sind, halten sich derzeitig 50.000 in der Hauptstadt Kabul auf.
Die Stadt liegt auf einer Höhe von 1.800 Metern und im Winter sinken die Temperaturen unter Null, vor allen Dingen nachts. Der Winter verschlimmert die Situation der Geflüchteten in Kabul, die in selbstgebauten Unterschlüpfen oder in engen, unbeheizten Räumlichkeiten untergekommen sind.
    © UNHCR/A.McConnell

    Von den rund 700.000 vertriebenen Afghanen, die durch die angespannte Sicherheitslage und Auseinandersetzungen seit Beginn des Jahres geflohen sind, halten sich derzeitig 50.000 in der Hauptstadt Kabul auf.

    Die Stadt liegt auf einer Höhe von 1.800 Metern und im Winter sinken die Temperaturen unter Null, vor allen Dingen nachts. Der Winter verschlimmert die Situation der Geflüchteten in Kabul, die in selbstgebauten Unterschlüpfen oder in engen, unbeheizten Räumlichkeiten untergekommen sind.

  • © UNHCR/A.McConnell

    "Wir haben zu viel Angst um nach Hause zu gehen. Und dann haben wir ja auch kein Zuhause mehr. Dort ist keiner mehr, alle sind geflohen.
    Meine Eltern sind traumatisiert und haben sich noch immer nicht von dem Schock erholt."

    Abdul Sattar*, spielt vor der Tür der Unterkunft mit seiner vierjährigen Tochter. Die achtköpfige Familie geriet vor drei Monaten im Nordosten des Landes zwischen die Fronten von den Taliban und der ehemaligen Regierung. Eine Rakete traf ihr Haus und verwandelte es in Staub und Asche, erzählt Abdul. Sie flohen mit Nichts in die Hauptstadt Kabul. Mit finanzieller Unterstützung vom UNHCR konnten sie eine Unterkunft außerhalb der Stadt beziehen.

     

  • Eine neunköpfige, vertriebene Familie teilt sich ein kleines Stück Brot zum Mittagsessen. Verschiedene Faktoren wie internationale Sanktionen, die schwierige Sicherheitslage und die Einstellung zahlreicher internationaler Hilfeleistungen hat Afghanistan in eine Wirtschaftskrise gestürzt. Dazu kommt die diesjährige Dürre, die wenig Ernte eingebracht hat. Dadurch gibt es derzeit eine extreme Nahrungsknappheit und Experten schätzen, dass die Vorräte schon Mitte des Winters aufgebraucht werden sein. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und die Lebensmittelpreise steigen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, 22,8 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von 40 Millionen hungert.
    © UNHCR/A.McConnell

    Eine neunköpfige, vertriebene Familie teilt sich ein kleines Stück Brot zum Mittagsessen. Verschiedene Faktoren wie internationale Sanktionen, die schwierige Sicherheitslage und die Einstellung zahlreicher internationaler Hilfeleistungen hat Afghanistan in eine Wirtschaftskrise gestürzt.
    Dazu kommt die diesjährige Dürre, die wenig Ernte eingebracht hat. Dadurch gibt es derzeit eine extreme Nahrungsknappheit und Experten schätzen, dass die Vorräte schon Mitte des Winters aufgebraucht werden sein. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und die Lebensmittelpreise steigen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung, 22,8 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von 40 Millionen hungert.

  • Der 8 Monate alte Barkatullah wird im Kinderkrankenhaus in Kabul wegen Mangelernährung behandelt.
Laut UNICEF sind rund 3,2 Millionen Kinder unter 5 Jahren in Afghanistan mangelernährt und 1,1 Millionen Kinder könnten an akuter Unterernährung sterben, wenn sie nicht behandelt werden.
    © UNHCR/A.McConnell

    Der 8 Monate alte Barkatullah wird im Kinderkrankenhaus in Kabul wegen Mangelernährung behandelt.

    Laut UNICEF sind rund 3,2 Millionen Kinder unter 5 Jahren in Afghanistan mangelernährt und 1,1 Millionen Kinder könnten an akuter Unterernährung sterben, wenn sie nicht behandelt werden.

  • Frauen und Kinder betteln vor einer Bäckerei für Brot. Die Wirtschaftskrise und extreme Sicherheitslage hat viele Afghanen, die schon vorher nahe der Armutsgrenze lebten, in extreme Armut gestürzt. Die Zahl der Bettler auf Kabuls Straßen steigt täglich.
    © UNHCR/A.McConnell

    Frauen und Kinder betteln vor einer Bäckerei für Brot. Die Wirtschaftskrise und extreme Sicherheitslage hat viele Afghanen, die schon vorher nahe der Armutsgrenze lebten, in extreme Armut gestürzt. Die Zahl der Bettler auf Kabuls Straßen steigt täglich.

  • “Vor 4 Jahren musste ich der Schule raus. Ich würde gern wieder hingehen, wenn wir ein besseres Leben hätten.”
Der 10jährige Matiullah*, und seine 8 Jahre alte Schwester Hajira*, verkaufen Plastiktüten auf dem Mark. An guten Tagen verkaufen sie 10 Tüten. Mit dem Geld können sie der Mutter und der älteren Schwester helfen. Die Familie ist vor 6 Monaten nach Kabul gekommen, als ihr Haus in Kunduz durch Kämpfe zerstört wurde.
Über 4 Millionen Kinder in Afghanistan können jetzt nicht mehr in die Schule gehen und immer mehr Familien müssen aufgrund der wirtschafltichen Not ihre Kinder arbeiten schicken.
    © UNHCR/A.McConnell

    “Vor 4 Jahren musste ich der Schule raus. Ich würde gern wieder hingehen, wenn wir ein besseres Leben hätten.”

    Der 10jährige Matiullah*, und seine 8 Jahre alte Schwester Hajira*, verkaufen Plastiktüten auf dem Mark. An guten Tagen verkaufen sie 10 Tüten. Mit dem Geld können sie der Mutter und der älteren Schwester helfen. Die Familie ist vor 6 Monaten nach Kabul gekommen, als ihr Haus in Kunduz durch Kämpfe zerstört wurde.

    Über 4 Millionen Kinder in Afghanistan können jetzt nicht mehr in die Schule gehen und immer mehr Familien müssen aufgrund der wirtschafltichen Not ihre Kinder arbeiten schicken.

     

  • Die 22-jährige Najiba* hält ihren Sohn in den Armen. Das 43 Tage alte Baby leidet unter Mangelernährung. Viele Mütter in Kabul können ihre Kinder nicht mehr stillen, weil sie selbst unterernährt sind.
    © UNHCR/A.McConnell

    Die 22-jährige Najiba* hält ihren Sohn in den Armen. Das 43 Tage alte Baby leidet unter Mangelernährung. Viele Mütter in Kabul können ihre Kinder nicht mehr stillen, weil sie selbst unterernährt sind.

  • Anfang Oktober landete einer der ersten Hilfsflüge auf dem Flughafen von Kabul mit 33 Tonnen humanitärer Hilfsgüter für vertriebene Afghanen. Etwa 80 Prozent der nun Vertriebenen sind Frauen und Kinder.
    © UNHCR/B.Baloch

    Anfang Oktober landete einer der ersten Hilfsflüge auf dem Flughafen von Kabul mit 33 Tonnen humanitärer Hilfsgüter für vertriebene Afghanen. Etwa 80 Prozent der nun Vertriebenen sind Frauen und Kinder.

     

  • “Die finanzielle Hilfe von UNHCR ist sehr wichtig, weil ich im Winter keine Arbeit finde – es gibt keine Baustellen. Aber wir müssen Essen und auch warme Kleidung für die Kinder kaufen.”
Mullah Ahmed* hat mit der Unterstützung von UNHCR Feuerholz für den Winter gekauft. Die Familie floh vor 4 Monaten von Jalalabad nach Kabul und lebt in einem Haus, dessen Bewohner selbst vor den Taliban flohen.  
    © UNHCR/A.McConnell

    “Die finanzielle Hilfe von UNHCR ist sehr wichtig, weil ich im Winter keine Arbeit finde – es gibt keine Baustellen. Aber wir müssen Essen und auch warme Kleidung für die Kinder kaufen.”

    Mullah Ahmed* hat mit der Unterstützung von UNHCR Feuerholz für den Winter gekauft. Die Familie floh vor 4 Monaten von Jalalabad nach Kabul und lebt in einem Haus, dessen Bewohner selbst vor den Taliban flohen.  

     

UNHCR warnt vor Hungersnot

Fast 23 Millionen Menschen in Afghanistan haben keine ausreichenden Lebensmittel und 1,1 Millionen Kinder unter 5 Jahren und 800.000 schwangere oder stillende Mütter sind unterernährt. Die Bereitstellung von Nahrungsmitteln zur Vermeidung von Hungersnöten sowie Winterhilfe hat unmittelbare Priorität.

24,4 Millionen Menschen – das sind 55 Prozent der Bevölkerung – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Für die am stärksten gefährdeten Menschen werden dringend weitere Ressourcen benötigt – alleinerziehende Mütter ohne Unterkunft oder Nahrung für ihre Kinder, ältere Menschen, die vertrieben wurden, um verwaiste Enkelkinder zu versorgen, und diejenigen, die sich um Angehörige mit besonderen Bedürfnissen kümmern. Der UNHCR bringt Hilfsgüter mit LKW-Konvois auf der Straße durch die Nachbarländer sowie mit humanitären Luftbrücken ins Land.

Bitte unterstützen Sie die UNHCR-Nothilfe in Afghanistan mit Ihrer Spende!

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Die wichtigsten Zahlen zu Flucht & Vertreibung in Afghanistan

2,2
Millionen

Flüchtlinge in den Nachbarländern

3,5
Millionen

Binnenvertriebene

700
Tausend

neue Binnenvertriebene im Jahr 2021

Zahl der Binnenvertriebenen in Afghanistan gestiegen

Politische, sicherheits- und sozioökonomische Entwicklungen sowie verheerende Dürreperioden führten in den letzten Jahren dazu, dass 3,5 Millionen Afghan*innen als Binnenvertriebene im eigenen Land lebten. Allein 2021 flohen fast 700.000 Menschen innerhalb des Landes. Ein Großteil von ihnen sind Frauen und Kinder. Bis zu 60 Prozent der Binnenvertriebenen sind Kinder und Jugendliche.

Traditionell werden in Afghanistan die Vertriebenen häufig von der lokalen Bevölkerung unterstützt, wobei die Binnenvertriebenen sich auf die Stammesstrukturen und die Hilfe der Familie stützen. Doch diese Unterstützung ist für viele Afghan*innen kaum noch aufrecht zu erhalten, da sie selbst in Armut leben. Mehrfache Vertreibungen sowie die COVID-Pandemie erschweren das Überleben der Binnenvertriebenen stetig.

Ich hole altes Brot vom Bäcker und dann tunken wir es in Wasser, um es weicher zu machen.

Wenn er etwas Geld hat, kauft Ahmed etwas Gemüse. “Feuerholz können wir uns nicht leisten.” Darum verbrennt Ahmed in dem kleinen Ofen Teppichreste und Abfälle von der Straße, damit es die Kinder warm haben. Der Rauch beißt in den Augen.

Mehr zur Situation der Vertriebenen in Afghanistan lesen Sie in unserem Blogbeitrag:

Hunger, Kälte und Verzweiflung

 

Steigender Hilfsbedarf in Afghanistan

Bereits vor dem Abzug der internationalen Truppen und der Machtübernahme der Taliban brauchten Binnenvertriebene, Flüchtlinge und Rückkehrer*innen, sowie die Aufnahmegemeinden dringend Unterstützung. Das Leben der Menschen war und ist geprägt von:

  • Lebensmittelknappheit
  • unangemessenen Unterkünften
  • fehlendem Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung und Rechtsbeistand.

Aus diesem Grund benötigt Afghanistan Unterstützung bei der Stärkung der Infrastruktur sowie der Gemeinden, in denen Vertriebene und Rückkehrer leben. Nur so kann eine nachhaltige Integration oder eine freiwillige Rückführung in die Heimat gelingen.

Aktuell stehen insbesondere Nothilfsmaßnahmen im Fokus. Der UNHCR ist vor Ort und tut sein Möglichstes, um die vertriebenen Afghan*innen zu unterstützen. Trotz der schwierigen Sicherheitslage haben der UNHCR und seinen Partnerorganisationen weiterhin Zugang zu allen Provinzen.

So unterstützte der UNHCR 2021 Flüchtlinge und Vertriebene in Afghanistan

128.000 Personen bekamen Unterstützung, um sich auf die kalten Wintermonate vorzubereiten.

270.900  Menschen erhielten Pakete mit Hilfsgütern.

29.500 Menschen bekamen finanzielle Unterstützung, um ein Dach über dem Kopf zu haben.

15.100 Menschen erhielten Solarpanelen.

Frauen in Afghanistan sind besonders bedroht

Rund 80 Prozent, der Menschen, die sich seit Ende Mai in Afghanistan auf der Flucht befinden, sind Frauen und Kinder. Ihre Lebensbedingungen sind besonders dramatisch und besorgniserregend.

Nach dem Sturz des Taliban-Regime im Jahr 2001 hatte sich die Situation der Frauen zunächst verbessert. Mädchen konnten zur Schule gehen, Frauen studieren, einen Beruf ausüben oder auch selbständig sein. Die Zahl der Uniabsolventinnen stieg stetig und Afghanistan konnte sogar eine erste Wirtschaftsministerin verabschieden. Doch die Erinnerung an die Schreckensherrschaft der Taliban war noch stets präsent – besonders bei den Frauen. Auch zwei Jahrzehnte nach Anbruch einer neuen Ära, war die Sicherheitslage der Frauen schwierig. Immer wieder wurden sie gezielt Opfer von Femiziden, sexualisierter Gewalt und Bombenangriffen. Es kam wiederholt zu Anschlägen auf Geburtsstationen und Mädchenschulen.

Seit dem Abzug der internationalen Truppen und spätestens seitdem die Taliban die Hauptstadt Kabul zurückerobert haben, fürchten die Frauen nun den Verlust ihrer Selbstbestimmung, der hart erkämpften Rechte und Freiheiten. Sie haben Angst vor sexualisierter Gewalt, bangen um die Zukunft ihrer Kinder und um ihr eigenes Leben. Die Taliban verfolgen das Ziel eines patriarchalen Gewaltsystems: eines Islamischen Afghanischen Emirates, in dem das Gesetz der Scharia gilt, in der Frauen- und auch andere Menschenrechte keine Gültigkeit mehr besitzen. Aktivist*innen oder Frauenrechtler*innen sind derzeit besonders in Gefahr. Die Frauen sind in Todesgefahr und fühlen sich alleine gelassen, wissen nicht was sie tun sollen und sind den Taliban schutzlos ausgeliefert. Sie brauchen so dringend wie nie internationale Hilfe. 

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"Das ist wichtig für uns. Mit dem Einkommen, das wir verdienen, können wir unseren Lebensunterhalt verdienen."

Die 40-jährige Khatima, Mutter und Rückkehrerin aus Pakistan, webt einen Kelimteppich. Ihre Arbeit ist eine wichtige Einnahmequelle für die Familie, da ihr Mann aufgrund gesundheitlicher Probleme kein stetiges Einkommen einbringen kann. Der UNHCR unterstützt Khatima mit Materialien für die Herstellung der Teppiche.

Wie hilft der UNHCR in Afghanistan?

Bis zur erneuten Machtübernehme durch die Taliban konnte der UNHCR in vielen verschiedenen Regionen und Bereichen die hilfsbedürftigen Vertriebenen unterstützen. Dies gehörte bis dahin zu seinen Hilfsmaßnahmen:

Der UNHCR

  • … leistet lebensrettende Nothilfe vor Ort, indem Notunterkünfte und andere Hilfsgüter zur Verfügung gestellt werden.
  • … stellt sicher, dass internationales Recht eingehalten wird und eine Rückkehr freiwillig, sicher und in Würde erfolgt.
  • ... berät die Menschen vor Ort bei rechtlichen Fragen und bietet psychosoziale Unterstützung.
  • … unterstützt in Regionen mit einer besonders hohen Zahl von Binnenvertriebene und Rückkehrer*innen, damit die Menschen sich eine eigene Lebensgrundlage aufbauen können.
  • ... verbessert den Zugang zu Gesundheitsversorgung, fördert die Schulung von Hebammen und baut 2021 neun Gesundheitskliniken, von denen mehr als 300.000 Menschen profitieren werden.
  • … fördert Bildungsmaßnahmen, z.B. durch Stipendien für ausgewählte Schüler*innen und renoviert oder baut Schulen in Gemeinden, in denen Rückkehrer oder Binnenvertriebene leben. In diesem Jahr arbeitet UNHCR an 38 Bildungsprojekten, bei denen u.a. 19 Schulen, darunter speziell zwei Mädchenschulen, gebaut werden.


In welchem Umfang diese Unterstütztung weiter fortgesetzt werden kann, hängt von den weiteren Entwicklungen und insbesondere der Sicherheitslage ab. Doch der UNHCR setzt alles daran, den verzweifelten Menschen die Hilfe zukommen zu lassen, die sie so dringend benötigen.

Afghanische Flüchtlinge in den Nachbarländern

In den letzten vier Jahrzehnten haben fast 90 Prozent der weltweit registrierten 2,2 Millionen afghanischen Flüchtlinge* Schutz in Iran und Pakistan gefunden, den unmittelbaren Nachbarländern, die seit Jahrzehnten und Generationen Gastfreundschaft und eine integrative Politik betreiben.

Mehr als 1 Million afghanische Flüchtlinge in Pakistan und Iran sind Kinder unter 14 Jahren. Drei Viertel der Flüchtlinge dort sind unter 25 Jahre alt.

Die meisten Menschen, die in den letzten Monaten fliehen mussten, sind derzeit Binnenvertriebene in Afghanistan. Sie sind es, die jetzt besonders dringend Unterstützung und humanitäre Hilfe benötigen.

(*Insgesamt leben rund sechs Millionen Afghan*innen mit unterschiedlichem Status in Iran und Pakistan.)

Unterfinanzierung der Hilfsmaßnahmen

Die Hilfen des UNHCR in Afghanistan waren in den letzten Jahren immer wieder stark unterfinanziert. Dadurch kam es immer wieder zu Einschränkung bei geplanten Projekten und Maßnahmen. Insbesondere die Bereiche Gesundheitsdienst, Schulbau und berufliche Aus- und Fortbildung, müssen immer wieder gekürzt oder ausgesetzt werden.

In 2020 musste der UNHCR bereits die Anzahl der Schulen, die beim Bau unterstützt wurden, verringern. Und auch die Unterstützung durch Bargeldhilfen und Sachleistungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen - darunter fallen gefährdete Frauen, Überlebende von sexueller Gewalt oder Menschen mit Behinderung - musste gekürzt oder unterbrochen werden. Dies erhöht die Anfälligkeit der äußerst schutzbedürftigen Personen für Missbrauch und Ausbeutung. Aber auch Projekte in den Nachbar- und damit Aufnahmeländern sind immer wieder gefährdet. Darunter Bargeldhilfen, die medizinische Versorgung oder die Bereitstellung von Medikamenten.

Im „Afghanistan Humanitarian Response Plan“, der größte, jemals veröffentlichte humanitäre Appell, veranschlagten die UN-Organisationen den Bedarf für die Nothilfe in 2022 für Afghanistan auf 4,44 Milliarden US-Dollar.

Um den verzweifelten Menschen helfen zu können, brauchen wir dringend Ihre Unterstützung! Gemeinsam können wir dabei helfen, dass Finanzierungslücken geschlossen werden und überlebenswichtige Projekte weiterlaufen können.

 

 

Schülerinnen in Afghanistan

So können Sie helfen

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Abschiebungen nach Afghanistan

Lange galt Afghanistan für die Bundesregierung als sicheres Herkunftsland. Bis Anfang August 2021 hatte sich das Bundesinnenministerium noch für Abschiebungen nach Afghanistan ausgesprochen, da man befürchtete, Afghan*innen sonst zu „motivieren“ nach Europa zu kommen. Seit dem 12.08.2021 werden nun jedoch Abschiebungen aus Deutschland nach Afghanistan bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Gefahr für die abzuschiebenden Menschen, sowie deren Begleiter*innen (auf eine abzuschiebende Personen kommen im Durschnitt drei Begleitpersonen), ist zu groß. Gleichzeitig plädiert nun Margaritis Schinas, der Vizepräsident der EU-Kommission, für eine schnelles Übereinkommen bei der EU-Migrationspolitik.

40 Jahre Afghanistan: Eine Chronik von Konflikt & Gewalt

Vorurteile vs. Fakten - Faktencheck zu Afghanistan

Die Entwicklungen in Afghanistan haben auch hier in Deutschland Ängste geschürt. Doch was ist dran an den Behauptungen und Fragen, die mitunter heftigst in Social Media und Co. dikskutiert werden? Lesen Sie hierzu unseren Faktencheck zu Afghanistan:

„Löst die Krise in Afghanistan eine Flüchtlingswelle wie damals in 2015 aus?"

Momentan sind 2,6 Millionen Afghan*innen auf der Flucht. Fast 90 Prozent aller Flüchtlinge aus Afghanistan finden Schutz in den Nachbarländern Iran und Pakistan. Ein relevanter Anstieg bei der Zahl der irregulären afghanischen Neuankömmlingen in der Türkei, Griechenland oder den westlichen Balkanstaaten konnte bisher nicht festgestellt werden und auch an den Grenzen zu Pakistan und dem Iran gab es keinen größeren Strom an Flüchtlingen aus Afghanistan. Die größte Herausforderung stellen derzeit vielmehr die 3,5 Millionen Afghan*innen dar, die innerhalb des Landes auf der Flucht sind.

Afghan*innen stellen zwar eine der größten Asylbewerbergruppen in Europa dar, von einer Situation wie 2015 kann jedoch bei Weitem keine Rede sein. So wurden im Jahr 2015 476.649 Asylanträge in Deutschland registriert, Hauptherkunftsland war damals Syrien. Dagegen wurden bis Juli 2021  96.528 Asylanträge in Deutschland gezählt, 48 Prozent von syrischen Staatbürger*innen und etwa 11 Prozent von Afghan*innen.

Zum Nachzulesen unter:
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Migrationsberichte/migrationsbericht-2015.html?nn=403964
https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Statistik/AsylinZahlen/aktuelle-zahlen-juli-2021.pdf?__blob=publicationFile&v=2

 

„Wurden nur Männer und keine Frauen und Kinder evakuiert?“

Die Evakuierung von Ortskräften in Afghanistan im August 2021wurde gerade in den Sozialen Medien kontrovers diskutiert. Auf Twitter und Telegram wurden Fotos aus Flugzeugen geteilt, auf denen angeblich nur Männer zu sehen seien. Doch dabei handelt es sich um Falschinformationen, auch Frauen und Kinder wurden evakuiert. Bei der Evakuierung von Ortskräften aus Kriegs- und Krisengebieten durch die Bundeswehr werden auch ihre Familien ausgeflogen - also auch ihre Ehepartner und minderjährige Kinder.

Ein Bild, das häufig auf Twitter geteilt wurde, zeigt einen überfüllten Innenraum einer Militärmaschine. Das Foto sollte zeigen, dass lediglich Männer evakuiert wurden, doch es wurde nur ein bestimmter Ausschnitt des Bildes gezeigt. Das Original zeigt den Innenraum der U.S. Air Force C-17 Globemaster III, das am 15. August 2021 825 Afghan*innen aus dem Land evakuierte. Im Vordergrund sind dabei auch eindeutig Frauen und Kinder zu sehen.

Ein anderes Foto zeigt angeblich zwei Flugzeuge mit männlichen afghanischen Flüchtlingen an Bord, die aus Afghanistan ausgeflogen wurden. Das Foto ist allerdings manipuliert und aus dem Kontext gezogen worden. Es handelt sich dabei um ein einzelnes Bild, das auseinandergeschnitten wurde. Die Aufnahme zeigt afghanische Flüchtlinge, die aus der Türkei ausgewiesen und zurück nach Afghanistan geflogen wurden. Das Originalbild wurde 2018 auf der Nachrichtenseite Eurasia Diary veröffentlicht.

Zum Nachlesen unter:

https://www.bundeswehr.de/de/aktuelles/meldungen/evakuierung-afghanistan 
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/afghanistan-fotos-der-evakuierung-teils-aus-kontext-gerissen,SgRLI7i 
https://www.dvidshub.net/image/6785986/c-17-carrying-passengers-out-afghanistan 
https://correctiv.org/faktencheck/2021/08/18/nein-aus-afghanistan-werden-nicht-nur-maenner-sondern-auch-frauen-und-kinder-evakuiert/

„Wie konnten die Taliban so schnell die Macht ergreifen?“

Der schnelle Vormarsch der Taliban im August 2021 ließ bei vielen die Vermutung aufkommen, dass die afghanische Bevölkerung die radikalislamistische militärische Bewegung unterstützen muss. Gründe für den schnellen Sieg der Taliban sind jedoch andere:

  • Der schnelle Abzug der internationalen Truppen spielte eine große Rolle dabei. Die afghanische Armee wurde praktisch blind zurückgelassen – militärische Unterstützung durch Soldaten, zivile Vertragskräfte, US-Luftunterstützung und nachrichtendienstliche Aufklärung vielen plötzlich weg.
  • Die Taliban sicherte sich zudem einen wichtigen Vorteil, als sie gezielt wichtige Infrastrukturen angriffen und zu eigen machten, wie beispielsweise die Ring Road. Die Ring Road ist die wichtigste strategische Infrastruktur in Afghanistan, da sie die einzige Verbindung zwischen vielen Provinzhauptstädten ist. Bevor Kabul von den Taliban eingenommen wurde, wurden bereits viele Provinzhauptstädte wochenlang von den Taliban belagert und es kam zu einem Domino-Effekt. Durch die Besetzung der Ring Road bekamen die Verteidigungsringe um Städte keinen Nachschub mehr und konnten nicht mehr gehalten werden.
  • Gleichzeitig wurde die Taliban gestärkt, weil sie Tausende Häftlinge aus den eroberten Gefängnissen befreiten, die sie wiederum unterstützten.
  • Die Regierung und Regierungstruppen waren bereits durch Schwäche gekennzeichnet – die politischen und ethnischen Konflikte der afghanischen Gesellschaft spiegelten sich auch dort wieder. Kabul wurde schließlich kampflos von der Regierung aufgegeben, unter anderem auch, um blutige Gefechte zu verhindern.
     

Zum Nachlesen unter:

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/afghanistan-taliban-armee-staerke-ausbildung-100.html 
https://www.deutschlandfunk.de/afghanistan-welche-strategie-verfolgen-die-taliban.2897.de.html?dram:article_id=501723
https://www.zdf.de/nachrichten/politik/afghanistan-taliban-armee-staerke-ausbildung-100.html

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