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Seenotrettung Flüchtlingskrise Mittelmeer

Flüchtlingskrise Mittelmeer

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Flucht nach Europa

Schon seit Jahren fliehen Menschen aus den Krisenregionen der Welt über das Mittelmeer nach Europa – mit verheerenden Auswirkungen: Im Jahr 2016 ertranken über 5.000 Menschen im Mittelmeer. 2017 starben oder verschwanden laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mehr als 3.100 Geflüchtete. Und in 2018 waren mehr als 2.300 Tote und Vermisste zu beklagen. 2019 fanden bereits 1.041 Menschen den Tod bei der Flucht über das Mittelmeer.

Obwohl die Zahl der Ankünfte über die Mittelmeerroute seit 2016 stark gesunken ist (2016: 373.652 Menschen; 2017: 185.139 Menschen; 2018: 141.472 Menschen; bis Sep 2019: 80.800 Menschen), bleibt der Weg übers Mittelmeer die tödlichste Seeroute der Welt.

80800
Ankünfte

bis Sep 2019

1041
Menschen

2019 verstorben/vermisst

12900
Kinder

flüchteten nach Griechenland

Warum wagen Menschen die lebensgefährliche Flucht?

Diese grausame Bilanz verdeutlicht, dass die Menschen verzweifelt sind. Sie fürchten um ihr Leben. Sie suchen nach Schutz und einem Neuanfang. Sie sehen in ihrer Heimat oder den angrenzenden Nachbarländern keine Perspektive mehr – weder für sich, noch für ihre Kinder. Darum wagen sie die Flucht in seeuntauglichen Schlauchbooten und in den Händen skrupelloser Schlepper. Viele unter ihnen werden Opfer von Gewalt und Ausbeutung.

Der UNHCR veröffentlicht hierzu regelmäßig den Report "Desperate Journeys". Der Bericht informiert über die Situation ankommender Flüchtlinge in und außerhalb Europas und liefert Statistiken über die Entwicklung von Migrations- und Fluchtbewegungen auf internationaler Ebene. Die wesentlichen Aussagen haben wir für Sie kurz zusammengefasst.

Desperate Journeys 2019

Mehr als ein Viertel der ankommenden Flüchtlinge sind Kinder

  • In Griechenland allein flüchteten bis September 2019 fast 13.000 Flüchtlingskinder.
  • Viele der Flüchtlingskinder sind unbegleitet oder wurden von ihren Eltern getrennt.


Der neue UNHCR-Bericht "Desperate Journeys" zum Mittelmeer konzentriert sich in diesem Jahr auf die Lage von Flüchtlings- und Migrantenkindern. Der UNHCR fordert, dass die europäischen Staaten sich verstärkt darum bemühen müssen, Flüchtlings- und Migrantenkinder besser zu schützen.

„Diese Kinder sind häufig vor Konflikten geflohen, haben Familienmitglieder verloren, waren monatelang oder sogar jahrelang unterwegs und haben auf ihrem Weg häufig Schreckliches erlitten, aber ihr Leiden hört nicht an der Grenze auf“, sagt Pascale Moreau, Direktorin des UNHCR- Europabüros. „In ganz Europa werden insbesondere unbegleitete Kinder häufig in großen Zentren mit minimaler Aufsicht untergebracht, wodurch sie weiterem Missbrauch, Gewalt und psychischen Belastungen ausgesetzt werden und das Risiko steigt, dass sie weiterziehen oder verschwinden.“

Verschiedene Maßnahmen können die Situation von Flüchtlings- und Migrantenkinder in Europa deutlich verbessern:

  • Kinder dürfen bei der Einreise nicht inhaftiert werden.
  • Kindgerechte und sichere Unterbringungsmöglichkeiten sind notwendig.
  • Kinder brauchen ausgebildete Vormünder oder Sozialarbeiter, die sie betreuen und darauf achten, dass ihre Rechte gesichert sind.
  • Zugang zu Bildung muss sichergestellt sein.
  • Ganzheitliche und multidisziplinäre Methoden, um das Alter von Kindern festzustellen.
  • Verfahren der Familienzusammenführung müssen etabliert werden.


Der Bericht „Desperate Journeys“ auf Deutsch steht hier zur Verfügung.

Der Bericht „Desperate Journeys“ auf Englisch ist hier abrufbar.

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Seenotrettung Flüchtlingskrise Mittelmeer

Eine Europäische Lösung ist nicht in Sicht

Eine europäische Einigung über den Umgang mit den Flüchtlingen ist in den vergangenen Monaten nicht erzielt worden. Die Notleidenden sind die Flüchtlinge, die sich nun in einer Sackgasse befinden. Zurückkehren können sie nicht, aber einen Zufluchtsort haben viele von ihnen auch noch nicht gefunden.

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, appellierte deshalb an die Regierungen dieser Welt endlich zu handeln, denn solange es keine legalen Alternativen gibt, werden Flüchtlinge sich weiterhin in die Hände von Schleppern begeben und ihr Leben riskieren.

Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die in Europa ankommen, zu reduzieren, ohne gleichzeitig Frieden, Entwicklung und sichere Wege zu verstärken, ist moralisch inakzeptabel.

Fluchtrouten verlagern sich

Asylsuchende, die im vergangenen Jahr den Seeweg nach Griechenland wählten, fanden sich häufig in überfüllten Aufnahmelagern mit langen Wartezeiten wieder. Wer versuchte, das Meer nach Italien zu überqueren, musste damit rechnen, von der Libyschen Küstenwache abgefangen und inhaftiert zu werden. Je nach Situation und Risiko verändern sich die Routen, die die Menschen über das Mittelmeer wählen, in jedem Jahr.

Die Ankunftszahlen in Italien und Spanien sind 2019 wieder gesunken. In Griechenland stiegen die Zahlen der Ankünfte von Flüchtlingen wieder.

  • Italien: 21.000 Flüchtlinge und MigrantInnen
  • Spanien: 43.200 Menschen
  • Griechenland: 37.300 Flüchtlinge und MigrantInnen

Weitere Informationen zur Situation am Mittelmeer (auf Englisch) finden Sie hier.

Angesichts der Entwicklungen am Mittelmeer und in Lybien finden Sie hier ein Statement von UNHCR und IOM.

So hilft UNHCR vor Ort

UNHCR-Helferinnen und Helfer sind sowohl in den betroffenen Regionen Afrikas, als auch in den Ankunftsländern Europas aktiv, um die Mittelmeerregion zu stabilisieren. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützte deshalb Projekte des UNHCR für Schutzsuchende in und auf dem Weg nach Europa.

In Afrika (Algerien, Libyen, Niger, Nigeria, Äthiopien…):

  • Versorgung der Flüchtlinge mit Nothilfegütern
  • Identifizierung von und Hilfe für besonders schutzbedürftigen Personen
  • Zusammenarbeit mit den Regierungen der betroffenen Länder und Unterstützung bei ihren internationalen Verpflichtungen
  • Sensibilisierung und Aufklärung zu Risiken der Flucht
  • Ausbildungsunterstützung für Küstenwachen
     

In Europa (Griechenland, Italien, Spanien…):

  • Aufnahme und Begleitung von Asylsuchenden
  • Versorgung mit Nothilfegütern
  • Technische Hilfe bei Errichtung von Aufnahmezentren
  • Identifizierung von und Hilfe für besonders schutzbedürftigen Personen, beispielsweise Minderjährige oder Opfer von Gewalt
  • Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern, um auf Lösungen für Flucht- und Vertreibungssituationen hinzuwirken
  • Verbesserung der Konditionen von Such- und Rettungsaktionen

 

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