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Klimawandel
© UNHCR/Brendan Bannon

Klimawandel als Fluchtgrund

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Was hat der Klimawandel mit Flucht zu tun?

Das Weltklima ändert sich – und das in einer Geschwindigkeit, die die meisten Voraussagen der Wissenschaftler*innen übertrifft. Für viele Menschen sind die negativen Folgen des klimatischen Wandels bereits hautnah zu spüren. Viele Regionen der Erde sehen sich mit langanhaltenden Dürren konfrontiert; Unwetter nehmen zu. Millionen Menschen leben in den Brennpunkten des Klimawandels, haben aber nicht die Mittel, um sich an die zunehmend unwirtliche Umwelt und die erschwerten Lebensbedingungen anzupassen oder sie verlassen ihre Heimat nach einer verheerenden Naturkatastrophe auf der Suche nach einem Neubeginn.

Klimawandel bedroht Millionen Menschenleben

Klimawandel, Konflikte, Armut, Ernährungsunsicherheit und Vertreibung überschneiden sich zunehmend, so dass immer mehr Menschen auf der Suche nach Sicherheit fliehen müssen. Dabei lösen Naturkatastrophen mehr als dreimal so viele Vertreibungen aus, wie Konflikte und Gewalt. Laut dem Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC), so der UNHCR, haben 2020 rund 30,7 Millionen Menschen ihre Heimat aufgrund von Naturereignissen, wie Dauerregen, langanhaltenden Dürren, Hitzewellen und Stürmen sowohl kurz- als auch langfristig verlassen müssen.

Der Klimawandel könnte zum Hauptfluchtgrund werden. Er verstärkt den Wettstreit um die Ressourcen - Wasser, Nahrungsmittel, Weideland - und daraus können sich Konflikte entwickeln.

António Guterres, damaliger Hoher Flüchtlingskommissar und jetziger Generalsekretär der Vereinten Nationen, 2009 auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen.

Naturkatastrophen nehmen zu

Eine Folge des Klimawandels ist die Verdopplung der Naturkatastrophen innerhalb eines Jahres. Im Oktober 2018 sprach das UN-Büro für Katastrophenvorsorge (UNISDR) in Genf von alarmierenden Zahlen - auch mit Blick in die Zukunft. Die Zahl der klimabedingten Katastrophen seien demnach von durchschnittlich 165 auf 329 pro Jahr gestiegen.

Bei fast jeder Naturkatastrophe - seien es Erdrutsche, Überschwemmungen, Taifune oder Hurrikans - müssen die Menschen aus ihren Häusern fliehen, manchmal sogar über Landesgrenzen hinweg.

Herkunfts- und Aufnahmeländer mit Folgen des Klimawandel überfordert

80 Prozent der Flüchtlinge stammen aus armen krisengeschüttelten Ländern, die vom Klimawandel betroffen sind, aber kaum Ressourcen haben, um die Auswirkungen zu verhindern oder abzumildern. Dazu gehören die fünf Länder, aus denen weltweit die meisten Flüchtlinge kommen: Syrien, Venezuela, Afghanistan, Südsudan und Myanmar.

Die meisten Menschen, die im Zusammenhang mit dem Klimaveränderungen und Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen werden, bleiben in ihren eigenen Ländern. 40% der Geflüchteten leben in Ländern, die durch Klimaveränderungen besonders betroffen sind.

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Screenshot Video Klimawandel

Klimawandel birgt Konfliktpotential

Begrenzte natürliche Ressourcen, wie Trinkwasser, werden sicherlich noch knapper. Viele Feldfrüchte und einige Vieharten werden in bestimmten Gebieten nicht überleben können, wenn es zu heiß und trocken oder zu kalt und nass wird. Die Lebensmittelversorgung ist in vielen Regionen der Welt schon jetzt ein Grund zur Sorge.

Die Menschen müssen versuchen, sich an diese Situation anzupassen, aber für viele wird es den bewussten Umzug in eine andere Region bedeuten, um überleben zu können. Die Situation hat das Potential Konflikte zwischen Gemeinden heraufzubeschwören, wenn immer mehr Menschen um immer weniger Ressourcen konkurrieren.

Für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sind die Konsequenzen des Klimawandels enorm.

Gibt es „Klima- und Umweltflüchtlinge“?

Im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention gibt es keine Klima- oder Umweltflüchtlinge. Denn als Flüchtling gilt im Völkerrecht jemand, der aus Gründen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung verfolgt und bedroht wird und darum sein Land verlässt. Menschen, die aus persönlichen oder materiellen Notlagen, wie Hunger, Krieg oder die Zerstörung der Umwelt fliehen, zählen nicht dazu.

Dennoch können Naturkatastrophen oder die Zerstörung von Lebensgrundlagen durch Klimaveränderungen zu Fluchtbewegungen über Ländergrenzen führen. Im UN-Migrationspakt wird dies ausdrücklich erwähnt. Insbesondere wenn es durch Ressourcenmangel, wie z.B. Wassermangel zu Konflikten zwischen Bevölkerungsgruppen kommt, sehen sich Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen.

Flucht vor Naturkatastrophen in völkerrechtlichen Konventionen

Die OAU-Konvention von 1969 und die Erklärung von Cartagena von 1984 erweitern die Flüchtlingsdefinition nach den Erfahrungen mit Befreiungskriegen, Bürgerkriegen, Staatsstreichen, religiösen und ethnischen Konflikten sowie Naturkatastrophen, so dass auch Personen als Flüchtling zählen, die vor Klimaveränderungen oder Naturkatastrophen fliehen, die ein Überleben schwierig machen.

In der regional für Afrika geltenden völkerrechtlichen Konvention zum Schutz von Flüchtlingen der Organisation für Afrikanische Einheit, heute Afrikanische Union, von 1969 heißt es in Artikel I, Absatz 2:

"Der Begriff Flüchtling soll außerdem auf jede Person Anwendung finden, die wegen Aggression von außen, Besetzung, Fremdherrschaft oder aufgrund von Ereignissen, die die öffentliche Ordnung in einem Teil des Landes oder im gesamten Land ernsthaft stören, gezwungen ist, den Ort ihres gewöhnlichen Aufenthalts zu verlassen, um an einem anderen Ort außerhalb ihres Landes ihrer Herkunft oder ihrer Staatszugehörigkeit Zuflucht zu suchen."

Die Erklärung von Cartagena, die von 10 lateinamerikanischen Staaten verabschiedet wurde erweitert die Flüchtlingsdefinition in Abschnitt III Absatz 3:

"Personen, die aus ihrem Land geflüchtet sind, weil ihr Leben, ihre Sicherheit oder Freiheit  durch  allgemeine  Gewalt,  den  Angriff  einer  ausländischen  Macht,  interne Konflikte, massive Verletzungen der Menschenrechte oder sonstige Umstände, die zu einer ernsthaften Störung der öffentlichen Ordnung geführt haben, bedroht sind."

Welchen Standpunkt vertritt der UNHCR?

Die meisten Menschen, die gezwungen sind, ihr Zuhause im Zusammenhang mit Naturkatastrophen und dem Klimawandel zu verlassen, sind keine Flüchtlinge im völkerrechtlichen Sinn der Genfer Flüchtlingskonvention.

Es kann jedoch Situationen geben, in denen die Flüchtlingskriterien der Konvention von 1951 oder die umfassenderen Flüchtlingskriterien regionaler Flüchtlingsgesetze anwendbar sein könnten: nämlich dann, wenn der Klimawandel und damit zusammenhängende Naturkatastrophen Gewalt, bewaffnete Auseinandersetzungen und Vertreibung zur Folge haben, in deren Zuge Menschen über Grenzen fliehen.

Weitere Informationen zum Standpunkt des UNHCR

Welche Lösungsansätze verfolgt der UNHCR?

Angesichts der steigenden Zahl von Menschen, die vor Naturkatastrophen gezwungen sind, ihre Heimatregionen zu verlassen, unterstützt der UNHCR seit 2012 die Nansen Initiative, die für solche Situationen Lösungsansätze entwickeln soll. Die Nansen Initiative verabschiedete 2017 eine Schutzagenda und initiierte eine Platform on Disaster Displacement, um die Staaten bei der Umsetzung ihrer Empfehlungen zu unterstützen.

Gleichzeitig bindet der UNHCR in alle Bereiche seiner Arbeit Umweltaspekte ein, um das Risiko von Naturkatastrophen zu minimieren.
 

Warum und wann hilft der UNHCR auch bei Naturkatastrophen?

Nach seinem Mandat hilft der UNHCR in Krisenfällen Flüchtlingen und vertriebenen Menschen mit der Bereitstellung von lebenswichtiger Versorgung mit Trinkwasser, Notunterkünften, Decken, medizinischer Hilfe und Lebensmitteln.

Aber auch im Falle von Naturkatastrophen stehen UNHCR-Nothilfeteams bereit, wenn der Einsatz praktisch umzusetzen und angemessen ist. Dies kommt vor allem in Regionen vor, in denen UNHCR Lagerbestände hat, weil dort Flüchtlinge und Vertriebene unterstützt werden und diese von den Folgen der Naturkatastrophe betroffen sind.

 

 

Klimawandel und Flüchtlinge

  • In vielen Regionen der Welt herrscht aufgrund von Dürre und unregelmäßigem Regen, ausgelöst durch den Klimawandel, Wasserknappheit. So auch im Tschad. Flüchtlingskinder aus dem Sudan müssen teilweise viele Kilometer zurücklegen, um Wasser für die Familie und die Tiere zu holen. Besonders für Frauen können die immer länger werdenden Wege gefährlich werden, denn sie laufen Gefahr, überfallen oder vergewaltigt zu werden.
    © UNHCR/Oualid Khelifi

    In vielen Regionen der Welt herrscht aufgrund von Dürre und unregelmäßigem Regen, ausgelöst durch den Klimawandel, Wasserknappheit. So auch im Tschad. Flüchtlingskinder aus dem Sudan müssen teilweise viele Kilometer zurücklegen, um Wasser für die Familie und die Tiere zu holen. Besonders für Frauen können die immer länger werdenden Wege gefährlich werden, denn sie laufen Gefahr, überfallen oder vergewaltigt zu werden.

  • Weitere Folgen des Klimawandels können verschiedene Naturkatastrophen sein. Ein Sturm und starker Regenfall hat diese Unterbringung von Binnenvertriebenen im Jemen zerstört. Im Jemen herrscht zudem gerade die größte humanitäre Krise weltweit und Millionen von Menschen sind von Unterernährung betroffen.
    © UNHCR/RADF

    Weitere Folgen des Klimawandels können verschiedene Naturkatastrophen sein. Ein Sturm und starker Regenfall hat diese Unterbringung von Binnenvertriebenen im Jemen zerstört. Im Jemen herrscht zudem gerade die größte humanitäre Krise weltweit und Millionen von Menschen sind von Unterernährung betroffen.

  • Nicht nur der Konflikt in der Provinz Cabo Delgado in Mosambik, macht den Geflüchteten zu schaffen. Starke Regenfälle fluteten ein Flüchtlingscamp für Binnenvertriebene und zerstörten viele Unterkünfte von Menschen, die kurz zuvor schon ihr Zuhause zurücklassen mussten.
    © UNHCR/Martim Gray Pereira

    Nicht nur der Konflikt in der Provinz Cabo Delgado in Mosambik, macht den Geflüchteten zu schaffen. Starke Regenfälle fluteten ein Flüchtlingscamp für Binnenvertriebene und zerstörten viele Unterkünfte von Menschen, die kurz zuvor schon ihr Zuhause zurücklassen mussten.

  • Vor 20 Jahren war das Land in Kutubdia in Bangladesch noch grün und fruchtbar. Bauern haben hier Reis angebaut. Seitdem hat sich viel verändert: Der Meeresspiegel stieg an und überflutete Teile des Landes. Das einzige, was hier noch wachsen kann, ist Salz. Der Wasserspiegel wird auch in den nächsten Jahren stetig ansteigen und das Zuhause von Millionen von Menschen gefährden. Nach Schätzungen wird die Insel Kutubdia in 30 Jahren verschwunden sein.
    © UNHCR/Saiful Huq Omi

    Vor 20 Jahren war das Land in Kutubdia in Bangladesch noch grün und fruchtbar. Bauern haben hier Reis angebaut. Seitdem hat sich viel verändert: Der Meeresspiegel stieg an und überflutete Teile des Landes. Das einzige, was hier noch wachsen kann, ist Salz.
    Der Wasserspiegel wird auch in den nächsten Jahren stetig ansteigen und das Zuhause von Millionen von Menschen gefährden. Nach Schätzungen wird die Insel Kutubdia in 30 Jahren verschwunden sein.

  • Wanatidanganja Saverina konnte dank eines Kredits ihr eigenes kleines Unternehmen aufbauen. Sie stellt Briketts her, die aus recycelten Abfall - Unkraut und Pflanzenteile - aus der Landwirtschaft bestehen. Die Briketts sind nicht nur günstig, sondern halten lange und sind umweltfreundlich, denn um herkömmliche Holzbriketts herzustellen, müssen Bäume gefällt werden. Die recycelten Briketts sind ein wichtiger Beitrag in der Bekämpfung der Abholzung, die den Klimawandel weiter antreibt.
    © UNHCR/Duniya Aslam Khan

    Wanatidanganja Saverina konnte dank eines Kredits ihr eigenes kleines Unternehmen aufbauen. Sie stellt Briketts her, die aus recycelten Abfall - Unkraut und Pflanzenteile - aus der Landwirtschaft bestehen. Die Briketts sind nicht nur günstig, sondern halten lange und sind umweltfreundlich, denn um herkömmliche Holzbriketts herzustellen, müssen Bäume gefällt werden. Die recycelten Briketts sind ein wichtiger Beitrag in der Bekämpfung der Abholzung, die den Klimawandel weiter antreibt.

  • Bangladesch wird jedes Jahr von Monsunregenfällen heimgesucht. Überschwemmungen und Erdrutsche gefährden die Menschen. Auch die rund 640.000 Rohingya, die aus Myanmar flüchten mussten und im größten Flüchtlingslager der Welt, Kutupalong, wohnen, trifft es hart. Trotzdem sind die Niederschläge nach längerer Dürre, besonders für Bauern, wichtig.
    © UNHCR/David Azia

    Bangladesch wird jedes Jahr von Monsunregenfällen heimgesucht. Überschwemmungen und Erdrutsche gefährden die Menschen. Auch die rund 640.000 Rohingya, die aus Myanmar flüchten mussten und im größten Flüchtlingslager der Welt, Kutupalong, wohnen, trifft es hart. Trotzdem sind die Niederschläge nach längerer Dürre, besonders für Bauern, wichtig.

Wir müssen jetzt in vorsorgende Maßnahmen investieren um den künftigen Schutzbedarf zu mindern und weitere klimabedingte Vertreibungen zu verhindern. Auf die Katastrophe zu warten ist keine Option.

Filippo Grandi, UN-Flüchtlingshochkommissar

Flüchtlinge und die Auswirkungen auf die Umwelt

Große Flüchtlingsbewegungen können enorme negative Umweltauswirkung haben. Im Umkreis von Flüchtlingslagern und -siedlungen kann es zu Problemen kommen, wie Abholzung, Überfischung, Wilderei und dem Verbrauch ohnehin knapper Wasserressourcen. Konflikte um diese Ressourcen sind eine Gefahr für das Wohlergehen der Flüchtlinge und die Arbeit der Hilfsorganisationen vor Ort. Darum ist der Umweltschutz wichtiger denn je auch für die Arbeit von Hilfsorganisationen.

Der UNHCR bezieht Umweltaspekte in alle Bereiche der Flüchtlingshilfe ein:

  • versucht die negativen Auswirkungen großer Bevölkerungsbewegungen und die Ansiedlung vieler Menschen auf die Natur zu vermeiden,
  • nutzt wenn möglich klimaneutrale, umwelt- und ressourcenschonende Technologien, wie ökologische Brennöfen oder die Herstellung von Brikets, Solarstromanlagen,
  • fördert die Aufforstung von geschädigten Flächen,
  • versucht Schäden durch Überschwemmungen und Erdrutsche in Monsunregionen durch bauliche Maßnahmen zu vermeiden.
     

Umweltschutz in der Flüchtlingsarbeit

Pflanze wird gepflanzt

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