Straße im Flüchtlingslager Zaatari
© UNHCR

Hilfe für Flüchtlinge in Jordanien

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Folgen des Syrien-Konfliktes

Der UNHCR ist seit 1990 in Jordanien aktiv. Während sich die Arbeit anfangs auf wenige Tausend Flüchtlinge und Asylsuchende aus Ländern des Nahen Osten, dem Irak und Nordafrikas konzentrierte, kamen nach dem Ausbruch der Krise in Syrien 2011 Hunderttausende Flüchtlinge über die Grenze nach Jordanien.

Jordanien ist eines der Länder, das am stärksten von der Krise in Syrien betroffen ist. Von den registrierten Flüchtlinge und Asylsuchende in Jordanien, stammen mehr als 88 Prozent aus Syrien.Vergleicht man die Zahl der Flüchtlinge mit der Einwohnerzahl, ist eine in fünfzehn Personen geflüchtet.

Die Ressourcen und die Infrastruktur im Land werden durch die hohe Zahl an Flüchtlingen stark strapaziert. Gleichzeitig kämpft das Land mit einer hohen Arbeitslosenzahl und einem geringen wirtschaftlichen Wachstum. Das führt dazu, dass viele Flüchtlinge in Armut leben. Sie müssen auf grundlegende Versorgung verzichten, Kredite für Lebensmittel aufnehmen oder mit schlechten Arbeitsbedingungen kämpfen.

760.000 Flüchtlinge leben in Jordanien

46
Prozent

der Flüchtlinge sind Kinder oder Jugendliche

88
Prozent

der Flüchtlinge stammen aus Syrien

82
Prozent

der Flüchtlinge leben in Städten

Leben in Armut

Die meisten Flüchtlinge in Jordanien leben in Städten (rund 82 %). Dennoch gestaltet sich ihr Leben schwierig. Die Mieten haben sich, seit der Ankunft der Flüchtlinge in der Hauptstadt Amman, fast verdoppelt. Die Arbeitslosigkeit ist in Jordanien sehr hoch. Viele Flüchtlinge finden nur im informellen Sektor Arbeit oder haben gar kein Einkommen, obwohl es seit 2016 möglich ist, mit einem Flüchtlingsausweis vom UNHCR eine Arbeitserlaubnis zu beantragen.

Viele Flüchtlinge leben darum unter der jordanischen Armutsgrenze von ungefähr 85 Euro im Monat und sind auf humanitäre Hilfe, wie z.B. Lebensmittelmarken angewiesen. Das Maß an humanitärer Unterstützung, wie zum Beispiel die medizinische Versorgung, ist in städtischen Gebieten erheblich niedriger als für die Bewohner von Flüchtlingslagern.

Ich helfe meiner Mutter dabei, die bunte Wäsche von der Weißen zu trennen und auf dem Markt helfe ich, die guten Früchte zu nehmen und nicht die Schlechten.

Abdallah und seine blinde Mutter flohen vor dem Krieg in Syrien nach Ammna. Seine Mutter verlor ihr Augenlicht als Folge der schrecklichen Erlebnisse. Beide sind von den monatlichen Bargeldhilfen des UNHCR abhängig. Das Geld ermöglicht ihnen, ihre Rechnungen und ihre Wohnungsmiete zu zahlen und ermöglicht Abdallah, zur Schule zu gehen.

Zwei große Flüchtlingslager

Es gibt in Jordanien zwei große Flüchtlingslager: Azraq und Zaatari.

Zaatari ist das größte Flüchtlingslager in Jordanien und wurde zu einem Symbol für die Folgen der Syrien-Krise. Es ist dreimal so groß wie das Azraq Camp und liegt an der nördlichen Grenze zu Syrien. Nach seiner Gründung im Jahr 2012 entwickelte es sich von einer kleinen Ansammlung von Zelten hin zu einer Siedlung mit ca. 80.000 Bewohnern im April 2020. Mit der Größe des Flüchtlingslagers stieg auch die Anforderung an eine vorausplanende und effiziente Nothilfe, die auf die Bedürfnisse und Wünsche der Flüchtlinge eingeht.

Über 55% der Flüchtlinge in Zaatari sind Kinder. Das bedeutet, dass es einen großen Bedarf an Schulen gibt. Ingesamt nehmen 87% der schulpflichtigen Kinder teil an Schulunterricht. Es gibt 32 Schulen und insgesamt 7 Gemeinschaftszentren für Freizeit- und Bildungsveranstaltungen.

Sie glauben nicht, wie schwierig es ist, ohne Strom zu leben, für jemanden das gewöhnt ist. Wenn wir zum Beispiel etwas gekocht hatten, mussten wir die Reste wegschmeissen, weil wir sie nicht sicher aufbewahren konnten. Das ist schwer, wenn man nicht viel hat.

Das erzählt die 52-jährige syrische Flüchtlingsfrau, Fatima. Im Mai 2017 ging im Flüchtlingslager Azraq die erste großflächige Solaranlage ans Netz, um die rund 40.000 Bewohner in der unwirtlichen Wüstenregion mit Strom zu versorgen. Möglich wurde das Energieprojekt durch die Zusammenarbeit von UNHCR mit der Kampagne „Brighter Lives for Refugees“ der IKEA-Foundation.

Was macht der UNHCR vor Ort?

Da Jordanien kein Unterzeichner der Genfer Flüchtlingskonvention ist, haben sich der UNHCR und die Regierung des Landes auf eine gemeinsame Absichtserklärung geeinigt, die die Zusammenarbeit regelt. Arbeitsschwerpunkte im Jahr 2022  sind vor allem die soziale Inklusion der Flüchtlinge, die Gestaltung nachhaltiger Schutz- und Eingliederungsprogramme und deren Vereinbarkeit mit den nationalen Systemen.

Der UNHCR

  • gibt Bargeldhilfen an Flüchtlinge zur Deckung der Grundbedürfnisse. Alleine im Mai, 2022 erhielten 33.000 Flüchtlingsfamilien Bargeldhifen.
  • bietet Rechtsberatung für Flüchtlinge an.
  • bietet Flüchtingen kostenlose Gesundheitsversorgung an.
  • unterstützt Opfer sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt mit psychosozialer Hilfe und Bargeldhilfen. In Zusammenarbeit mit lokalen NGOs erhalten die Opfer medizinische Hilfe, Rechtsbeistand und sichere Unterkünfte.
  • fördert durch das DAFI-Programm junge Menschen mit Stipendien und Unterstützung bei ihrem Studium.
  • unterstützt Flüchtlinge bei der Arbeitssuche. Zwischen 2016 und November 2019 erhielten über 159.000 Flüchtlinge in Jordanien eine Arbeitserlaubnis, die es ihnen ermöglichte, vor allem im Bau- und Landwirtschaftssektor eine Arbeit zu finden. Eine offizielle Arbeitserlaubnis schützt Flüchtlinge vor Ausbeutung und ermöglicht es ihnen, ihr Leben selbstständiger zu gestalten.
  • sucht nach Möglichkeiten zur dauerhaften Umsiedlung in sicheren Drittländern.

Herausforderung COVID-19

Die hygienischen Bedingungen in Flüchtlingslagern und engen Unterkünften sind in den meisten Fällen schwierig und eine ausreichende medizinische Versorgung der Flüchtlinge bei einer schnellen Ausbreitung der Krankheit kaum möglich.

Flüchtlinge werden über das Coronavirus aufgeklärt und über Hygienemaßnahmen informiert. In den Flüchtlingslagern gelten Bewegungseinschränkungen und auch das Personal hat nur noch eingeschränkt Zugang. Die Flüchtlinge haben weiterhin Zugang zu nationalen Gesundheitsdiensten und erhalten bei einem Verdacht auf eine Infektion die entsprechende Behandlung.

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Wie hilft die UNO-Flüchtlingshilfe?

Um die Flüchtlinge in Jordanien gezielt zu unterstützen, erhalten monatlich mehr als 30.000 Flüchtlingsfamilien finanzielle Zuschüsse im Rahmen des Bargeldhilfe-Programms.

Die Familien nutzen die Bargeldhilfe, um Miete, Nahrung und medizinische Versorgung zu bezahlen sowie um ihre Kinder zur Schule schicken zu können. Zudem kommt die Bargeldhilfe auch der lokalen Wirtschaft zugute und baut somit Spannungen zwischen den Flüchtlingen und der Aufnahmegesellschaft ab. Seit 2015 hat die UNO-Flüchtlingshilfe das Bargeldhilfen-Programm für Flüchtlinge in Jordanien mit über 1 Millionen Euro unterstützt.

In 2021 unterstützte die UNO-Flüchtlingshilfe die Hilfe für syrische Flüchtlinge in den Nachbarländern mit insgesamt knapp 6,4 Millionen Euro.

Unterfinanzierung

Um die Hilfe für die Menschen im Jordanien finanzieren zu können, benötigt der UNHCR 266 Millionen US Dollar. Dabei ist die Hilfe chronisch unterfinanziert. Bis ungefähr Mitte des Jahres 2022 konnten nur 27 Prozent der finanziellen Mittel gedeckt werden.

Von der Unterfinanzierung stark betroffene Hilfsmaßnahmen

144 Millionen US-Dollar
Wohlergehen und Grundbedürfnisse

Bargeldhilfen und lebensnotwendige Hilfsgüter für Flüchtlinge müssen gekürzt werden. Die Kürzung in diesem Sektor bedeuten, dass nur 1/3 der Flüchtlinge, die auf Bargeldhilfen angewiesen sind, diese erhalten.

25 Millionen US-Dollar
Dauerhafte Unterbringung

Nur die Hälfte der Haushalte in Flüchtlingslagern verfügt über einen Zugang zu einer funktionierenden Stromversorgung, und nur ein Drittel der Haushalte, bei denen eine neue oder reparierte Unterkunft erforderlich ist, kann diesen beziehen.

35 Millionen US-Dollar
Gesundheit

Die Bargeldhilfe zur Finanzierung von medizinischen Behandlungen wird um ein Drittel einbrechen, ebenso wie die Zahl der ärztlichen Beratungen in der Grundversorgung und die weiterführenden und Nachsorgesehandlungen.

Jordanien

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